Rugby

Japan ist ausgeschieden: Das Ende eines Rugby-Märchens

Hart zur Sache ging es im Duell der Japaner gegen Südafrika.

Hart zur Sache ging es im Duell der Japaner gegen Südafrika.

Foto: ISSEI KATO / Reuters

Tokio/Essen.  Überraschungsteam Japan unterliegt bei der Rugby-WM im eigenen Land gegen Südafrika mit 3:26. Die Top-Nationen sind in den Halbfinals unter sich

So kompromisslos diese muskelbepackten Männer im Spiel miteinander umgehen, so respektvoll behandeln sie einander danach: Japan habe seinem Team alles abverlangt, sagte Siya Kolisi nach dem 26:3-Erfolg der Südafrikaner im Viertelfinale der Rugby-WM über Gastgeber Japan. „Ihr könnt wahnsinnig stolz sein“, beteuerte er am Sonntag in Tokio.

Spieler wie Fans der „Brave Blossoms“, der tapferen Kirschblüten, waren jedoch zunächst vor allem in Tränen aufgelöst. Es glich einem Märchen, was den Gastgebern da in den ersten vier Wochen der Rugby-WM – in einigen Teilen der Welt immerhin ein ebenso imposantes Sport-Ereignis wie Olympische Spiele oder Fußball-WM – gelungen war. Die Japaner, auf der Rugby-Weltkarte bislang ein eher blasses Fleckchen, gewannen all ihre Vorrundenpartien, unter anderem sensationell gegen Schottland, und zogen zum ersten Mal in der nun 32 Jahre währenden Geschichte von Rugby-Weltmeisterschaften ins Viertelfinale ein.

Drei Giganten und Wales

Südafrika, Weltmeister von 1995 und 2007 sowie neben Neuseeland, Australien, England und Frankreich eine jener fünf Nationen, die alle bisherigen WM-Finals bestimmten, war natürlich der große Favorit in diesem abschließenden Viertelfinale. Aber leise Hoffnungen, das Märchen im eigenen Land weiterschreiben zu können, machte sich Japan dennoch. Denn vor vier Jahren war die Sensation der WM: ein 34:32-Vorrunden-Sieg der Japaner über Südafrika. Am Ende schieden die Kirschblüten aber in der Vorrunde aus, und Südafrika wurde Dritter.

Diesmal hielten die Japaner in dem Spiel mit dem ovalen Ball („Ei“), das mehr Kampf- denn Ballsport ist, der körperlichen Wucht der Südafrikaner nur in der ersten Hälfte der Partie halbwegs stand. Im zweiten Durchgang waren sie zunehmend machtlos gegen die offensiv gnadenlosen Südafrikaner. „Wir wünschen ihnen alles Glück für die kommenden Spiele“, sagte Japans Kapitän Michael Leitch nach der Niederlage. So viel Fairness und Respekt muss bei aller Enttäuschung sein. Auch das ist Rugby.

Die Paarungen für die WM-Halbfinals am kommenden Wochenende stehen nun fest: Südafrika trifft auf Wales, das am Sonntagmorgen Frankreich 20:19 bezwang. Außerdem treffen Titelverteidiger Neuseeland und England, der Weltmeister von 2003, aufeinander. Damit haben es drei der fünf Rugby-Giganten und Wales in die Vorschlussrunde geschafft. Die Franzosen hatten eine halbe Stunde in Unterzahl spielen müssen, da Sébastien Vahaamahina Rot sah, nachdem er einem Gegenspieler den Ellenbogen ins Gesicht gerammt hatte. Rugby ist brutal, die Spieler werden bei dem Versuch, den Ball in der gegnerischen Endzone abzulegen, in einer Art und Weise von den Füßen geholt, da kämen so manchem Fußball-Profi wohl die Tränen. Doch alles ist nicht erlaubt. Regeln sind überlebenswichtig. So nutzte Wales die Überzahl und zog zum dritten Mal in ein WM-Halbfinale ein. Bislang war hier immer Schluss – und auch diesmal wird den Walisern gegen Südafrika keine allzu große Chance eingeräumt.

Topfavorit Neuseeland

Aber das Maß aller Dinge im Rugby ist seit Jahren sowieso Neuseeland. Die „All Blacks“ haben 2007 zuletzt ein WM-Spiel verloren, sind als Weltmeister von 1987, 2011 und 2015 Rekord-Titelträger (Australien und Südafrika haben zwei, England hat einen Titel gewonnen) und sie sind die erste Mannschaft, die ihren Sieg im darauffolgenden Jahr wiederholen konnte. Folglich wäre der dritte Triumph in Serie die nächste Sensation für Neuseeland.

Vor vier Jahren wurde nach dem WM-Sieg der „All Blacks“ auf der Insel im Pazifik von der Regierung die Sperrstunde aufgehoben, um standesgemäße Feierlichkeiten zu ermöglichen. Rugby ist in Neuseeland Nationalsport, Kulturgut, Pflichtprogramm für jeden Schüler. Rugby-Nationalspieler sind nicht nur imposante, furchtlose Mannsbilder mit Armen und Beinen die Baumstämmen gleichen, sondern wahre Volkshelden. Und für sie geht diese WM jetzt erst richtig los.

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