Stadtgeschichte

Dunkle Seiten der Briloner Geschichte: Von Hexen und Henkern

„Über Hexen und Henker“ ist eine neue Stadtführung in Brilon. Das Foto zeigt Elke Bertulies mit einer Gruppe auf der Rathaustreppe.

„Über Hexen und Henker“ ist eine neue Stadtführung in Brilon. Das Foto zeigt Elke Bertulies mit einer Gruppe auf der Rathaustreppe.

Foto: Joachim Aue

Brilon.   Die Stadtführung „Von Hexen und Henkern“ zeigt die dunklen Seiten aus der Geschichte der Stadt Brilon. Manche Spuren sind noch heute zu sehen.

Auch die alte Hansestadt hat eine dunkle Stadtgeschichte. Was es mit Hexen und Henkern im Mittelalter dort auf sich hat, wollten jetzt rund zwei Dutzend - meist Briloner Bürger - von Stadtführerin Elke Bertulies bei einer ganz besonderen Stadtführung etwas genauer wissen.

Dass Brilon auch eine dunkle Seite hat, wurde den Besuchern von Haus Hövener Anfang dieses Jahres bewusst, als ein Museumsteam gemeinsam mit dem Heimatbund Semper Idem die Ergebnisse von Forschungen über die Hexenprozesse im Mittelalter vorstellten.

Verhängnisvolle Anschuldigungen

Wenn schon ein solches Interesse an diesen Themen besteht, sagte sich die Stadtführergilde, dann ist es ihr ein besonderes Anliegen, die Heimatfreunde bei einem Stadtrundgang an die Plätze von Brilons unrühmlicher Vergangenheit zu führen.

„Das ist nichts für zartbesaitete Gemüter“, sagte Stadtführerin Elke Bertulies in ihrem mittelalterlichen Gewand. Das wurde allen gleich bei der Einstimmung auf den Rundgang in der ehemaligen Klosterbibliothek der Minoriten im Haus Hövener deutlich. Die Stadtführerin zitierte aus einem Buch aus dem Jahre 1689 eines anonymen Minoriten aus dem Kloster. Thema ist der Exorzismus. Darin heißt es: „Wer mit dem Teufel paktiert, soll brennen.“ Es war eine verhängnisvolle Anschuldigung – war doch der Aberglaube in der damaligen Zeit fest manifestiert. Wer damals von seinen Mitmenschen nur in die Nähe von Hexerei und Zauberei gestellt wurde, hatte schon fast verloren. Oft genügte es für eine Frau, zum Beispiel rothaarig zu sein, schon war sie als Hexe verschrien und musste um ihr Leben bangen.

Das Schicksal Anna Muschels

Betrachtet man die damalige Zeit aus heutiger Sicht, sind Intrigen und Denunziantentum bestimmt nicht weniger geworden. Doch der Nachbarn, mit dem man nicht klar kommt, und der politische Rivale leben im 21. Jahrhundert wesentlich sicherer.

Beispielhaft ist das Schicksal der Brilonerin Anna Muschel, die wahrscheinlich im September 1684 als Hexe verbrannt wurde. Wahrscheinlich am Hexenstein, außerhalb der Stadt im Bereich der Lederke. Der Frau wurde beim Verhör im Rathaus vorgeworfen, Schuld am Tod des Pferdes des Nachbarn zu sein. Auch das Erlöschen des Ofens auf der Olsberger Hütte sei ihr Teufelswerk gewesen. Bevor sie auf dem Scheiterhaufen den Tod fand, wurde sie nach langen Verhören im Rathaus im Siechenhaus, der nächsten Station des Rundgangs, gefoltert, um ein Geständnis zu erzwingen. Das Siechen- oder auch Seuchenhaus stand an der Altenbürener Straße, Abzweig Rixener Straße, außerhalb der Stadtmauern und wurde 1750 abgerissen.

Letzter Hexenprozess in Westfalen

Zum Gedenken an die dort untergebrachten Kranken wurde dort schon 1677 ein Bildstock errichtet. Zu Ehren des Pestheiligen, des Heiligen Rochus, wurde im benachbarten Wäldchen eine Kapelle erbaut – vermutlich, um ein 1635 gegebenes Versprechen einzulösen, als eine Pestwelle das Sauerland heimsuchte und auch in Brilon zahlreiche Opfer fand.

Nach einem kurzen Abstecher in die Propsteikirche mit dem außergewöhnlichen Wilgefortis-Kreuz war das Derker Tor die letzte Station des Rundgangs. Hier ging es insbesondere um die Henkersdienste und die Stadtbefestigung. Elke Bertulis: „Ein Henker verdiente damals vier Taler.“ Außerdem berichtete Stadtführerin Elke Bertulies über den zweiten Briloner Hexenprozess. Dieser ging nicht nur als letzter Hexenprozess Westfalens (1732) in die Geschichte ein, sondern auch, weil er ein außergewöhnliches Ende fand.

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