Schwimm-WM

Eklat bei Schwimm-WM: Stiller Protest gegen Dopingsünder

SChwimm-WM: Silber-Gewinner Mack Horton (l.) weigert sich, mit dem umstrittenen Sieger Sun Yang (Mitte) auf dem Podium zu feiern.

SChwimm-WM: Silber-Gewinner Mack Horton (l.) weigert sich, mit dem umstrittenen Sieger Sun Yang (Mitte) auf dem Podium zu feiern.

Foto: Getty

Gwangju/Essen.  Chinas Sun Yang wird über 400 Meter Freistil Weltmeister. Doch in drei Monaten könnte er gesperrt werden. Der Zweitplatzierte setzt ein Zeichen.

Sun Yang hatte es der Welt gezeigt. Das sprach aus seinen Gesten, martialisch hämmerte der Chinese mit den Fäusten ins Wasser, nach seinem Sieg über 400 Meter Freistil. Es war das erste Finale der Beckenschwimmer bei dieser Weltmeisterschaft in Gwangju überhaupt gewesen und die Bilder, die von der Siegerehrung dann um die Welt gingen, waren einmalig: Platz zwei des Podiums blieb leer, Silbergewinner Mack Horton zeigte ohne Gesten eine ziemlich eindeutige.

Stummer Protest mit versteinerter Miene

Horton verharrte hinter dem Podium mit versteinerter Miene, mit den Ehrungen des Chinesen wollte er nichts zu tun haben. 2014 war Sun Yang schon einmal mit Doping aufgeflogen, nun besteht ein weiterer Verdacht, der wohl sein Karriere-Ende bedeuten würde. Praktisch für ihn und dumm für die Konkurrenz: Abschließend verhandelt wird über der Fall erst im September. „Seine Handlungen und wie damit umgegangen wird, sagen mehr als ich es je könnte“, erklärte Horton nach dem Rennen seinen stillen Protest.

Probe mit Hammer zerstört

Die britische Zeitung Sunday Times hatte im Januar durch Einblicke in einen Bericht des Dopingpanels des Weltverbandes Fina publik gemacht, was sich schon im vergangenen September abgespielt haben soll. Sun Yang wurde demnach in seinem Anwesen von einer Dopingkontrolle überrascht, sein Leibwächter zerstörte die Blutprobe später mit einem Hammer. Die Kontrolleure hätten sich nicht ausreichend ausweisen können, verteidigte sich Sun Yang. Die Fina verwarnte den Athleten nur, wogegen die Weltantidopingagentur Wada im März Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas einlegte – und der verhandelt erst im September. Wie Matthieu Reeb, Generalsekretär des Cas, der Fachseite Swimming-World-Magazine sagte, habe keine der beteiligten Parteien – der Athlet selber, die Fina oder die Wada – beantragt, den Fall vor der WM zu klären. Eine frühere Entscheidung des Cas könnte so später wegen Verfahrensfehlern moniert werden.

„Sun Yang pinkelt lila“

Auch über 200 und 800 Meter will Sun Yang in Gwangju noch starten und so könnte diese WM ähnlich geprägt werden wie Olympia 2016 in Rio. „Sun Yang pinkelt lila“, hatte Frankreichs Camille Lacourt damals gesagt, Horton erklärte: „Ich habe weder Zeit noch Respekt für Doping-Betrüger.“ Sun Yang hingegen hatte Zeit für Cornel Marculescu, den Generalsekretär der Fina, dem er nach seinem Gold über 200 Meter in die Arme fiel. Er sei „wie ein Großvater“ für ihn. Der 78-Jährige hatte 2015 spannende Dinge gesagt: Man könne Stars nicht von der Schwimm-WM ausschließen, „nur weil sie einen kleineren Unfall mit Doping hatten“.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben