Formel 1

Vor dem 1000.Grand Prix: Die schillernden Typen der Formel 1

Bernie Ecclestone (r) und Flavio Briatore.

Bernie Ecclestone (r) und Flavio Briatore.

Foto: Carmen Jaspersen

Shanghai  Der Große Preis von China am Sonntag ist das 1000. Rennen in der Geschichte. Einige Charaktere haben die Königsklasse des Motorsports besonders geprägt

Neunhundertneunundneunzig mal Formel 1 – und am Sonntag (8.10 Uhr/RTL) wird in Shanghai der 1000. Grand Prix gefahren. Europäische Traditionalisten mögen das bedauern, aber die chinesische Metropole vereint Tradition und Moderne gleichermaßen in sich, das Leben dort ist rasend schnell und maßlos. Genau das sind die Attribute, die perfekt zur Königsklasse des Motorsports passen. Dazu passen auch diese schillernden Typen der Formel 1.

Jochen Rindt

Er ist der erste Pop-Star der Formel 1, ein Mainzer, der als Waise bei den Großeltern in der Steiermark aufwächst. Und er ist der einzige, der den Weltmeistertitel posthum gewinnt, weil sein Lotus 1970 beim Abschlusstraining im Autodromo von Monza zerbricht. Nina, die Witwe des nur 28 Jahre alt gewordenen Draufgängers, nimmt den Pokal in Empfang. Rindt wird noch heute auch jenseits von Österreich verehrt.

Kimi Räikkönen

Er fährt so, wie er spricht: Ruhig und schnörkellos. So wird er 2007 heimlich, schnell und leise Ferraris letzter Weltmeister. Aber wehe, wenn die Ingenieure den Finnen eines Besseren belehren möchten: Der Funkspruch „Lasst mich in Ruhe, ich weiß, was ich tue“ ist legendär. Alkoholeskapaden verschweigt er nicht, sondern zelebriert sie. Hält er noch zwei Jahre bei Alfa Romeo durch, wird er den Ausdauerrekord der Formel 1 aufstellen.

James Hunt

Ein Leben wie im Rausch, manchmal besiegt das Klischee die Wirklichkeit, oder befeuert diese noch. Der Brite, der sich auf dem Siegerpodest gern eine Zigarette ansteckt, ist die politische Unkorrektheit in Person. Im legendären Duell mit Niki Lauda holt er 1976 seinen einzigen Titel. Gefürchtet wird er als Bruchpilot, geliebt wird er für das T-Shirt mit dem Aufdruck „Sex ist das Frühstück der Champions“. Mit 45 stirbt er an Herzversagen.

Niki Lauda

Der Feuerunfall, natürlich. Die Lungentransplantation, kürzlich. Drei grandiose Weltmeistertitel, der Sieg der Sturheit über das väterliche Fahrverbot, die Gründung einer eigenen Airline. Der Wiener Grantler, der als solcher deutsche Fernsehberühmtheit bei RTL erreicht, ist permanent im Take-Off-Modus, auch als Mercedes-Teamaufsichtsrat noch. In nur als konsequent zu bezeichnen wäre grob verharmlosend. Ein Egomane, der sich aufs Renngeschäft versteht und aufs Geschäftemachen gleichermaßen.

Eddie Jordan

Über die wichtigste Tat des Iren lässt sich trefflich streiten: die Schumacher-Brüder mit seinem Rennstall nacheinander in die Formel 1 gebracht, und damit das deutsche Motorsportwunder erst ermöglicht zu haben? Oder doch die Erfindung des Boxenluders, mit einem Seite-3-Girl, das später als „Jordan“ auftritt und das Silikonlimit ausreizt? Als Spielwiese für Exzentriker hat die Formel 1 schon immer perfekt funktioniert.

Flavio Briatore

Erst baut er für Benetton Boutiquen, dann ein Rennteam. In das holt er Michael Schumacher. Es müssen die Instinkte sein, das gleiche wiederholt er später mit Fernando Alonso. Sein Charme ist brachial, seine Ausbrüche sind gefürchtet. Er lässt den Brasilianer Nelson Piquet junior absichtlich in die Mauer rasen, das beendet seine Karriere. Aber nicht seinen schillernden Lebensstil. Einen authentischeren Playboy, man muss nur Heidi Klum fragen, gibt es kaum.

Bernie Ecclestone

Am allersten Grand-Prix-Wochenende fährt er beim Rahmenrennen mit, in den Siebzigern übernimmt er dann das Steuer der ganzen Formel 1: Charles Bernard Ecclestone erfindet die Selbstvermarktung, kassiert beim Fernsehen und Sponsoren, scheffelt Milliarden – und macht alle Beteiligten reich. Das Prinzip eines Paten.

Enzo Ferrari

Er ist ein Dickkopf, weshalb Ferrari auch beim allerersten Formel-1-Rennen 1950 fehlt, das Startgeld war dem Italiener zu niedrig. Ein Commendatore, wie es keinen besseren geben könnte. Berufswunsch, ursprünglich: Opernsänger. Oder Sportjournalist. Das kam der Sache schon näher. „Jeder Sieg verlängert mein Leben“, hat er behauptet. Er war 90, als er 1988 starb – und seine Scuderia hat es bis heute auf 15 Fahrer- und 16 Konstrukteurstitel gebracht.

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