Kommentar

Tour de France: Die Vergangenheit nicht vergessen

Der Deutsche Emanuel Buchmann (r) vom Team Bora-Hansgrohe fährt in Foix vor dem Kolumbianer Egan Bernal vom Team Ineos über die Ziellinie

Der Deutsche Emanuel Buchmann (r) vom Team Bora-Hansgrohe fährt in Foix vor dem Kolumbianer Egan Bernal vom Team Ineos über die Ziellinie

Foto: dpa

Essen.  Buchmann begeistert die Radsport-Fans. Allerdings fährt auch bei ihm der Verdacht mit, deshalb verbietet sich Euphorie. Ein Kommentar

Zehn Jahre ist es her, dass ein deutscher Radprofi die Tour de France unter den Top Ten beendete. Andreas Klöden kam 2009 beim schwersten und bedeutendsten Etappenrennen der Welt als Sechster an. Nachdem im vergangenen Jahrzehnt die deutschen Radsprinter Marcel Kittel, Andre Greipel und John Degenkolb etliche Siege eingefahren hatten, ist Emanuel Buchmann der erste Deutsche seit Klöden, der in der Gesamtwertung eine gewichtige Rolle spielt.

Im Radsport gibt es eine latente Skepsis

Da Klöden früher mal zum Team Telekom zählte und sein Name auch im Abschlussbericht der Expertenkommission zu den Dopingvorwürfen gegen die Ärzte der Uni Freiburg auftauchte, musste Klöden mit dem Dopingverdacht leben. Seine Konsequenz: Er redete nicht mehr mit den Medien. Bei Klöden gab es Indizien, dass seine Leistungen nicht sauber erzielt wurden. Gegen Buchmann liegen im Gegensatz dazu keinerlei Hinweise vor, dass er verbotene Mittel nimmt oder jemals genommen hat.

Fährt bei Buchmann trotzdem der Verdacht mit? Die Antwort heißt Jein. Buchmann kann mit Recht auf seine bestandenen Dopingtests hinweisen. Gleichzeitig gibt es im Radsport eine latente Skepsis. Vom aufsehenerregendsten Fall Lance Armstrong angefangen wurden etliche Skandale aufgedeckt, obwohl es vorher zahllose negative Dopingtests gegeben hatte. Buchmann hat sich stetig verbessert. Das spricht für ihn. Der deutsche Hoffnungsträger muss dennoch damit leben, dass seine Vorstellung hinterfragt wird. Mit noch mehr Tests, noch mehr Transparenz und gleichzeitiger Distanzierung von der skandalträchtigen Vergangenheit des Radsports kann Buchmann zum Anti-Doping-Kampf beitragen.

Der ARD-Kommentator übertreibt es

Buchmann begeistert die Radsport-Fans. In der ARD übertreibt es Kommentator Florian Nass jedoch. Natürlich spricht nichts dagegen, Emotionen zu zeigen. Aber wer Nass bei der Samstagetappe zum Tourmalet gehört hat, der konnte meinen, Buchmann fährt allein den Berg hoch. Die ARD hat einst Fehler begangen, als sie Sponsor des Teams Telekom war und über dessen Leistungen unkritisch berichtete. Die ARD hat aus den Fehlern gelernt und eine Doping-Redaktion mit wegweisenden Erfolgen gegründet. Ein bisschen mehr Distanz bei dieser Tour sollte es aber sein.

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