Motorsport

Von 16 auf 1 in 37 Runden - Rast überzeugt bei DTM-Start

Rasender Rast: Der Mindener fuhr mit seinem Audi saisonübergreifend zum siebten Sieg im achten Rennen.

Rasender Rast: Der Mindener fuhr mit seinem Audi saisonübergreifend zum siebten Sieg im achten Rennen.

Foto: dpa

Hockenheim/Essen.  Vizemeister René Rast fährt beim ersten DTM-Wochenende furios zum Sieg. Nach dem Ausstieg von Mercedes ist die Rennserie spannender geworden.

Linus Straßer war etwas verwirrt, als er den kleinen goldenen Pokal in Hockenheim übergeben sollte. Er ist eher auf den steilen und nicht den flachen Rennstrecken zu Hause, aber vielleicht sorgte auch der Umstand, dass alle drei Platzierten dieselben Audi-Overalls trugen, für die kurzfristige Orientierungslosigkeit. Robin Frijns nahm es dem deutschen Skirennläufer nicht krumm, gutmütig winkte der Niederländer vom dritten Podiumsplatz aus, als Straßer auf dem Weg zum Zweiten Nico Müller war, um dem vermeintlich Drittplatzierten seinen Pokal zu überreichen. Das Publikum quittierte die Szene mit freundlichen Lachern.

Dass der Essener Rennfahrer Harald Grohs anschließend ähnliche Probleme hatte, dürfte Straßer zusätzlich erleichtert haben. Selbst so erfahrene Motorsportler verlieren in der neu gestarteten DTM-Saison den Überblick.

Dritter im Gesamtklassement

Ganz oben stand einer, der zumindest beim zweiten Versuch den Durchblick hatte. René Rast, Champion 2017 und Vizemeister in der vergangen Saison, war in den 37 Runden von Platz 16, von ganzen hinten, spektakulär zum Sieg gefahren. „Ein gigantisches Rennen. Nach dem verkorksten Qualifying habe ich nicht mehr mit dem Sieg gerechnet“, sagte der 32-jährige Audi-Pilot, der im Gesamtklassement hinter Samstag-Sieger Marco Wittmann (BMW) und Teamkollege Robin Frijns liegt. „Zum Glück war der Renngott auf unserer Seite.“

Es war der erwartete Start des Unerwarteten. Neues Team, neue Technik, neuer Modus. Wer nicht aufpasste, konnte zu Beginn ähnlich verwirrt dastehen wie Linus Straßer vor dem Podium. Nach mehr als 30 Jahren hatte sich Mercedes von der DTM verabschiedet und damit Zukunftsfragen aufgeworfen. Die DTM reagierte und konnte die Nerven der verbliebenen Teams Audi und BMW mit Nachfolger Aston Martin und einem überarbeiteten Reglement beruhigen. Statt mit acht Zylindern sollte es nun mit einem Vierzylinder-Turbomotor auf die Bahn gehen. Das Aggregat sollte den schlankeren und aerodynamischeren Boliden 610 PS verleihen, die Geschwindigkeiten jenseits der 300 möglich machen. Dazu sollte den Piloten ein 30-PS-Powerknopf das Überholen erleichtern. Statt Minuten sollten in den 18 Rennen Runden abgefahren werden. Statt berechenbar sollte die DTM, genau, unberechenbar werden.

Das Ergebnis? Nicht vorhersehbar. Aston Martin musste am Samstag gleich zwei Wagen aufgeben – Debütant Ferdinand von Habsburg, 21 Jahre junger Rennfahrer und nebenbei noch Urenkel des letzten österreichischen Kaisers, musste wie Ex-Meister Paul di Resta im Rennverlauf aussteigen. Jake Dennis aus Dänemark schaffte es als Elfter ins Ziel, Daniel Juncadella (Spanien) als Neunter.

René Rast: "Es geht alles über die Reifen"

Davor spielte sich ein packender Kampf um den Sieg ab. René Rast holte zu Marco Wittmann Runde um Runde auf und saß schließlich in seinem Heck. Doch dann machte das Getriebe nicht mehr mit, „dann war er irgendwann aus meinem Rückspiegel verschwundnen“, sagte der Fürther. Sieg für Wittmann. Sieg für BMW.

Der Sonntagmorgen lief zumindest für Rast nicht besser. Dafür belegte BMW-Pilot Philipp Eng, dass die Zahlen nicht nur Werbung sind. Im Qualifying stanzte er die schnellste Runde, die je in Hockenheim von einem geschlossenen Rennwagen gefahren wurde, in den Asphalt. Im Rennen profitierte Eng davon nicht lange.

Nachdem der Franzose Loic Duval im Kiesbett gelandet war, nutzten Rast und di Resta die Safetey-Car-Phase für einen Boxenstopp. Die Konkurrenz verlor wichtige Zeit. Rast jagte durchs Feld, mit trübem Blick, weil die Windschutzscheibe mit dem Öl der Überholten beschmiert war, und erkannte schließlich den schwarzen Aston Martin Vantage von di Resta. Eine Runde führte der frühere Formel-1-Fahrer, dann musste er in die Box. Rast überholte und ließ sich weder von Regentropfen noch von der Konkurrenz seinen siebten Sieg im achten Rennen nehmen.

„Es geht alles über die Reifen“, sagte Rast. „Wenn du frische hast, ist das ein extremer Vorteil.“ So sah es auch die Konkurrenz. „Von dem Wochenende können wir einiges Positives mitnehmen“, sagte BMW-Motorsporchef Jens Marquardt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben