Nationalmannschaft

Fußball-Länderspiel: Viele Sitze bleiben wieder leer

Die Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen Argentinien in Dortmund im Oktober 2019.

Die Nationalmannschaft vor dem Spiel gegen Argentinien in Dortmund im Oktober 2019.

Foto: dpa

Düsseldorf  Die deutsche Nationalmannschaft lockt die Zuschauerscharen nicht mehr an. Auch in der EM-Qualifikation werden Ränge unbesetzt sein.

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Wenn man so will, hätte Joachim Löw am Mittwoch schon mal trainieren können, wie es sich anfühlt, auf leere Ränge zu blicken. Denn natürlich waren die Plätze in der Düsseldorfer Arena verwaist, als die Nationalmannschaft auf dem Rasen jedoch nicht die Tribünen bestaunte, sondern vor allem an ihren Fertigkeiten mit dem Ball feilte. Der Deutsche Fußball-Bund absolviert seine Einheiten in dieser Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit, es soll konzentriert gearbeitet werden. Blöd nur, dass auch dann nicht so viele Anhänger ins Stadion strömen, wenn sich der Verband eine imposante Kulisse wünscht.

Leere Ränge in Mönchengladbach und Frankfurt?

Denn wenn der DFB am Samstag in Mönchengladbach gegen Weißrussland und drei Tage später in Frankfurt gegen Nordirland um die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020 kämpft, werden Löw und seine Spieler fast wie beim Training wieder auf viele leere Ränge blicken. Beide Partien sind weit entfernt davon, ausverkauft zu sein. Für das erste Spiel wurden bislang 30.000 Tickets verkauft, für das zweite 37.000.

Stadien in Bundesliga gut besucht

Deutschlands vermeintlich wichtigste Mannschaft schafft es derzeit also nicht mehr, große Zuschauerscharen anzulocken. Sie scheint vielmehr an Bedeutung zu verlieren. Jedenfalls im Vergleich zur Bundesliga. Hier strömen weiterhin viele Menschen in die Stadien. Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt, die normalerweise an den kommenden beiden Spielorten auflaufen, haben einen Zuschauerschnitt von über 50.000.

„Wir müssen uns bewusst sein, dass wir mehr tun müssen, um das Niveau zu halten“, meint DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der allerdings versucht, sich das Interesse schön zu rechnen. „Wir liegen im internationalen Vergleich vorne, unsere Auslastung liegt bei über 90 Prozent“, sagt er. Deswegen freue sich der DFB, „dass unsere Fans auch zu Spielen kommen, in denen wir nicht auf die großen Gegner treffen“. Allerdings gehört zur Wahrheit, dass die hohe Auslastung nur zustande kommt, weil die Nationalmannschaft längst in kleinere Spielstätten ausweicht. Nun, da die beiden letzten EM-Qualifikationsspiele in großen Stadien stattfinden, bleiben wieder viele Sitze leer. Woran liegt das?

Tickets zwischen 60 und 80 Euro

Kapitän Manuel Neuer sieht die Gründe hierfür etwa in den späten Anstoßzeiten (20.45 Uhr), im ungemütlichen Novemberwetter und den vielen Fußball-Wettbewerben. „Außerdem spielen wir nicht gegen Mannschaften, für die jeder Zuschauer gerne ins Stadion kommt“, sagt Neuer. Wenn die Tickets für Gegner wie Weißrussland auf der Haupttribüne trotzdem zwischen 60 und 80 Euro kosten, fällt es schwer, Argumente für einen Familienausflug zu einem Länderspiel zu finden. Auch wenn Kinder auf allen Plätzen mittlerweile nur noch zehn Euro bezahlen müssen.

Hinzu kommt zudem eine Ebene, die sich nur schwer messen lässt. Nach dem Sommermärchen 2006 schwappte die Nationalelf auf einer Welle der Euphorie, die im Gewinn des WM-Pokals 2014 gipfelte. Seitdem aber hat sich die Mannschaft bei der WM 2018 blamiert, sie produzierte rund um das Erdogan-Bild von Mesut Özil und Ilkay Gündogan negative Schlagzeilen, und die Schlammschlachten im DFB warben auch nicht gerade für die Verbandsspiele. So scheinen sich Anhänger wieder mehr auf die Liebe zu ihrem Heimatverein zu konzentrieren. In Dortmund fiel vielen Zuschauern während des Testspiels gegen Argentinien in diesem Jahr zum ersten Mal auf, dass auf den Sitzen des Oberrangs „Borussia“ prangt. Bei BVB-Heimspielen machen es sich dort Fans bequem.

„Wir können nur versuchen, die Spiele so attraktiv wie möglich zu gestalten“, sagt Leon Goretzka. Und: „Fußball muss Volkssport bleiben.“ Vielleicht könnten ein paar öffentliche Trainingseinheiten mehr helfen.

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