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Motorsport: Schumacher junior ist auf dem Weg nach oben

Mick Schumacher wird eine Testfahrt für Ferrari absolvieren.

Mick Schumacher wird eine Testfahrt für Ferrari absolvieren.

Foto: dpa

Essen.  Mick Schumacher wird kommende Woche eine Testfahrt für Ferrari machen. Der frühere Formel-1-Fahrer Gerhard Berger lobt den Weg des 20-Jährigen.

Es gibt Momente im Leben eines Rennfahrers, in denen er nicht zögern sollte. Auf der Rennstrecke, wenn die Ampel auf Grün schnellt. Oder vor einer Kurve nach einer langen Gerade, wenn er bei Tempo 200 am Heck seines Rivalen klebt. Aber auch daneben, wenn er sich in diesem rasanten Geschäft für oder gegen einen Rennstall entscheiden soll. Oder, wenn der eigene Vater ihn fragt, ob er das wirklich will.

Testfahrten in den Ferrari von Vettel und Leclerc

Mick Schumacher hat so einen Moment vor vielen Jahren erlebt. Als ihn sein Vater fragte, ob er den Motorsport nur als Hobby oder professionell machen wolle. Wie auf der Strecke hielt der heute 20-Jährige eisern seine Linie. „Ich habe ihm ohne zu zögern gesagt, dass ich es professionell machen möchte. Ich wollte nie etwas anderes tun.“

Sein Vater ließ ihn. Und Mick Schumacher zog seinen Weg durch. In der kommenden Woche kommt er seinem Ziel Formel 1 einen gewaltigen Schritt näher. Am Dienstag wird der Sohn des Rekordweltmeisters Testfahrten in den Ferrari von Sebastian Vettel und Charles Leclerc machen. „Ich bin natürlich total begeistert und möchte mich bei Ferrari bedanken“, sagte Schumacher Junior.

Am Rande des Kurses in Sakhir/Bahrain wird damit wieder der Name Schumacher auf der Anzeigetafel von Ferrari stehen. Die Nachricht elektrisiert die Rennsportszene und weckt die Hoffnung auf die Königsklassen-Rückkehr eines Schumachers. „Es handelt sich ja um einen Test und kein Rennen“, sagt Gerhard Berger dieser Redaktion.

Der ehemalige Weggefährte von Michael Schumacher hält bewusst den Ball flach. „Ein Nachwuchsfahrer muss immer zugreifen, wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, ein Formel-1-Auto zu testen“, erklärt der DTM-Chef. „Es wird eine wertvolle Erfahrung für ihn sein.“ Der 59 Jahre alte Österreicher fuhr für Ferrari in der Formel 1, gewann 1994 das Rennen in Deutschland – also in dem Jahr, als Michael Schumacher im Benetton den ersten seiner insgesamt sieben Weltmeistertitel holte.

Berger über Mick Schumacher: "Ich freue mich für ihn"

Berger sieht in Mick Schumacher viele Ähnlichkeiten zu dessen Vater. Die Haltung, der Gang, die Unterarme, bemerkte er jüngst. Berger ist von der Entwicklung des 20-Jährigen überzeugt: „Ich freue mich für ihn und finde es toll, dass er in der Ferrari Driver Academy gefördert wird. Ich bin überzeugt, dass er seinen Weg machen wird.“

Bisweilen ist es ein rasanter. Im vergangenen Jahr gewann Mick Schumacher die Formel 3 und wurde dadurch Europameister. Plötzlich stand er auf derselben Stufe wie Lewis Hamilton, der den Titel ebenfalls als junger Fahrer gewonnen hatte. Der Erfolg gab Mick Schumacher den Mut und das Selbstvertrauen, den nächsten Schritt mit dem Rennstall Prema zu gehen. Am Wochenende sitzt er erstmals in Bahrain in einem Formel-2-Cockpit. Die Boliden sind schwerer (720 statt 565 Kilogramm) und leistungsstärker (620 statt 240 PS) als die Formel-3-Wagen. „Aggressiver und schneller“, sagt Mick Schumacher. Am Dienstag kann er das noch besser beurteilen. Einen Tag später dreht Mick Schumacher Runden im Alfa Romeo, enger Partner des Motorenlieferanten Ferrari.

Wann immer der Name Schumacher in Verbindung mit Rennsport fällt, ist die Aufregung groß. Michael Schumacher wusste das, als er seinem Sohn die Entscheidung überließ. „Es gibt gute Seiten, und es gibt schlechte Seiten“, sagte Mick Schumacher einmal rückblickend. Der Name öffnet Türen und sorgt für mediale Aufmerksamkeit. Deshalb startete er bei seinen Anfängen auf der Kartbahn als Mick Betsch – unter dem Mädchennamen seiner Mutter. Noch hat er nicht den Beweis seiner Formel-1-Tauglichkeit erbringen können, doch schon jetzt wird er hochgelobt. Weltmeister Lewis Hamilton legte sich fest, dass es „zu 100 Prozent“ wieder ein Schumacher in der Formel 1 geben wird.

Ferrari hat elf titellose Jahre hinter sich

Daran hat vor allem Ferrari ein Interesse. Der Name könnte der Scuderia nach elf titellosen Jahren wieder zu Glanz verhelfen. Sebastian Vettel wartet seit seinem Wechsel 2015 von Red Bull nach Maranello auf den WM-Triumph, den letzten Titel holte Kimi Räikkönen 2007. Erfolgreicher als Michael Schumacher war niemand: Fünf der 15 Titel holte der gebürtige Hürther, der seit dem Skiunfall 2013 nicht mehr öffentlich in Erscheinung tritt.

Den Vergleich mit seinem Vater scheut der Jungstar genauso wenig wie 600 PS auf einer langen Geraden. „Mit meinem Vater verglichen zu werden, war nie ein Problem für mich. Mit dem besten Fahrer der Formel-1-Geschichte verglichen zu werden, ist das Ziel, das man erreichen will.“ Mick Schumacher hat sich richtig entschieden. Sein Vater dürfte es genauso sehen.

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