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Warum BVB-Trainer Favre zum Improvisieren gezwungen wird

BVB-Trainer Lucien Favre

BVB-Trainer Lucien Favre

Foto: Lars Baron / Getty Images

Dortmund.  Gegen Hoffenheim und Lazio Rom muss der BVB fast ohne Innenverteidiger antreten. Das sind die Kandidaten an der Seite von Mats Hummels.

Lucien Favre lacht. Dabei findet der Trainer von Borussia Dortmund die Situation eher weniger lustig, weshalb das Lachen auch eher ein ratlos-verzweifeltes ist. Favre nämlich ist angesprochen worden auf die Zeit, die ihm bleibt bis zum nächsten Bundesligaspiel bei der TSG Hoffenheim am Samstag (15.30 Uhr/Sky). Oder besser: die nicht vorhandene Zeit.

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In den vergangenen zehn Tagen hatte der Schweizer ja endlich mal richtig viel Zeit zum Training. Blöderweise aber fehlten ihm die Spieler dazu, weil zeitweise 16 Profis mit den Nationalmannschaften unterwegs waren. Die letzten Auswahlspieler kehrten erst am Donnerstagnachmittag zurück, weshalb das Abschlusstraining am Freitag die einzige gemeinsame Einheit bleibt.

BVB: Mats Hummels ist der letzte gelernte Innenverteidiger

Und auch mit allen Rückkehrern ist das Personal knapp: Thorgan Hazard fehlt wegen eines Muskelfaserrisses. Manuel Akanji muss nach seinem positiven Corona-Test noch bis zum Wochenende in Isolation bleiben. Dan-Axel Zagadou, Marcel Schmelzer (beide Knieverletzung) und Nico Schulz (Muskelfaserriss) fallen ebenfalls aus.

Ausgerechnet jetzt, da die wilde Terminhatz richtig Fahrt aufnimmt, da die Englischen Wochen mit dem ersten Champions-League-Spiel bei Lazio Rom am Dienstag (21 Uhr/Sky) beginnen – ausgerechnet da gehen dem BVB die Abwehrspieler aus. Mats Hummels ist der letzte gelernte Innenverteidiger.

So plant der BVB die Abwehrkette gegen Hoffenheim

Was also tun? „Wir müssen kreativ sein und die beste Lösung finden“, sagt Favre. Und wie lautet die? „Das ist momentan schwer zu sagen.“ Ein naheliegender Gedanke wäre die Umstellung auf Viererkette, für die man nur noch zwei statt drei Innenverteidigern bräuchte – mit Hummels und Emre Can oder Lukasz Piszczek. Allerdings hat die Vorbereitung deutlich gezeigt, dass beide zwar in einer Dreierkette gut verteidigen können, im Zentrum einer Viererkette aber eher nicht.

Gegen Hoffenheim werden aller Voraussicht nach Can und Piszczek die Halbpositionen neben Abwehrchef Hummels einnehmen. In Rom aber ist Can rotgesperrt. Dann wäre Thomas Delaney eine Alternative, der defensive Mittelfeldspieler ist kopfball- und zweikampfstark und hat vor Jahren beim FC Kopenhagen schon in der Abwehr ausgeholfen. Denkbar auch, dass Thomas Meunier nach innen rückt. Der 1,90 Meter große Belgier bringt die Statur und die Defensivqualitäten dafür mit, sagte aber schon vor Wochen: „Das wäre nicht gut für das Team, weil ich immer nach vorne will. Das gäbe ein Loch, und alle anderen müssten mich absichern.“

Neuverpflichtungen sind beim BVB nicht geplant

Auf derartige Befindlichkeiten aber kann zurzeit keine Rücksicht genommen werden: „Es ist eine ganz schwierige Situation, die Trainer müssen viel improvisieren“, sagt Sportdirektor Michael Zorc. Auch er könnte ja noch Abhilfe schaffen, könnte einen vereinslosen Innenverteidiger verpflichten – etwa den uruguayischen Haudegen Ezequiel Garay (34) oder den deutschen Routinier Daniel Schwaab (32).

Doch das ist derzeit nicht geplant, weil sie zwar kurzfristig helfen könnten, aber längerfristig auf der Gehaltsliste stünden – auch wenn Akanji und Zagadou wieder fit sind. Und das will sich der BVB in Corona-Zeiten nicht leisten. Es muss weiter improvisiert werden.

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