Mein Job: Bundestrainer

Doleschel ist der Erfolgsbringer der deutschen Sportkegler

Günther Doleschel (Cheftrainer/m.) im Gespräch.

Günther Doleschel (Cheftrainer/m.) im Gespräch.

Foto: dpa

Westhausen.  Alle Neune für Deutschland: Günther Doleschel ist Cheftrainer der Sportkegler. Der 61-Jährige setzt auf ungewöhnliche Methoden.

Wer durch die Turn- und Festhalle in Westhausen läuft, erkennt sofort, welche Sportart dort angesagt ist. Im Gebäude gibt es vier Kegelbahnen. An Trainingsabenden rollen die Kugeln in enger Taktung über die Kunststoffbahnen. Pokale, Urkunden und Medaillen zeugen von den Erfolgen, die der TSV Westhausen durchs Holzabräumen geholt hat. Auch Günther Doleschel verbringt viel Zeit auf der Kegelbahn. Der 61-Jährige ist Sportwart der Abteilung. Jeder Sportkegler in Westhausen kennt ihn.

Doleschel wird aber auch außerhalb der baden-württembergischen Gemeinde erkannt – jedenfalls, wenn er an der Kegelbahn steht. Dann trägt er oft einen roten Trainingsanzug mit Bundesadler-Logo: Der pensionierte Soldat ist seit 2012 Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft.

WM in Tschechien

Aktuell bereitet er sich mit den besten Athleten des Deutschen Keglerbundes Classic (DKBC) auf die Team-Weltmeisterschaft im Mai vor. Deutschland gehört im tschechischen Rokycany zu den Favoriten. Die Frauen sind Titelverteidiger. Im Männer-Bereich war Deutschland zuletzt 2005 Weltmeister. Wenn es in diesem Jahr mit dem Titel klappen soll, muss sein Team vermutlich die Serben bezwingen. „In dem Land ist Kegeln Profisport“, sagt Doleschel. „Deswegen war Serbien zuletzt auch zweimal in Folge Weltmeister.“

Als der Mann von der Ostalb mit dem Kegeln anfing, dachte er noch nicht an Weltmeisterschaften und Medaillen. Günther Doleschel und seine Frau Waltraud suchten Ende der 1970er-Jahre bloß ein gemeinsames Hobby. „Wir sind dann mal zum Kegeln ins Gemeindeheim gegangen“, erzählt der Cheftrainer.

Es gab in Deutschland damals auch viele Kegler, die nach jedem zweiten Wurf ein neues Bier bestellten und Strafgelder für die Mosel-Fahrt zahlten. Für Doleschel war Kegeln aber mehr als nur eine bloße Freizeitbeschäftigung. Er feilte an seinem Wurf. Im Laufe der Zeit räumte Doleschel immer häufiger alle Neune ab.

Springseile und Hula-Hoop-Reifen

Er wollte etwas von seinem Wissen weitergeben, stieg 1990 als Jugendtrainer beim TSV Westhausen ein. „Im Nachwuchsbereich geht es darum, die Bewegungsabläufe und die Technik zu optimieren“, erklärt Doleschel. Zu seinem Trainingsprogramm gehört dabei mehr, als die Kugel auf der Bahn zu platzieren. Mit Hilfe von Springseilen, Hula-Hoop-Reifen und Balance-Pads sollen die Sportler auch ihre Koordination verbessern.

Doleschel hatte mit seinen Methoden stets Erfolg. Mit Westhausens A-Jugend gewann der Trainer 1992 die Kreismeisterschaft. Die jungen Kegler aus der 6000-Einwohner-Gemeinde fuhren später zu Deutschen Meisterschaften. Und Doleschel erwarb Lizenzen, um sich weiterzubilden.

Mit Doleschel kommt der Erfolg

Der Trainer machte sich in der Kegelszene einen Namen. Auch Karl-Heinz Schmitz wusste, wer Günther Doleschel ist. Der langjährige Bundestrainer traf den Westhausener bei einer Veranstaltung in Baden-Württemberg. Die beiden Männer kamen ins Gespräch. Unverhofft kommt oft: Schmitz fragte schließlich, ob Doleschel nicht Junioren-Bundestrainer werden wolle. „Da musste ich nicht lange überlegen“, sagt der Familienvater.

Doleschel schrieb fortan eine Erfolgsgeschichte im Sportkegeln: Unter seiner Regie gewannen Deutschlands Junioren drei Weltmeistertitel in Folge. Und 2004 ging es sogar noch eine Stufe höher – in den Herrenbereich. Im serbischen Novi Sad erlebte Doleschel im Jahr darauf den größten Moment seiner Trainerkarriere. Deutschland holte den Titel. „Das war ein sehr, sehr schönes Erlebnis für mich“, erzählt Doleschel.

Weniger schön fand er die Querelen, die es später im Verband gab. Das Präsidium strich bereits nominierten Sportlern die Fahrt zur WM 2008. Das missfiel Doleschel, deshalb trat er als Trainer der Herren-Nationalmannschaft zurück. Dem Sportkegeln blieb er aber weiter verbunden. Als der DKBC schließlich 2012 einen Cheftrainer für alle Teams suchte, bekam Doleschel wieder eine Anfrage. „Diese Aufgabe fand ich reizvoll, und deshalb habe ich zugesagt.“

Doleschel ist nun seit mehr als vier Jahrzehnten der Sportart verbunden. Er trifft aber immer noch Leute, die Kegeln nur als Kneipensport belächeln. Doleschel muss dann schmunzeln. „Bei einem Wettkampf ist man eine Stunde am Stück in Bewegung“, sagt der Cheftrainer. „Das ist körperlich und mental sehr anstrengend.“ Er übertreibt nicht: Mit 100 Würfen erreicht ein Sportkegler den Energieverbrauch eines 3000-Meter-Läufers – so steht es in einer Studie.

Seiner Frau Waltraud, seiner Tochter Tatjana und seinem Sohn Tobias muss er das nicht erzählen. Bei den Doleschels ist das Sportkegeln schließlich Familientradition. Und der Cheftrainer denkt schon weiter: „Wer weiß, vielleicht werde ich eines Tages auch meine Enkel trainieren.“

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