Biathlon

Biathlon: Laura Dahlmeier erstürmt jetzt andere Gipfel

Strahlendes Lächeln: Laura Dahlmeier mit der Goldmedaille 2018 bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang.

Strahlendes Lächeln: Laura Dahlmeier mit der Goldmedaille 2018 bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang.

Foto: dpa

Essen.  Deutschlands Biathlon-Star Laura Dahlmeier beendet mit 25 Jahren eine großartige Karriere. Der Rücktritt kommt nicht völlig überraschend.

Das neongrüne Gewehr war nicht nur ihr vertrautes Sportgerät, sondern auch ihr Markenzeichen. „Scheiß da nix, dann feid nix“, steht auf dem Schaft. Für uns Nicht-Bayern die Übersetzung: „Mach dir keine Gedanken, dann passiert dir auch nichts.“ Biathlon-Star Laura Dahlmeier, die Inhaberin des Gewehrs und eine der ­erfolgreichsten deutschen Sportlerinnen des vergangenen Jahrzehnts, hat am Freitag per Facebook bekanntgegeben, dass sie ihre Karriere beendet. Mit 25 Jahren und nicht einmal neun Monaten.

Auch Magdalena Neuner hörte mit 25 Jahren auf

Das Motto auf ihrem Gewehr setzte Dahlmeier in ihrem Sport konsequent um. Im richtigen Moment konnte sie den Kopf ausschalten, negative Gedanken isolieren und stattdessen mit Selbstbewusstsein ans Werk gehen. Diese Fokussierung auf ein Ziel machte Dahlmeier zur Doppel-Olympiasiegerin und führte sie zu sieben WM-Titeln. Beim Biathlon verstand sie es, den Kopf auszuschalten.

Umso mehr Gedanken machte sich die Garmisch-Partenkirchene­rin um ihre Karriere, um ihr Leben. Und so kommt ihr Rücktritt trotz ihrer erst 25 Jahre nicht völlig überraschend. „Es ist Zeit, Servus zu sagen!“, schreibt Laura Dahlmeier auf Facebook. „Nach einer unfassbar harten Saison voller Höhen und Tiefen verspüre ich nicht mehr die hundertprozentige Leidenschaft, die für den Profisport erforderlich ist.“

Vor sieben Jahren hörte schon eine Biathletin mit 25 Jahren auf. Es gibt viele Parallelen zwischen Magdalena Neuner, die auch zweimal olympisches Gold und sogar zwölf WM-Titel gewann, und Dahlmeier. Beide kommen aus dem Werdenfelser Land, beide sind von Trainer Bernhard Kröll in die Weltspitze geführt worden. Nach dem Saisonfinale im März hatte Kröll gesagt, dass nach seinem Bauchgefühl Laura bei Olympia 2022 in ­Peking nicht mehr am Start sein werde. Jetzt hat Laura Dahlmeier sogar noch viel früher von ihrem Sport Abschied genommen. „Um Platz für neue Abenteuer zu schaffen, ist es nun für mich an der Zeit, das Kapitel Biathlon zu schließen“, teilte sie am Freitag mit.

Magdalena Neuner kann den Schritt wohl am besten nachvollziehen. „Bei mir war es auch so, dass ich alles erreicht hatte und es mir nicht darum ging, noch fünf weitere Weltmeistertitel zu holen“, sagte sie dem Münchner Merkur. Biathlon hat Neuner und Dahlmeier zu Stars gemacht, die auch gutes Geld verdient haben. Gleichzeitig fordert die beliebteste Wintersportart ihren Protagonisten immer mehr ab, bringt sie an ihre physischen und psychischen Grenzen.

Jedes Jahr gibt es nicht nur zahllose Weltcups, sondern auch Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele. Das WM-Programm ist aufgebläht und droht zu platzen. Es gibt Sportlertypen wie Ole Einar Björndalen, der jeden Auftritt im Biathlon-Zirkus genossen hat. Man nannte ihn den Kannibalen, weil er auch mit 44 Jahren jedes Rennen gewinnen wollte.

Am 28. Dezember feiert sie ihren Abschied auf Schalke

Laura Dahlmeier ist anders. Sensibler. Die Zollwachtmeisterin wagte stets den Blick über den Tellerrand. Und so freut sie sich auf die Zeit nach dem Biathlon. Vor drei Jahren verriet die leidenschaftliche und erfahrene Bergsteigerin dieser Zeitung, dass sie neben dem Olympia-Gold noch ein weiteres Ziel habe: „Die Eiger-Nordwand. Das ist ein Traum von mir. Im Moment steht Biathlon im Vordergrund, die Wand läuft mir nicht davon.“

Olympiasiegerin ist sie gleich zweimal geworden, jetzt hat sie auch die Zeit für die Wand. Man kann sicher sein, Laura Dahlmeier wird auch diesen Gipfel erstürmen. Vorher wird sie allerdings noch einmal ihr neongrünes Gewehr schultern und durch die Loipe stürmen. Am 28. Dezember wird Laura Dahlmeier beim Biathlon auf Schalke ihren Abschied feiern. Genau das Richtige für sie: Dort geht es auch um den Spaß am Sport.

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