Interview

Corona: Prognose für die weitere Pandemie-Entwicklung im HSK

Dr. Peter Kleeschulte ist Leiter des Kreisgesundheitsamts im HSK und Mitglied des Corona-Krisenstabs.

Dr. Peter Kleeschulte ist Leiter des Kreisgesundheitsamts im HSK und Mitglied des Corona-Krisenstabs.

Foto: Martin Reuther

Hochsauerlandkreis.  Dr. Peter Kleeschulte ist Leiter des HSK-Gesundheitsamts. Wie er die Entwicklung der Corona-Pandemie einschätzt und was er den Bürgern jetzt rät.

Die Corona-Kurve im Hochsauerlandkreis bleibt flach. Die statistischen Zahlen lauten für Freitag, 29. Mai, 9 Uhr: 583 Genesene und 8 Erkrankte sowie 17 Sterbefälle in Verbindung mit einer Coronavirus-Infektion. Stationär wird im HSK derzeit niemand behandelt. Die Zahl aller bestätigten Erkrankten beträgt damit 608, eine Person mehr als am Donnerstag.

Die WP sprach vor dem Hintergrund der seit Wochen anhaltend positiven Entwicklung mit Dr. Peter Kleeschulte, dem Leiter des HSK-Gesundheitsamts und Mitglied des Corona-Krisenstabs.

Seit Wochen flacht die Infekltionskurve im HSK ab. Seit dem 19. Mai gab es nur eine Neuinfektion kreisweit. Ist die erste Welle der Corona-Pandemie überstanden?

Dr. Peter Kleeschulte: Die sogenannte erste Welle haben wir überstanden. Das gilt nicht nur für den HSK, wenn man sich die Zahlen in NRW und auch bundesweit ansieht. Womit wir sicherlich weiter rechnen müssen, sind punktuelle Ausbrüche wie es sie zuletzt z.B. im Kreis Coesfeld gab. Dann kann in einem Kreis die Zahl der Infizierten auch einmal sprunghaft steigen. Im HSK hatten wir jetzt über einen langen Zeitraum eine Sieben-Tage-Inzidenz von null – das heißt, keine nachgewiesene Infektion innerhalb von sieben Tagen. Insgesamt gibt es derzeit acht Infizierte kreisweit. Das sind schon sehr, sehr gute Werte.

Was raten Sie vor dem Hintergrund der aktuellen Lage den Bürgern?

Jeder sollte sich weiterhin an die bestehenden Hygieneempfehlungen halten. Das macht schon Sinn. Das Virus ist ja nicht verschwunden. Es ist wichtig und richtig, dass es Lockerungen gibt und gab. Voraussetzung, dass wir das Infektionsgeschehen dennoch im Griff behalten, ist aber die konsequente Einhaltung aller Hygienevorgaben- und -empfehlungen.

Ist in den kommenden Wochen und Monaten mit einem erneuten Anstieg der Infektionszahlen zu rechen?

In den nächstern Wochen ist kein flächendeckender Anstieg der Infektionszahlen zu erwarten. Es ist aber auch unwahrscheinlich, dass sich das Virus totläuft. Es existiert weiter, so wie andere Viren – auch Coronaviren –, die aber nur eine einfache Erkältung verursachen. Was im Spätherbst oder im Winter passiert, das vermag zum heutigen Zeitpunkt niemand verlässlich zu sagen. Es ist denkbar, dass es flächendecken wieder deutlich mehr Fälle gibt. Von einer Welle würde ich persönlich dann nicht mehr sprechen. Denn eine Welle überrollt einen. Wir sind mittlerweile aber gut vorbereitet.

Sieben-Tage-Inzidenz, Reproduktionsrate, Verdoppelungszeit, Anzahl Erkrankter, Anzahl Infizierter, Tote – an welchen Größen orientieren Sie sich eigentlich?

Man darf sich bei einer epidemiologischen Entwicklung nicht auf einen Wert konzentrieren. Der Blick auf verschiedene Werte ergibt ein Gesamtbild, das schließlich eine Aussage über den Verlauf und die aktuelle Situation zulässt.

Der Krisenstab im HSK trat Mitte März erstmals zusammen. Ist ein Krisenstab vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung überhaupt noch notwendig?

Die Arbeit des Krisenstabs war effizient und hilfreich. Ohne die Maßnahmen und Koordinationen im Krisenstab hätten wir die Krise nicht so in den griff bekommen. Das kann man in der Retrospektive sicherlich sagen. Bis Ende April traten die Mitglieder jeden Tag zusammen – auch an Sonn- und Feiertagen. Mittlerweile treten wir nicht mehr täglich zusammen und es wird diskutiert, ob weitere Aufgaben an die Verwaltungsmitarbeiter zurück delegiert werden. Eine Entscheidung dazu wird in den nächsten Tagen getroffen. Eines ist wichtig: Falls es notwendig ist, kann der Krisenstab von jetzt auf Gleich wieder zusammentreten. Ich möchte aber auch die Gelegenheit nutzen, alle Mitarbeiter im Gesundheitsamt ein großes Lob auszusprechen. Die letzten Wochen und Monate waren extrem arbeitsreich - zum Teil am Tag und auch nachts.

Welche Schlüsse gilt es bislang aus dieser Pandemie zu ziehen?

Ich bin seit 1991 im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig, zunächst 14 Jahre in Köln und seitdem im Hochsauerlandkreis. Es ist die vierte oder fünfte Pandemie, die ich seitdem begleite. Das SARS-Coronavirus 2003 oder auch die Schweinegrippe hat uns in den Gesundheitsämtern auch sehr beschäftigt. Bislang hat aber noch keine Pandemie in Deutschland diese Infektionszahlen hervorgerufen und Maßnahmen wie den Lockdown notwendig gemacht. Diese Pandemie ist auch für einen Mediziner beeindruckend. Persönlich sage ich, dass man einen langen Atem und viel Geduld braucht. Das nehme ich aus den letzten Monaten mit. Wenn ich zurückblicke, wussten wir Ende März nicht, was noch kommen wird und wir haben kein Licht am Ende des Tunnels gesehen. Das ist jetzt anders – dank der harten Arbeit. Die letzten drei Wochen gebens uns da Recht.

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