Formel 1

Vettel verpasst Pole - und erntet Kritik von Verstappen

Sebastian Vettel.

Sebastian Vettel.

Foto: dpa

Shanghai  Ferrari-Pilot Vettel startet beim 1000. Formel-1-Rennen in China von Platz drei. Für sein Verhalten im Qualifying wird er harsch angegangen.

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Sebastian Vettel gratulierte knapp und nüchtern. Gegen den besten Valtteri Bottas aller Zeiten und Weltmeister Lewis Hamilton war für den angezählten Ferrari-Star im Qualifying zum 1000. Formel-1-Rennen nichts zu holen. Zumindest verbuchte der viermalige Weltmeister in Shanghai aber einen kleinen Erfolg mit großer Außenwirkung.

Der 31-Jährige geht beim Großen Preis von China (Sonntag, 8.10 Uhr MESZ/RTL und Sky) als Dritter knapp vor seinem jungen Teamkollegen Charles Leclerc ins Rennen - und über 56 Runden glaubt Vettel durchaus auch an seine Chance im Kampf um den Sieg und die benötige Wende im WM-Kampf.

"Der Rückstand ist etwas groß. Ein bisschen mehr wäre drin gewesen, aber wohl nicht genug für die beiden da vorne", sagte Vettel mit Blick auf das Mercedes-Duo, das die ersten beiden Saisonsiege untereinander ausgemacht hatte. WM-Spitzenreiter Bottas nahm bei seiner siebten Formel-1-Pole dem Heppenheimer 0,301 Sekunden ab, Hamilton war 0,278 Sekunden schneller.

Verstappen schimpft über Vettel

Der für seine Unnachgiebigkeit bekannte Max Verstappen (21) übte indes laute Kritik an Vettel. "Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass man im letzten Qualifying-Abschnitt hintereinander herfährt. Doch Vettel hat mich überholt, auch die beiden Renaults sind vorbeigegangen. Ab jetzt werde ich eben auch ihre Qualifyings versauen", sagte der Red-Bull-Pilot aus den Niederlanden.

Vettel hielt dem 21-Jährigen entgegen: "Das Team hat mir gesagt, dass ich nur einen Zehn-Sekunden-Puffer habe. Also habe ich Gas gegeben. Wenn jeder das getan hätte, hätten wir alle es noch über die Linie geschafft."

Verstappen startet Sonntag von Platz fünf

Der WM-Dritte Verstappen fuhr infolge des Scharmützels zu spät für eine letzte Zeitenjagd über die Start-Ziel-Linie auf dem Shanghai International Circuit, auch sein Teamkollege Pierre Gasly (Frankreich) und die beiden Haas-Piloten Romain Grosjean (Frankreich) und Kevin Magnussen (Dänemark) hatten keine Gelegenheit mehr, ihre Ausgangsposition für das 1000. Formel-1-Rennen am Sonntag (8.10 Uhr MESZ/RTL und Sky) zu verbessern. Verstappen startet am Sonntag nun von Platz fünf.

Wichtiger Erfolg für Vettel

Vettel vertraut für das Rennen auf die große Stärke seines SF90: "Die Mercedes sind sehr gut in den Kurven, wir sind auf den Geraden besser. Wenn ich da an sie rankomme, ist was möglich." Im Nacken hat Vettel beim Start den 21 Jahre alten Senkrechtstarter Leclerc, den er um 17 Tausendstelsekunden schlug und damit im Qualifying-Duell mit 2:1 wieder die Führung übernahm.

Ein knapper, aber überaus wichtiger Erfolg, nachdem besonders italienische Medien Vettel bereits angezählt hatten und auch Ferrari-Teamchef Mattia Binotto seinem langjährigen Top-Fahrer den Nummer-eins-Status nur noch auf Bewährung zugestehen wollte.

Eccelestone legt Vettel seinen Rücktritt nahe

Der langjährige Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone (88) legte Vettel gar den Rücktritt nahe. Der Deutsche, der seit zehn Rennen sieglos ist, konterte: "Ich fühle mich auf der Höhe meines Könnens. Ich liebe das Rennfahren Mann gegen Mann. Es ist keine Option, morgen die Formel 1 zu verlassen. Ich habe einen Vertrag bis 2020." Mit Blick auf die Zeit danach erklärte er: "Letztlich muss man schauen, wie sich die Dinge entwickeln."

Australien-Sieger Bottas ("Morgen erst ist der große Tag"), in den vergangenen beiden Jahren leistungsmäßig die klare Nummer zwei bei Mercedes, scheint indes auch in China seinen Aufstand gegen Hamiltons Übermacht fortzusetzen. Der Finne weiß allerdings um die am Samstag stark angestiegene Formkurve seines Teamkollegen, der nach seiner knapp verfehlten siebten China-Pole attestierte: "Ich hatte am Freitag einige Probleme mit dem Auto, aber wir haben ein paar Sachen gefunden. Jetzt ist es sehr eng zwischen uns. Ich versuche, morgen das letzte Quäntchen herauszuholen." Ebenfalls gute Aussichten hat der Emmericher Nico Hülkenberg (Renault) von Startplatz acht.

Schwerer Crash kurz vor Ende des Trainings

Vettel dagegen steht nach zwei schwachen Auftritten zum Saisonstart unter Druck. In der WM belegt der Heppenheimer mit 22 Punkten lediglich den fünften Platz, Leclerc ist ihm vier Zähler voraus. Vor dem Ferrari-Duo liegen Bottas (44), Hamilton (43) und Red-Bull-Pilot Max Verstappen (Niederlande/27), der am Samstag nach einem kleinen Scharmützel mit Vettel zu spät für einen letzten Versuch über Start-Ziel fuhr und nur von Rang fünf startet.

Das Qualifying gänzlich verpasste Alexander Albon nach einem schweren Crash kurz vor Ende des dritten freien Trainings wegen kapitaler Schäden an seinem Toro Rosso. Der 23 Jahre alte Formel-1-Neuling aus Thailand wird das Rennen aus der Boxengasse angehen. (sid)

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