Heimatcheck

Brilon: Darum ist der Nahverkehr für Jugendliche unattraktiv

Das Anrufsammeltaxi kann starten: Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer, Taxi-Unternehmer Andre Meier, Brilons Bürgermeister Christof Bartsch, Gregor Speer (RLG), Marcus Bange (Stadt Brilon) und Marco Sudbrak (Stadt Olsberg) von links.

Das Anrufsammeltaxi kann starten: Olsbergs Bürgermeister Wolfgang Fischer, Taxi-Unternehmer Andre Meier, Brilons Bürgermeister Christof Bartsch, Gregor Speer (RLG), Marcus Bange (Stadt Brilon) und Marco Sudbrak (Stadt Olsberg) von links.

Foto: Privat

Brilon.  Die Stadt Brilon schneidet beim Nahverkehr im Heimatcheck nur mittelmäßig ab. Besonders die Zielgruppe der Jugendlichen ist schwer zu begeistern.

Wer sein Auto liebt, der schiebt oder lässt es eben einfach ganz stehen und nutzt die Möglichkeiten des Nahverkehrs. Dafür gibt es in Brilon beispielsweise eine Reihe von unterschiedlichen Möglichkeiten, die auch für junge Gäste attraktiv sein sollen.

Da wäre der Bürgerbus. „Wir möchten kein Seniorenimage haben auch wenn viele unserer Fahrer schon im Seniorenalter sind“, sagt Günter Wiese, Vorsitzender des Bürgerbus-Vereins in Brilon. Die Kundschaft besteht allerdings vorrangig aus älteren Gästen. „Hier und da sind Kinder und Jugendliche dabei. Wir sind aber ein normales Verkehrsunternehmen und jeder kann einsteigen. Das ist kein Seniorentaxi“, ergänzt er.

Ticketautomaten zu kompliziert

Seit mit der Anbindung von Ratmerstein und Itzelstein die großen Wohngebiete an den Randbereichen ins Streckennetz eingegliedert wurden, sei die Auslastung spürbar gestiegen. Aber eben nicht durch junge Leute. Wiese sieht vor allem die unterschiedlichen Tarifsysteme bei Bus und Bahn als Problempunkt, weil es zu komplizierten Interaktionen mit den Fahrkartenautomaten kommen würde. „Da stehen Sie dann erstmal, auch wenn sie einen abgeschlossenes Studium haben.“

21,4 Prozent der Briloner haben ihrer Stadt die Note Zwei für den Nahverkehr gegeben. 23,7 Prozent eine Drei. 8,4 Prozent gaben eine Eins. Knapp über die Hälfte der Befragten in unserem Heimatcheck sind mit dem Nahverkehr in der Stadt also zufrieden. Insgesamt reicht es für die Gesamtnote 3,38.

Nacht-Anrufsammeltaxi in Brilon als Versuch

In der Vergangenheit versuchte die Stadt unterschiedliche Ansätze, um das Angebot zu erweitern. So gab es einen Nachtbus von Medebach über Winterberg, Olsberg und Brilon. Fahrten nach Willingen übernahmen weitere Linien, die alle von der Regionalverkehr Ruhr Lippe GmbH (RLG) betrieben wurden. Ein Projekt von dem sich Ende 90er Jahre bis in die 2000er viel erhofft wurde. Auch für Jugendliche. „Aber das Freizeitverhalten und auch die Bedeutung von Willingen änderte sich. Das Ruhrgebiet wurde interessanter. Die Jugendlichen blieben entweder im Ort oder sie fahren weiter weg für Treffen am Wochenende“, sagt Hauke Möller, Leiter im Verkehrsmanagement der RLG.

Die Zeit des Nachtbusses kam zu einem Ende. Aber für Veranstaltungen wie den Musiksommer sollte es dennoch eine Alternative geben. Wieder mit Blick auf die Jugendlichen, damit sie an Wochenenden sicher nach Hause kommen können. Das Nacht-Anrufsammeltaxi (AST) löste 2015 in Folge dessen den Nachtbus ab. Das Konzept ist eine Mischung aus beidem: Das Taxi muss im Vorfeld bestellt werden inklusive Fahrtziel. Die Abfahrtzeiten sind aber - wie beim Nachtbus - fest vorgegeben. Das Taxi fährt samstags und sonntags. Einstiegsort ist in Brilon der Marktplatz und zwar um 23, 0, 1, 2 und 3 Uhr. In Olsberg ist der Sammelpunkt die Haltestelle Ruhrstraße (Volksbank) um 23.15, 0.15, 1.15, 2.15 und 3.15 Uhr. Die Klientel ist laut Hauke Möller von der Altersstruktur her gemischt.

Taxis reagieren flexibel

Der Andrang ist aber auch hier überschaubar. Die Taxis können auf den Bedarf flexibel reagieren und auch einen Bulli einsetzen oder ein weiteres Taxi, aber die Nachfrage ist in der Hinsicht gering, wie Möller erklärt.

Derzeit gibt es aber von Seiten der Stadt keine Überlegungen, andere Angebote für die Bürger bereitzustellen, obwohl der Linienverkehr in Brilon früh eingestellt wird, weil er laut Bürgermeister Dr. Christof Bartsch sonst wirtschaftlich nicht zu betreiben ist. „Bei mir wird kein Bedarf angemeldet, deswegen wird gerade nicht nach Alternativen gesucht.“

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