American Football

Football-Talent Ehrensberger hat ein Stipendium ergattert

Football-Talent Alexander Ehrensberger aus Düsseldorf.

Football-Talent Alexander Ehrensberger aus Düsseldorf.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Alexander Ehrensberger zählt zu den größten deutschen American-Football-Talenten. Nun hat er das Interesse der University of Notre Dame geweckt.

Auf einem Sportplatz in Düsseldorf haben sich an diesem Abend 20 Jungs versammelt. Sie stellen sich in zwei Reihen auf. Die beiden Kapitäne stehen vorne, erklären das Aufwärmprogramm: erst Hampelmänner, dann Liegestütze und schließlich Rumpfbeugen. Im Takt rufen sie „T-F-G“ und „Wir sind Typhoons“. TFG steht für das Theodor-Fliedner-Gymnasium, die Typhoons sind das American-Football-Team der Schule.

Alexander Ehrensberger steht am Seitenrand. Eine Fußverletzung hindert ihn, am Training teilzunehmen. Dabei steht dieser Zwei-Meter-Riese bei den Typhoons eigentlich im Mittelpunkt.

„Ein unglaublicher Schritt“

Der 19-Jährige geht Anfang 2020 in die USA – genauer gesagt nach Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana. Die renommierte University of Notre Dame hat an Ehrensberger jüngst ein Stipendium vergeben. Das vielleicht größte Football-Talent Deutschlands läuft in Zukunft für die „Fighting Irish“ auf. So lautet der Spitzname der College-Mannschaft in Anlehnung an den kämpfenden Iren im Logo.

Ehrensberger soll sich in den USA auf der Position des Defensive End beweisen, also die gegnerische Offensive unter Druck setzen. „Es ist immer noch unglaublich, dass ich diesen Schritt machen werde“, sagt er. „Wer hätte das schon vor sechs Jahren gedacht.“

Vor sechs Jahren hat er nämlich erst angefangen, American Football zu spielen. „Vorher hatte ich überhaupt keine Ahnung von dem Sport. Ich kannte die Regeln und die Positionen nicht“, sagt er mit einem Schmunzeln. Freunde aus seinem Konfirmationsunterricht haben ihn 2013 dazu bewegt, doch mal mitzukommen und bei den Typhoons zu trainieren.

Schnell entwickelte er eine große Leidenschaft für den Sport. Ehrensberger legte Sonderschichten ein und wurde zu einem Muskelpaket. Der Düsseldorfer wurde in den NRW-Kader berufen. Scouts wurden auf ihn aufmerksam „Die sagten mir, dass ich es in dem Sport zu etwas bringen könnte“, erinnert er sich. Und dann meldete sich Brandon Collier bei ihm.

Der ehemalige Football-Profi. vermarktet junge, europäische Talente. Er hilft ihnen, den Traum von einem Stipendium zu erfüllen. Ehrensberger qualifizierte sich in verschiedenen Trainingslagern für die „Dream Chasers Tour“, ein Programm für talentierte Spieler. „Ich durfte im vergangenen Herbst für zwei Wochen durch die USA reisen und mich an Colleges gegen amerikanische Schüler beweisen“, erzählt er. Mit Erfolg.

Als Ehrensberger das Angebot aus Indiana erhielt, überlegte er nicht lange. Im Januar schrieb der Gymnasiast auf seinem Twitter-Kanal: „Hiermit erkläre ich, dass ich mich dazu entschieden habe, meine akademische und sportliche Karriere bei der Universität von Notre Dame fortzusetzen.“

Geld bekommt Ehrensberger in Notre Dame nicht. Das ist in den Vereinigten Staaten so üblich. Das Stipendium ermöglicht ihm, sich weiterzubilden. „Notre Dame hat nicht nur eine gute Footballmannschaft. Die Universität ist auch dafür bekannt, viel für die weitere akademische Laufbahn zu tun“, erzählt er.

Ehrensberger könnte sich vorstellen, sich später auf den Bereich Psychologie zu spezialisieren. Viel Zeit für ein Privatleben bleibt ihm an der Universität nicht „Das wird ein Vollzeitjob. Zwischen 4 und 21 Uhr werde ich täglich zu tun haben“, sagt Ehrensberger.

Auf den Spuren von Equaniemeous St. Brown

Dafür kann er bald vor 80.000 Zuschauern im uni-eigenen Stadion spielen. Tipps könnte er von Equaniemeous St. Brown bekommen. Der Deutsch-Amerikaner ist ein Absolvent der Uni in Notre Dame. 2018 hat ihn das NFL-Team der Green Bay Packers geholt. „Bislang gab es aber noch keinen Kontakt. Ihn kenne ich nur aus dem Fernsehen“, betont Ehrensberger.

Bis zum Semester-Beginn hat er noch einige Monate Zeit, sich auf die USA vorzubereiten. Mit seinen Freunden will er in der deutschen American-Football-Jugendbundesliga noch Spiele gewinnen. Immer mit dem Gedanken, sich bloß nicht schwer zu verletzen. „Das wäre natürlich die Vollkatastrophe“, sagt Ehrensberger. Wenn er in Übersee lebt, werde er sicherlich einiges vermissen: „Meine Familie und Freunde, bestimmt auch die deutsche Küche.“ Und dann wäre da eben noch das Team. Er blickt auf das Feld, wo sich die Typhoons aufwärmen und sagt: „Ihnen habe ich so viel zu verdanken.“

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