Wassersport

Diese Dortmunderin greift bei der WM im Wasserski nach Gold

Giannina Bonnemann hat sich im Juli gleich drei Medaillen bei der EM in Spanien gesichert.

Giannina Bonnemann hat sich im Juli gleich drei Medaillen bei der EM in Spanien gesichert.

Foto: imago

Essen.  Giannina Bonnemann ist Europameisterin im Wasserski. In ihrer Heimat Dortmund ist sie nur noch selten, denn die 25-Jährige hat ein großes Ziel.

Gerade einmal vier Jahre alt war Giannina Bonnemann, als ihre Eltern sie zum ersten Mal auf Wasserski stellten. In De Bijland, einem See in den Niederlanden unweit von Kleve und Emmerich, hatten Mutter und Vater ein eigenes Boot, mit dem sie ihre kleine Tochter über das Wasser zogen. Was sie nicht ahnten: Es sollte ein Urlaub mit Folgen werden. Denn heute ist die 25-jährige Dortmunderin Wasserski-Europameisterin – und greift kommende Woche bei der Weltmeisterschaft in Malaysia erneut nach einer Medaille.

Von jenem Sommer in den Niederlanden an, erinnert sich Bonnemann heute, gab es in ihrem Leben eigentlich keine freie Zeit mehr, die nicht ganz im Zeichen der neuen Leidenschaft stand. Selbst an den Wochenenden ging es fortan fast immer rüber, von Dortmund an den geliebten See, anderthalb Stunden Fahrt pro Strecke. „Ich wusste zunächst gar nicht viel über Wasserski, konnte mir aber sehr früh schon kein Leben mehr ohne vorstellen“, sagt Bonnemann.

Gleich nach dem Abitur in die USA

Heute, zwanzig Jahre später, lebt die Sportsoldatin fernab der Familie in Santa Rosa Beach, an der Küste Floridas – und ist frisch gebackene Europameisterin: Gold in der Kombination, Gold im Trickski, dazu Bronze im Slalom. Ende Juli fanden in Spanien die jährlichen Wettkämpfe statt, wo sie auch ihre Eltern anfeuerten.

Die Familie lebt noch immer in Dortmund, darunter auch ihr älterer Bruder und die zwei jüngeren Schwestern. Verrückt nach Wasserski sind sie bei den Bonnemanns alle – so verrückt wie Giannina jedoch ist keiner. Gleich nach dem Abitur erhielt die damals 19-Jährige ein Stipendium. Sie ließ das Ruhrgebiet hinter sich und flog aus, nach Lafayette im US-Bundesstaat Louisiana. Dort machte sie ihren Bachelor in Business Management – jedoch eher nebenher, sagt Bonnemann, das Wichtigste sei für sie immer der Sport geblieben.

Für ihre Profikarriere zog sie nach Abschluss des Studiums schließlich um, rund 650 Kilometer weiter gen Osten, in den „Sunshine State“ Florida. „Die Trainingsbedingungen sind hier einfach am besten“, erklärt die Europameisterin. „Während die Saison in Deutschland wegen des Winters nur von Ostern bis zum Herbstanfang geht, kann ich in Florida fast das ganze Jahr trainieren.“

Jetlag ist längst Teil des Alltags

Und das ist bei Bonnemanns Zielen unverzichtbar: Kaum zurück von der EM beginnt für die 25-Jährige der Packstress nämlich von vorn. Schon am Freitag wird sie in Kuala Lumpur, Malaysia, landen. Von dort aus geht es weiter nach Putrajaya, wo vom 13. bis zum 18. August die Weltmeister im Wasserski ermittelt werden. Die Konkurrenz, gerade aus den USA, ist immens. Trotzdem gibt sich die Dortmunderin ehrgeizig: „Mein Ziel ist eine Medaille in der Kombination, vielleicht sogar im Trick-Wettbewerb. Für Gold müsste schon alles zu 100 Prozent perfekt laufen, aber möglich ist auch das“, sagt sie.

Dass das viele Reisen auch seine Schattenseiten hat, gibt sie offen zu: „Ich weiß zum Teil gar nicht so recht, was mein Zuhause ist“, so die 25-Jährige. Ihre Familie sehe sie nur etwa viermal im Jahr, zwischen Turnieren und Trainingslagern sei Jetlag längst Alltag geworden. „Ohne eine positive Einstellung geht’s nicht“, weiß sie.

Wie lange sie noch in dieser Form weitermacht, kann sie derzeit nicht sagen. Eine Rückkehr nach Deutschland schließt sie nicht aus, ebenso wenig ein Leben in Florida. „Wie auch immer es weitergeht“, erklärt sie, „es sollte mit Wasserski zu tun haben.“

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