Neugeborene

Fehlbildungen an Händen: Nur ein Fall im Raum Sauerland

Selbst Ultraschall-Untersuchungen können nicht alle Fehlbildungen sichtbar machen. Mittels einer App können die Bilder auf dem Smartphone angeschaut werden.

Selbst Ultraschall-Untersuchungen können nicht alle Fehlbildungen sichtbar machen. Mittels einer App können die Bilder auf dem Smartphone angeschaut werden.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Brilon.  Der Chef der Gynäkologie am Krankenhaus Brilon rät Schwangeren, sich von den drei Fehlbildungs-Fällen im Ruhrgebiet nicht verunsichern zu lassen.

Dass ein sechster Finger an einer Hand angelegt sei, komme „immer mal wieder vor“. Und auch andere Fehlbildungen gehören für den Chefarzt der Gynäkologie am Briloner Maria Hilf-Krankenhaus zum Alltag: „Da gibt es ganz, ganz viele Ausprägungen.“

Die in jüngster Zeit im Raum Gelsenkirchen aufgetretenen Hand-Deformitäten hat es hier in den vergangenen Jahren jedoch nicht gegeben. Gleiches gilt auch für das Karolinen Hospital Hüsten, das Ev. Krankenhaus Lippstadt sowie das Klinikum Stadt Soest. Das ergab eine Umfrage der WP bei den Geburtsstationen der Region.

Ein Fall in Paderborn

Im St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn, das mit der Frauen- und Kinderklinik St. Louise in Paderborn sowie dem St. Josefs-Krankenhaus in Salzkotten zwei Geburtsstationen betreibt, ist aus der jüngeren Vergangenheit eine einzige angeborene Hand-Deformität bekannt, und zwar aus dem Jahr 2016.

Um das in eine Relation einzubetten: In den beiden Stationen kommen zusammen pro Jahr rund 3100 Babys zur Welt, davon rund 2200 in Paderborn.

Auf konkrete Ergebnisse warten

Seit der Veröffentlichung der Fälle aus dem Raum Gelsenkirchen habe es vermehrt Nachfragen von werdenden Eltern zu diesem Thema gegeben. Christine Schmücker, Leitende Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe an den beiden Standorten zur WP: „Wir haben jedoch nicht das Gefühl, dass werdende Mütter panisch reagieren, sondern dass es ein durch die Berichterstattung gewecktes Interesse ist.“ Aus fachlicher Sicht gelte es nun abzuwarten, welche Erkenntnisse aus den Fällen in Gelsenkirchen gewonnen werden könnten. Bei Fragen oder Verunsicherung rate man dazu, den niedergelassenen Arzt anzusprechen und mit ihm seine Sorgen oder Ängste vertrauensvoll zu besprechen. Und grundsätzlich gelte für alle Schwangeren, in der (Früh-)Schwangerschaft keine Medikamente ohne Rücksprache mit einem Arzt einzunehmen.

Verschiedenste Ausprägungen

Vermeintliche Häufungen von Fehlbildungen sollte, so die Ärztin, generell kritisch beobachtet werden. Nach Ansicht von Christine Schmücker könnte dabei ein zentrales Register helfen: „Wir würden es ausdrücklich befürworten, eine solche zentrale Datenbasis einzurichten.“

Bisher werden Fehlbildungen der Extremitäten erst bei der Schultauglichkeitsuntersuchung erfasst. Dabei, so HSK-Sprecher Martin Reuther, gehe es jedoch nur um eine etwaige individuell Beeinträchtigung. Statistisch würden diese Fälle nicht erfasst oder aufgearbeitet. Aus Sicht des Hochsauerlandkreises sei es jedoch durchaus sinnvoll, Fehlbildungen über die Geburtsmediziner oder Kinderärzte zu registrieren.

„Immer mal wieder“ mit Fehlbildungen zu tun hat auch die Olsberger Kinderärztin Dr. Christian Bub. Seit 19 Jahren praktiziert sie. Einmal habe sie einen kleinen Patienten mit einer Spalthand gehabt. Dabei waren nur der Daumen und ein Finger vorhanden. Mit den modernen Ultraschall-Untersuchungen können zwar viele, aber eben auch nicht alle Fehlbildungen früh und eindeutig erkannt werden. Dazu gehören sogenannte häutige Verwachsungen von Fingern oder Zehen. Familiäre Dispositionen sind durchaus eine Ursache für Fehlbildungen der unterschiedlichsten Art.

Was die jüngst bekannt gewordenen Fälle aus dem Ruhrgebiet angeht, so solle man erst einmal die weiteren Untersuchungen abwarten, sagt Dr. Laker: „Noch weiß ja niemand, wie diese Fälle gelagert sind oder ob und welche Verbindungen es gibt.“ Sein Rat an alle Schwangere: „Lassen Sie sich nicht verunsichern.“

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