Motorsport

Sophia Flörsch kritisiert W Series: "Show ist nicht alles"

Rennfahrerin Sophia Flörsch

Rennfahrerin Sophia Flörsch

Foto: DPA

Essen.  Sophia Flörsch bleibt bei ihrer Meinung zur umstrittenen Rennserie. Die W Series biete keinen sportlichen Mehrwert für weibliche Piloten.

Sophia Flörsch (18), zählt zu den derzeit bekanntesten weiblichen Rennfahrerinnen in Deutschland. In der W Series fuhr sie nicht mit. Die Münchenerin startet für den niederländischen Rennstall van Amersfoort in der Fia Formula Regional European Championship. Flörsch hält nichts von eine Rennserie nur für weibliche Piloten.

Frau Flörsch, sie gehörten vor der Saison zu den härtesten Kritikerinnen der W Series. Hat sich daran etwas geändert?

Sophia Flörsch: Nein. Nach dem ersten Jahr sehe ich keinen maßgeblichen sportlichen Mehrwert für die Teilnehmerinnen. Mein Eindruck ist, dass keine der Fahrerinnen durch die Teilnahme ihren Abstand zu den professionellen Formelrennserien entscheidend verringern konnte.“

Siegerin Jamie Chadwick träumt aber von einer Formel-1-Karriere. Kann die Rennserie dafür nicht ein Sprungbrett sein?

Flörsch: Im Fußball ist auch manches Regionalligaspiel spannender als ein Champions-League-Finale. Trotzdem ist das sportliche Leistungsniveau der Spieler nicht vergleichbar. Die W-Series vermarktet sich sehr geschickt und gibt den Starterinnen eine gute Bühne zur medialen Darstellung. Dennoch bin ich der Meinung, dass eine Rennserie, in der der Veranstalter die Rennautos nach eigenem Ermessen zuteilt und Setup-Abstimmungen durch den Fahrer am Fahrzeug untersagt sind und Simulator-Trainings-Session im Serienzelt auf Videospiel-Niveau durchgeführt werden, weit vom professionellen Motorsport entfernt ist. Die beiden Siegerinnen waren zu Saisonbeginn vorhersagbar.“

Die Gewinnerin konnte sich immerhin über 440.000 Euro Preisgeld freuen. Ist das für sie ein überzeugendes Argument?

Flörsch: Das Preisgeld ist verlockend, klar. Es ist immer gut, wenn jemand Frauen in der Ausübung ihres Sports finanziell unterstützt werden. Selbstverständlich. Nur das Geld könnte durch gezielte Förderung in Ausbildung weiblicher Talente sportlich werthaltiger eingesetzt werden. Das wissen auch die Veranstalter. Sie wählten die Show. Und Show ist eben nicht alles.“

Welche Folgen sehen Sie dadurch?

Flörsch: Sie geben damit leider vielen Stimmen in der Männerwelt Motorsport, in welcher Frauen als nicht so leistungsfähig wie Männer bewerten werden, einfach die Argumente. Die Wahrheit kommt auf den Tisch, wenn sich die Teilnehmerinnen im Vergleich zu den Besten ihres Sports beweisen müssen. Das ist dann die Realität. Meine Sorge ist, dass so Hatern neue Argumente geliefert werden. Die Segregation bekommt Rückenwind.“

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