Alternative Medizin

Betreibt die VHS Volksverdummung?

Therapie mit Klangschalen und Gong. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wirft den Volkshochschulen bei diversen Anwendungen der Alternativen Medizin Volskverdummung vor.

Therapie mit Klangschalen und Gong. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wirft den Volkshochschulen bei diversen Anwendungen der Alternativen Medizin Volskverdummung vor.

Foto: Frank Wenner

Brilon.   Ein Wissenschaftler greift via Der Spiegel die Volkshochschulen an. Wir sprachen mit Michael Klaucke, dem Leiter der VHS Brilon-Marsberg-Olsberg.

Einen Kurs in Schröpfen bietet die VHS Brilon-Marsberg--Olsberg zwar nicht in ihrem neuen Programm an. Tut sie das allerdings selbst? Und zwar den Steuerzahler? Die Volkshochschulen in Deutschland, so schrieb das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in der vergangenen Woche, trieben „mit dubiosen Gesundheitskursen Volksverdummung“. Und dafür komme „auch der Steuerzahler auf“ Dem hält Michael Klaucke, Leiter der VHS, entgegen: „Der öffentliche Finanzierungsanteil an den Volkshochschule wäre signifikant höher, wenn nicht entsprechend gut laufende Gesundheitskurse im Programm wären.“ Von „Volksverdummung“ will Klaucke allerdings nichts wissen: „Das kommentiere ich nicht.“

Der „Spiegel“ stützt sich in seinem Artikel einmal mehr auf Edzard Ernst, emerierter Professor für Alternativmedizin und engagierter Kritiker des esoterisch umwehten Gesundheits-Hokuspokus. Der Wissenschaftler bezeichnet zum Beispiel Homöopathie als „reine Placebo-Therapie“, und der Vertrieb mancher dieser Mittel, die aufgrund ihrer Verdünnung manchmal nicht mal mehr ein einziges Molekül der auf der Verpackung angegebenen Substanz enthalten, habe oft nur einen Zweck: den Apothekern „Einfluss und Einkommen“ zu verschaffen.

„Fragwürdige Heilmethoden“

Ob Ayurveda, Bachblüten-Therapie, Schüßler-Salze, Kinesiologie, Klangschalen-Massagen, Chakren-Tanz Lach- und Hormon-Yoga und mehr: Die Volkshochschulen trügen zur Verbreitung „fragwürdiger und unwissenschaftlicher Heilmethoden bei“, lautet ein Vorwurf.

„VHS macht gesünder“ - so leitet die VHS Brilon-Marsberg-Olsberg in ihrem neuen Programmheft - Semesterstart ist übrigens am 10. September - das Kapitel mit ihrem Fitness- und Gesundheitsangebot ein. Darin sind auch 16 der vom „Spiegel“ und seinem Experten kritisierten Kurse enthalten: Bachblüten zur Kräftigung des Immunsystems zum Beispiel oder Klangreisen nach Walter Häfner oder Meditation des Tanzes hinzu kommen 67 aus dem - so der „Spiegel“ - Yoga-Graubereich.

Es gebe, so Klaucke - bei letzterem einen „seit Jahren ungebrochenem Boom“:„Bei vielen Kursen und Workshops haben wir Wartelisten.“ Im Grunde kann sich jeder als Dozent bei der VHS bewerben. Klaucke: „Wenn uns Kursangebote vorgelegt werden, greifen wir bei der Beurteilung der Inhalte auf unsere Erfahrungswerte und unseren gesunden Menschenverstand zurück.“ „Kursleitungen“, so betont auch der Deutsche VHS-Verband, „sind zur Distanz verpflichtet und dürfen persönliche Überzeugungen nicht als objektive Wahrheiten verkünden.“ Es gelten bundesweit „grundlegende Hinweise zum Verzicht auf die Vermittlung subjektiver Wahrheiten, Heilsversprechen sowie auf jedwede Art der Therapie“.

Viel Integrationsarbeit

Das persönliche Kennenlernen der Kursleitenden sei wichtig, und zudem lege die VHS großen Wert auf das Feedback der Teilnehmenden zu den Veranstaltungen. Spezielle, das vom „Spiegel“ kritisierte Spektrum betreffende Kritik sei nicht bekannt. Rund 5250 Frauen und Männern nutzten die Angebote aus dem Gesundheits- und Fitnessbereich zuletzt, die Ausfallquote bei den Kursen wegen mangelndem Interesse lag im abgelaufenen Studienjahr in diesem Sektor bei 11,5 Prozent.

„Alle Kurse“, betont Michael Klaucke, „werden nur durchgeführt, wenn auch ein positiver Deckungsbeitrag erzielt wird.“ Auf rund 1,8 Millionen Euro summierten sich die Erlöse der heimischen VHS. Vor allem das große Engagement im Bereich der Integrationsarbeit - Deutsch als Zweitsprache und andere Projektmittel - sorgten für einen Überschuss im hohen fünfstelligen Bereich. Folge: die drei Träger-Kommunen brauchten im vergangenen Jahr lediglich 70 000 Euro zu tragen, die Hälfte des üblichen, nach Einwohnern gestaffelten Beitrags.

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