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Briloner Künstler Henning Feil macht die Straße zur Galerie

Henning Marten Feil

Wer bin ich, was mache ich und warum liebe ich, was ich tue?

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Brilon.  Er verschönert Fassaden auf der ganzen Welt, aber auch in der Heimat. Der Briloner Künstler Henning Feil erzählt von seinem großen Traum.

An seinen Kunstwerken sind sicherlich schon viele Briloner und Touristen vorbeigelaufen, aber kennen sie auch den Mann, der hinter den eindrucksvollen StreetArt-Bildern steckt? Henning Feil wohnt seit zehn Jahren in Brilon und hat sich mittlerweile ganz dem Malen verschrieben. Seine Galerie: Die Straße.

„Ich male schon mein Leben lang“, sagt Feil, der auch unter dem Künstlernamen „Norbert 3000“ unterwegs ist. Schon als Kind habe er oft mit seiner Oma zusammen am Küchentisch gesessen. Die ist selbst eine Künstlerin gewesen und hat ihren Enkel quasi angesteckt. Allerdings hat Feil als Kind noch mit Stiften gemalt, nicht mit Pinsel und Farbdose, wie er es heute macht. „Das hat erst angefangen, als ich 13 oder 14 Jahre alt war.“

Sprayen ist wie eine Droge

Zu der Zeit habe er die Graffiti in den Straßen gesehen und gedacht: „Das will ich auch machen.“ Feil selbst beschreibt seinen Weg danach folgendermaßen: „Wenn man erst einmal mit dem Sprayen angefangen hat, kommt man nicht mehr davon weg. Das ist wie eine Droge.“ Inspiriert von anderen Sprayern habe er sich immer mehr damit beschäftigt, sich von einfachen Buchstaben und Logos hin zu Figuren und später ganzen Landschaften entwickelt.

Mittlerweile ist Feil seit zwei bis drei Jahren selbstständig, reist um die Welt und hat seine Bilder schon in einer New Yorker Galerie ausgestellt. „2016 hatte ich meine erste Ausstellung im Briloner Rathaus“, erinnert sich der 36-Jährige zurück. „Das war nochmal ein ganz anderer Startschuss für mich.“ Seitdem sind die Wände, an denen er malt, immer größer geworden. Ende Juli arbeitete er an der Fassade einer Halle in Paderborn, derzeit verziert er einen Flugzeughangar in Lübeck.

Unter dem Meer

Besonders angetan hat es ihm der Nautilus, ein wie die Tintenfische zu den Kopffüßern gehörendes Meerestier, das bereits seit mindestens 38 Millionen Jahren im Meer lebt. „Ich versuche zu zeigen, wie schön die Natur sein kann, die wir gerade zerstören“, sagt Feil und blickt auf das Werk, das eine Garagenwand nahe seiner Wohnung ziert. Darauf zu sehen: Ein Nautilus.

Die Garage gehört einem Nachbarn. „Ich bin einfach hingegangen und habe ihn gefragt, ob ich die bemalen darf“, erzählt er. „Das Bild wertet die Wände für uns alle auf. Über den Nautilus freue nicht nur ich mich, sondern auch die Nachbarn, Passanten und Touristen. Das ist das Schöne am StreetArt: Die Galerie ist die Straße.“

Ansehen von Grafitti hat sich geändert

Kann sich Henning Feil denn immer noch über den Nautilus an der Wand freuen oder sieht er mittlerweile Fehler? „Natürlich sehe ich Fehler. Meist schon, sobald ich fertig bin mit dem Bild. Aber das gehört dazu. Nur so kann ich besser werden“, sagt er mit einem Schulterzucken.

Dass Graffiti und Street­Art in den letzten zehn Jahren immer beliebter werden und von der Gesellschaft akzeptiert werden, erfreut den Künstler. „Früher waren Graffiti die Schmierereien an den Stromkästen. Das hat sich jetzt geändert“, sagt Feil. „Klar, es gibt noch immer hässliche Graffiti. Bei einem 13-Jährigen, der zum ersten Mal eine Sprühdose in der Hand hält, kann man keinen Picasso erwarten. Das war bei mir nicht anders.“

Mehr Vertrauen dank Malermeister-Titel

Neben seinem künstlerischen Talent hat sich Feil aber auch weitergebildet. Nach der Realschule ist er in die Malerlehre gegangen. 2013 hat er seinen Malermeister gemacht. „Ich wollte das schon immer machen. Es ist eine super Grundlage“, sagt der 36-Jährige. So hätte er die unterschiedlichsten Materialien und ihre Beschaffenheit kennengelernt. „Heute profitiere ich davon.“ Gerade bei Auftragsarbeiten sei es immer von Vorteil, auch eine professionelle Ausbildung vorweisen zu können. Das Vertrauen der Arbeitgeber in die künstlerischen Fähigkeiten sei dann höher, so Feils Erfahrung.

Und die Arbeit mit den unterschiedlichen Stoffen habe ihn stets inspiriert. „Ich war immer neugierig, verschiedene Materialien auszuprobieren und zu gucken, was dabei herauskommt. Als Maler lernt man, was man nicht kombinieren kann. Als Künstler ist gerade das spannend“, verrät er mit einem Augenzwinkern.

Aber was ist das nun eigentlich genau, was er da macht: Graffiti oder StreetArt? „In vielen StreetArt-Bildern sind Graffiti-Elemente drin und umgekehrt.“ Das eine habe sich aus dem anderen entwickelt, mittlerweile sehe man beides oft in einer Mischform. Was Henning Feil macht, ist Street­Art mit Graffiti-Elementen, zumindest bezeichnet der Künstler selbst seine Werke so.

Im Winter das Atelier, im Sommer die Straße

Von Henning Feil gibt es zwei Seiten: Seine Auftragsarbeiten und seine eigene Kunst. Letztere kann er vorrangig auf Leinwänden verwirklichen, wie er erzählt. Deswegen sind ihm auch Ausstellungen so wichtig, verrät er: „Da zeige ich meine eigene Kunst. Bei Auftragsarbeiten arbeite ich ja schon die Wünsche der Kunden mit ein.“

Damit das mit den Ausstellungen in fremden Städten und Ländern klappt, ist Feil auf gute Kontakte angewiesen und hat sich im vergangenen Jahr auf Kunst-Weltreise begeben. Der Künstler war in Korea, Taiwan und Hongkong, aber auch in San Francisco. In New York hat er seine Kontakte genutzt und im April bereits seine erste Ausstellung gehabt.

„Ich hatte immer Bock, über mich hinauszuwachsen und bin sehr engagiert“, sagt Feil. Sein nächstes Ziel: Eine Ausstellung in Japan. Seine Weltreise um die Welt – so hofft er – hilft ihm dann im kommenden Winter. „Dann plane ich meine nächsten Ausstellungen“, verrät er. Bedingt durch die Temperaturen würde er im Sommer viel draußen arbeiten, im Winter dafür umso mehr im Atelier. „Da bietet es sich an, die Ausstellungen im Frühjahr zu machen.“ Allerdings: Bei Rekordhitze, wie es Ende Juli der Fall war, wird auch das Arbeiten unter freiem Himmel zur Qual. „Da musste ich teilweise mittags abbrechen. Es ging einfach nicht mehr“, sagt Feil. „Zu heiß.“ Nicht nur ihm, sondern auch für seine Malutensilien. „Da trocknet die Farbe, bevor sie die Wand erreicht hat.“

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