Tötungsdelikt

Bluttat in Medebach – Stadt atmet nach den Festnahmen auf

Mit diesem Foto suchte die Polizei nach weiteren Hinweisen zum Tötungsdelikt in Medebach.

Mit diesem Foto suchte die Polizei nach weiteren Hinweisen zum Tötungsdelikt in Medebach.

Foto: Mordkommission Dortmund

Medebach  Zwei deutsche und 40 rumänische Polizisten nehmen in Siebenbürgen einen Mann und eine Frau fest. Sie sollen Alfred S. aus Medebach getötet haben.

. Eine Stadt atmet auf. Vier Wochen lang Ungewissheit. Vier Wochen lang die bange Frage: Wer hat den 67-jährigen Alfred S. umgebracht? Erleichterung seit Donnerstag: Rumänische und deutsche Polizeibeamte haben am Donnerstagmorgen einen jungen Mann und eine junge Frau festgenommen. Florin M. und Rebecca L. stehen in dringendem Tatverdacht, den Rentner zwischen dem 8.und 10. Januar in seiner Wohnung ums Leben gebracht zu haben. Erleichtert über die Festnahmen ist vor allem auch Salameh Mohammad. Er hatte in Medebach eine Wohnung an die mutmaßlichen Täter vermietet. Er betreibt eine Pizzeria in dem Haus. Seit publik wurde, dass die Tatverdächtigen im oberen Stockwerk gelebt haben, hat er mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Dabei hat er mit den Leuten aus Rumänien sonst gar nichts zu tun.

Hoffnung auf weitere Hinweise durch Foto

Der Tatverdacht gegen Florin M. und Rebecca L. ist groß. So groß, dass die Staatsanwaltschaft ein Foto der beiden durch richterlichen Beschluss zur Veröffentlichung freigegeben hat. Sie erhofft sich dadurch weitere Hinweise.

„Haben sie ihn denn noch nicht?“ „Warum wird kein Fahndungsfoto veröffentlicht?“ „Gibt es irgendetwas Neues?“ Viele Fragen haben den Medebachern in den vergangenen Wochen auf den Nägeln gebrannt. Es gab nur wenig Antworten. Aus ermittlungstaktischen Gründen hielt sich die Staatsanwaltschaft mit Details zurück. Nur so viel war bekannt: Am 10. Januar wundert sich die Putzfrau des 67-Jährigen, dass es so still um Alfred S. ist. Sie schaltet die Polizei ein, die den Mann tot in seiner Wohnung findet. „Gewalteinwirkung gegen den Kopf“, sagt Staatsanwalt Klaus Neulken – „gegen den Hals“ konkretisiert er am Donnerstag. Noch in der Nacht wird die Leiche des Mannes in Dortmund obduziert: Es ist möglich, dass der Tod schon Tage zuvor eingetreten ist.

Acht Rumänen lebten in der Wohnung

Anfangs konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Suche nach dem schwarzen VW-Polo-Cross, der seit der Tat verschwunden ist. Das Auto taucht am 12. Januar in Winterberg-Züschen auf und muss wertvolle Spuren enthalten haben. Denn wenige Tage später durchsucht die Polizei die Wohnung in einem Haus in unmittelbarer Nähe des Medebacher Marktplatzes. Dort werden Beweismittel sichergestellt.

Das Haus gehört Salameh M.. Er lebt seit 18 Jahren in Medebach und betont, dass er sich nie etwas hat zu Schulden kommen lassen und dass er mit der ganzen Sache nichts zu tun hat. Er betreibt eine Pizzeria in dem Haus. Seit publik geworden ist, dass die Tatverdächtigen im oberen Stockwerk gelebt haben, hat er mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Dabei hat er mit den Leuten aus Rumänien gar nichts zu tun. „Sie haben mir leid getan; ich habe ein gutes Herz, habe sie bei mir aufgenommen – und jetzt so etwas“, sagt er.

Rechtshilfe-Ersuchen bei der Staatsanwaltschaft

Die Familie habe ihn förmlich bedrängt, ihr die Wohnung zur Verfügung zu stellen. Zu acht Leuten hätten sie bei ihm gewohnt: das Pärchen, das unter Tatverdacht steht, mit einem kleinen Kind und der Onkel und die Tante des 21-Jährigen mit drei Kindern – eines davon behindert. „Ich habe sie mittlerweile der Wohnung verwiesen.“

Das Pärchen hatte sich unterdessen nach Rumänien abgesetzt. „Wir haben ein Rechtshilfe-Ersuchen bei der dortigen Staatsanwaltschaft gestellt und u.a. um Vollstreckung des Haftbefehls gebeten“, erklärt Staatsanwalt Klaus Neulken das Procedere.

Der Leiter der Mordkommission, ein weiterer Beamter aus Deutschland und 40 rumänische Beamte seien bei der Festnahme und den Durchsuchungen von vier Wohnungen im Einsatz gewesen. Die Beamten, so Neulken, hätten Beweismittel beschlagnahmt, die nun ausgewertet würden. Im nächsten Schritt hat die Staatsanwaltschaft einen Auslieferungsantrag gestellt. Stimmt das Pärchen bzw. die zuständige Behörde dem zu, könnte es in ein, zwei Wochen in Deutschland sein.

Woher kannten sich Täter und Opfer?

Dass das Foto der Tatverdächtigen veröffentlicht wird, hat für den Staatsanwalt wichtige ermittlungstechnische Gründe. „Wir möchten erfahren, woher sich Täter und Opfer kannten. Daher gehen wir mit dem Foto in die Öffentlichkeit.“ Anfängliche Vermutungen, dass die Gründe für die Tat in der homosexuellen Szene zu suchen seien, hätten sich nicht verdichtet.

In Medebach spürt man Erleichterung ob des Fahndungserfolges. „Es war schon beunruhigend, dass in unserer Stadt solche schrecklichen Dinge passieren. Bei allem Schlimmen ist es aber auch gut zu wissen, dass die Ermittlungsbehörden über die Grenzen hinaus erfolgreich zusammengearbeitet haben“, sagt Bürgermeister Thomas Grosche.

Vergangenen Freitag ist der alleinstehende Alfred S. auf dem Medebacher Friedhof beigesetzt worden. In der Todesanzeige stand u.a. „Denn es geschehen Dinge, die wir nicht begreifen können. Wir stehen stumm machtlos und stumm daneben…“ Auch die Festnahme und Vernehmung des Pärchens wird das Geschehen nicht rückgängig oder begreifbar machen.

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