Formel 1

Wie Sebastian Vettel in der Formel 1 den Neustart schafft

Nachdenklich: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel.

Nachdenklich: Ferrari-Pilot Sebastian Vettel.

Foto: DPA

Abu Dhabi.  Am Sonntag ist das Finale der Formel 1 in Abu Dhabi. Die Bilanz für Ferrari und Vettel ist schon jetzt enttäuschend. Das muss sich ändern.

Seit Anfang September hat Sebastian Vettel kein Formel-1-Rennen mehr geworden, vor dem Finale in Abu Dhabi am Sonntag (14.10 Uhr/Sky) sagt der neuerliche Vize-Weltmeister: „Ich denke nicht, dass wir das Siegen verlernt haben.“ Für den Heppenheimer geht es in der Wüste aber nicht nur um Genugtuung, sondern um den Neustart 2019 und die große Frage: Schafft er es endlich?

Was muss sich verändern, damit es besser wird bei Ferrari?

„Vieles“, sagt Sebastian Vettel, „uns haben die Konstanz und der Speed gefehlt, um die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zu entscheiden. Es war ein gutes Jahr, aber es war kein perfektes Jahr. Von meiner Seite und von unserer Seite aus gibt noch sehr viel zu tun.“ Was er meint: „Der letzte Schritt steht noch aus.“

Warum haben sich wieder die Fehler gehäuft?

Das Fachportal motorsport.com hat nachgerechnet, wie viele Punkte Vettel durch Fahrfehler, Regelverstöße und taktische Pannen an Hamilton abgegeben hat. Demnach wäre nicht der Brite in Mexiko zum fünften Mal Weltmeister geworden, sondern Vettel mit 402:324 Punkten. Die Trendwende war das Aus für den Spitzenreiter im Regen beim Heimspiel: „Hockenheim war kein Riesenfehler, aber er hatte eine riesige Konsequenz. Es war eine Fehleinschätzung von mir an falscher Stelle.“ Aber der Heppenheimer hat es satt, immer wieder die gleichen Situationen zu diskutieren: „Wir wollen nicht ablenken davon, dass die anderen unterm Strich einfach besser waren.“

Ist der Teamgeist nach dem vierten vergeblichen Versuch mit Vettel, dem zehnten insgesamt, noch in Takt?

Dazu kann man in das von Sorgen zerfurchte Gesicht von Maurizio Arrivabene gucken, oder den Ausführungen von Firmenpräsident Louis Camilleri lauschen: „Gewinnen ist für Ferrari ziemlich wichtig, es ist Teil unserer Geschichte, „wir sind sehr nah gekommen. Das Jahr ist etwas unglücklich gelaufen. Rein von den Zahlen her war es unsere beste Saison seit 2008, wir machen also Fortschritte.“ Auch Vettel glaubt immer noch an die Chance: „Jeder bei uns hat den Willen.“

Wird es für Vettel mit dem neuen Partner Charles Lecler unbequemer?

Der größte Gegner in der Formel 1 ist immer der Teamkollege, auch wenn der eine erst 20 Jahre alte ist und der andere vierfacher Weltmeister. Sebastian Vettel weiß, dass er es mit Charles Leclerc nicht einfacher haben wird: „Er hat das Cockpit nicht ohne Grund bekommen. Er ist ein guter Junge.“ Der Monegasse soll für Ferrari den Beweis antreten, dass nicht nur Mercedes oder Red Bull eigene Spitzenfahrer ausbilden können. Leclerc ist schon jetzt ein unangenehmer Gegenspieler, er ist schnell, analytisch, mutig. Chefingenieur Jock Clear soll sich um die weitere Ausbildung kümmern, denn natürlich ist es ein Unterschied, ob man im Sauber oder im Ferrari fährt. Vettel sagt auf die Frage, was er am meisten vermissen wird, wenn sein Freund Kimi Räikkönen jetzt geht: „Die Ruhe.“ Das ist durchaus doppeldeutig zu verstehen.

Ist Sebastian Vettel noch der Gleiche?

Sechs Crashs oder Dreher sind zu viele für einen WM-Kandidaten – weil der Fahrer zu viel wollte. Nichts gegen die Grundaggressivität, die besitzt Lewis Hamilton auch – aber der war in den entscheidenden Momenten mehr in Balance und nicht so rücksichtslos. Vettel würde in den meisten Situation wohl wieder so handeln, das ist sein Naturell: „Wer Druck macht, macht auch mal zu viel Druck.“ Der Druck von außen wird noch stärker, aber damit kann er prinzipiell gut umgehen. Aus dem Rhythmus könnte er nur geraten, wenn er intern keinen Rückhalt mehr spüren würde.

Was kann das neue Reglement verändern?

Entscheidend für das neuerliche Scheitern an Mercedes war, dass Ferrari zu Beginn der Übersee eine falsche Richtung bei der Fahrzeugweiterentwicklung eingeschlagen hat, und vor allem: das viel zu spät gemerkt und korrigiert hat. Die Ingenieure der Scuderia sind ähnlich unter Druck wie der Fahrer, da geht gelegentlich die Souveränität verloren. Die komplett neue Aerodynamik ist eine Fifty-Fifty-Chance, Mercedes und Red Bull gelten als nicht gerade schwach auf diesem Gebiet. Aber mit einer brillanten Konstruktion lässt sich schnell ein Vorsprung herausholen. Entscheidend ist dann nur, den dann über die ganze Saison zu wahren.

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