Reitsport

Dressurreiterin Isabell Werth und ihr spezieller Kick

Dressurreiterin Isabell Werth

Dressurreiterin Isabell Werth

Foto: PA

Rheinberg.  Starke Konkurrenz motiviert die beste Dressurreiterin der Welt. Beim Weltcup-Finale in Göteborg geht die 49-Jährige als Favoritin ins Viereck

Sie ist – Isabell Werth. Sie ist – die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt. Das Weltcupfinale, welches bis Sonntag in Göteborg ausgetragen wird und die Hallensaison beschließt, ist zwar auch für Werth ein nicht alltägliches Turnier, aber es ist keins, dessen Ergebnis ihre sportliche Vita besonders schmückt. Obwohl sie es in den vergangenen zwei Jahren und insgesamt bereits viermal gewann. Für Stars ihrer Kategorie zählen andere Platzierungen, andere Medaillen. Jene von Olympischen Sommerspielen, von Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften. Jene, die sie zuhauf ihr Eigen nennt.

Trotzdem tritt die 49-jährige Rheinbergerin in Göteborg nicht an, „um Vorletzte zu werden“, wie sie selbst süffisant sagt. Sie will gewinnen und sattelt deshalb ihre Stute Weihegold, mit der sie im Vorjahr triumphierte und aktuell in der Weltrangliste auf Platz eins liegt. Doch Isabell Werth geht es nicht nur um den schnöden Sieg. Etwas anderes reizt sie viel mehr und sorgt für den Nervenkitzel, den der Kampf um Platz eins, zwei oder drei an sich für sie kaum noch im Gepäck hat.

Mit Weihegold zum Weltcup

„Jetzt kommt immer mehr der Bogen, bei dem sich jeder die Frage stellt: Wann kippt es?“, sagt sie. Wann gelingt es der Konkurrenz, die Königin der Dressur dauerhaft vom Thron zu stoßen? Darauf wartet die Szene, darauf wartet das Publikum, wenn es sich nicht gerade an den Darbietungen der Nummer eins der Welt ergötzt. „Der Kitzel ist, dem zu widerstehen“, erklärt Werth selbst und grinst.

Denn den einen oder anderen Angriff wehrte sie bereits ab. „Laura wird auch vor dem Weltcupfinale mit den Hufen scharren“, erzählt Werth und meint damit die US-Reiterin Laura Graves. Sie und ihr Wallach Verdades sind ein Paar der Dauerkonkurrenz von Werth und Weihegold. Unter anderem im Grand Prix von Aachen, dem Weltfest der Pferdesports, tanzten sie im vergangenen Jahr zu einer höheren Note durch das Viereck. Im Spécial, in der Kür – bei den anschließenden Weltreiterspielen in Tryon schlugen Werth und „Weihe“ aber wieder zurück.

So erging es auch Sönke Rothenberger, der mit Cosmo 2018 bei der Deutschen Meisterschaft in Balve im Grand Prix und im Grand Prix Special vor seiner Teamkollegin triumphierte, die daraufhin ihren Start mit Weihegold in der abschließenden Kür absagte. Damals erklärte Werth aber fröhlich über ihre Stute: „Sie war bis vor zwei Wochen noch im Zuchteinsatz und sah vor einer Woche noch aus wie eine schwangere Auster. Meine Enttäuschung hält sich sehr in Grenzen.“ Bei den Weltreiterspielen einige Wochen später präsentierte Werth dann ihre Fuchsstute Bella Rose und holte Gold. Rothenberger wurde Vierter.

Rothenberger und Cosmo verzichteten auf die Hallensaison, doch in Göteborg droht der Weltranglistenersten Werth neben internationaler Konkurrenz wie Laura Graves, Kasey Perry-Glass (beide USA) oder Daniel Bachmann Andersen (Dänemark) auch nationale.

Langehanenberg traut sich viel zu

Helen Langehanenberg zum Beispiel startet mit Damsey als Führende der Weltcup-Wertung. Werth war als Titelverteidigerin für das Finale gesetzt und taucht daher in dieser Wertung nicht auf. Selbstbewusst kündigt Langehanenberg an: „Mal sehen, was uns noch gelingt. Aber Damsey bleibt eine kleine Wundertüte. Er kann alles, wenn er Lust hat, es zu tun.“ Beim Turnier in ’s-Hertogenbosch zum Beispiel hatten er und seine Reiterin große Lust. Mit starken 84,875 Prozent in der Kür holten sie hinter Bachmann Andersen Rang zwei – vor Werth.

Mit ihren Top-Pferden Weihegold, Emilio und Bella Rose plant Isabell Werth bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Und dann? Dann könnte die Zeit ihres Schimmels Belantis, der in diesem Jahr in den Grand Prix eingeführt werden soll, kommen. Oder die der siebenjährigen Rappstute Superb, „die bislang noch keinen Richter belästigt hat, aber über ein riesengroßes Potenzial verfügt“. Von eben dieser Superb postete Werth jetzt ein Foto auf ihrer Website. Als wolle sie die Konkurrenz vor dem Weltcupfinale noch einmal warnen: Es zählt nicht nur Göteborg, sondern auch die Zukunft. Isabell Werth, die beste Dressurreiterin der Welt, verfügt über einige potenziellen vierbeinigen Stars von Morgen.

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