Corona

Christmetten in Winterberg und Medebach bei Ochs und Esel?

Auch die St.-Jakobus-Kirche in Winterberg könnte an Heiligabend zu klein sein, um alle potenziellen Christmettenbesucher mit dem nötigen Corona-Abstand zu fassen.

Auch die St.-Jakobus-Kirche in Winterberg könnte an Heiligabend zu klein sein, um alle potenziellen Christmettenbesucher mit dem nötigen Corona-Abstand zu fassen.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Winterberg/Medebach/Hallenberg.  Corona und Weihnachten? Christmette auf Abstand! Gottesdienst in der Scheune? Geht das? Wir fragen nach in Medebach, Winterberg und Hallenberg.

Wie sollen in diesem Jahr Weihnachtsgottesdienste gefeiert werden? Diese Frage beschäftigt die Gemeinden angesichts steigender Corona-Fallzahlen stark, denn nie sind die Kirchen so voll wie am Heiligen Abend. In den vergangenen Monaten galten die bekannten Abstands-, Masken- und Kein-Gesang-Regeln, doch im Winter kommt ein weiteres Thema hinzu: die Heizung. Wie soll das z.B. in Medebach, Hallenberg oder Winterberg funktionieren?

Kirchenheizungen verwirbeln Luft

Viele Kirchenheizungen sorgen für starke Luftbewegungen im Raum, dadurch könnten sich Tröpfchen und Aerosole im Raum verteilen und die Ansteckungsgefahr erhöhen. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche haben deshalb Maßnahmen ergriffen. Bereits seit dem Sommer gibt es eine Stellungnahme und Handlungsempfehlung, zu deren Auftraggebern auch das Erzbistum Paderborn und die Ev. Landeskirche von Westfalen gehörten.

Das Ziel: Durch richtiges Heizen und Lüften so wenig Luftbewegung im Kirchenraum entstehen lassen wie möglich. Die Heizungen sollen dazu unter anderem eine halbe Stunde vor Gottesdienstbeginn ausgeschaltet und es soll auf optimale Feuchtigkeitswerte geachtet werden. Während des Gottesdienstes soll nicht gelüftet werden, da die meisten Kirchen zwar ein großes Luftvolumen umschließen, Türen und zu öffnende Fenster im Vergleich dazu aber sehr klein sind.

Schützenhallen und Scheunen

Doch selbst, wenn alles richtig eingestellt ist: Die Masken- und Abstandspflicht bleibt. Wie also sollen am meistbesuchten Tag des Jahres alle, die möchten, zum Gottesdienst kommen können? Das wird gerade sehr intensiv in den Gemeinden diskutiert und vorbereitet. Keiner möchte ein Weihnachten wie das vergangene Ostern: Aus vielen Kirchen gab es Videoübertragungen, aber alle Gläubigen mussten draußen bleiben. „Dieses Ostern war eine sehr schmerzhafte Erfahrung“, erinnert sich Pfarrer Norbert Lipinski, Leiter des Pastoralverbundes Winterberg.

Derzeit sei man in den Planungen für das Weihnachtsfest, alles unter Vorbehalt. Denn niemand kann sagen, wie die Entwicklung weitergeht. „Einen fertigen Zelebrationsplan wird es erst im November geben. Aber ich kann sagen, dass wir unter anderem nach Ausweichmöglichkeiten suchen – zum Beispiel in Schützenhallen oder Scheunen“, berichtet Lipinski.

Räumliche und zeitliche Aufteilung

Eine räumliche und zeitliche Aufteilung könnte den Besucherandrang entzerren, würde aber auch bedeuten, dass mehr Gottesdienste gefeiert werden als in anderen Jahren. Wortgottesfeiern könnten dabei von entsprechend ausgebildeten Ehrenamtlichen übernommen werden. „Wir werden versuchen, Weihnachten Gottesdienste anzubieten – in welcher Form auch immer“, verspricht Lipinski.

Kritisch sieht sein Amtskollege Dr. Achim Funder, Leiter des Pastoralen Raumes Medebach-Hallenberg, die Einschränkungen. „Die Arbeit in den Gemeinden leidet sehr darunter. Aber auch wir halten uns an die Regeln.“

Gedankenspiele in Medebach

Auch den evangelischen Pfarrer von Medebach, Uwe Steinmann, treibt die Frage nach Weihnachten bereits um. Allerdings nicht wegen der Heizung. „Wir haben eine Fußbodenheizung.“ Die sei unter normalen Umständen nicht ideal, zu Corona-Zeiten allerdings schon. Denn sie darf auch während der Gottesdienste laufen. Das viel größere Problem ist der Platz: 110 Sitzplätze gibt es in der Kirche normalerweise, deutlich mehr Menschen wollen erfahrungsgemäß an Heiligabend rein. Schon das ist eng, aber aufgrund der Abstandsregeln reduziert sich die Zahl der Sitzplätze auf nur 25.

„Wir überlegen hin und her, was wir machen.“ Die Gedankenspiele reichen von einem Rotationssystem mit mehreren Stationen bis zur Auslagerung des Publikumsmagneten Krippenspiel. „Das wurde in Kanada, wo ich lange gelebt habe, immer so gemacht.“ Das Krippenspiel statt am Heiligabend in der Adventszeit aufzuführen und damit in eine Schützenhalle umzuziehen, wäre also eine Option. Eine weitere: „Ganz ins Blaue gesprochen: Ein Highlight wäre es, aus der Not eine Tugend zu machen und gemeinsam mit den Katholiken Heiligabend ökumenisch zu feiern.“

Logistische Herausforderung

Allen Lösungen gemein sind organisatorische und logistische Schwierigkeiten. Denn erstens „kommen 80 Prozent der Kirchenbesucher am Heiligabend nur an diesem Tag – wie also soll man die im Vorfeld alle benachrichtigen?“ Zweitens sind Ehrenamtliche, die mit anpacken, rar.

Aber Steinmann will nicht pessimistisch sein. Es könnten wertvolle Impulse ausgehen von diesem voraussichtlich so ganz anderen Weihnachten, glaubt er. Denn gemütlich und romantisch sei die allererste Christnacht sicher auch nicht gewesen, die Maria und Josef ungewollt und ausgegrenzt in einer Notunterkunft verbrachten. „Wir werden Gottesdienst anbieten, das ist unsere Pflicht. Aber ob das ganze romantische Beiwerk auch dazu gehört?“

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