Motorsport

Harald Grohs - der bunte Hund ist immer noch topfit

In seiner Wohnung in Essen hat Harald Grohs nicht nur Pokale und Medaillen aufbewahrt.

In seiner Wohnung in Essen hat Harald Grohs nicht nur Pokale und Medaillen aufbewahrt.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Harald Grohs ist inzwischen 75 Jahre alt - doch mit dem Rennfahren will er nicht aufhören. Am Wochenende ist er im belgischen Zolder zu Gast.

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Mit 75 Jahren lässt es Harald Grohs ruhiger angehen. Mit seinem Hund Emma, „spanischer Strandmix“, geht er gerne spazieren, verbringt seine Zeit mit Ehefrau Angelika im sonnigen Mallorca, auf den Straßen falle er nicht weiter auf. „Ganz ruhig, ganz defensiv“, fahre er. „Ich nehme mir lieber eine halbe Stunde mehr Zeit.“ Ist ja auch vernünftig.

Obwohl …. Vernunft hat im Leben des Harald Grohs keine allzu große Rolle gespielt hat. Der Essener widmete sein Leben dem Rennsport, fuhr Rennen rund um den Globus, Langstrecke, Kurzstrecke, alles was ging. Meistens BMW und Porsche, sammelte mehr als 600 Pokale. Baute Unfälle, rannte aus brennenden Wagen, setzte sich wieder ins Auto, gab Gas. Bis heute. Einmal Rennfahrer, immer Rennfahrer. Grohs kann sich dem Donnerhall der Zylinder nicht entziehen.

Am Wochenende hallen sie wieder und rufen seinen Namen. Harald Grohs wird ihnen folgen, wird in einem Klassiker BMW M1 gut einen Meter hinter ihnen sitzen und Spaß dabei haben. So als ob es 1984 in Zolder wäre, beim ersten Rennen der DTM-Geschichte.

Grohs dreht in Zolder seine Runden, bevor die DTM-Boliden starten

Der Essener kam gerade aus den USA, als er gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, für BMW-Vogelsang aus Recklinghausen in dieser neuen deutschen Serie starten zu wollen, „Deutsche –Produktionswagen-Masters“. Grohs wollte, denn es klang ja verlockend -- „nicht so wenig Hubraum, das waren richtige Kracher!“ Grohs belegte auf Anhieb im BMW 635 CSI die Pole-Position und fuhr danach zum Sieg. Der erste überhaupt in der neuen Rennserie, die im Jahre 2019 als Deutschen Tourenwagen-Masters firmiert und am Wochenende in eben jenem Zolder Halt macht.

Und dann fingen die Probleme an. „Ich war ein Typ, der immer eine ziemlich große Klappe hatte“, sagt Grohs. Große Klappe, und viel dahinter. Aber bei den Rennkommissionären nicht gerade beliebt. „Alles was ich jetzt sage, ist die reine Wahrheit.“

Beim ersten Rennen hatten sich die Kommissionäre an dem Sound gestört, „zwei Dezibel zu laut“. Aber weil die anderen ebenso laut waren, wurde nichts aus der Strafe. Nach dem zweiten Rennen störten sie sich an ein anderes Detail. „Der Ventil-Hub war 0,02 Milimeter zu groß. Das waren doch reine Werksmotoren“, sagt Grohs heute noch empört. „Null komma null zwei Milimeter!“ Die Punkte für den Sieg wurden Grohs aberkannt, der Motor verblombt. Grohs fuhr noch zu weiteren Siegen, konnte Stryczek aber nicht mehr einholen. „Ich wäre deutscher Meister geworden.“

In seinem Keller lagern sie alle: Die Trophäen von Langstreckenrennen, von Rennen in Japan, in den USA. Sogar der Pokal aus Zolder. „Den haben sie mir gelassen. “ Nur der Titel des DTM-Meister. Er fehlt. Sogar den Pokal aus Zolder hat Grohs noch.

Zolder, dieses Zolder. Harald Grohs wird seine Runden drehen im M1, bevor die DTM-Boliden mit 610 PS, mit Leichtbauweise und Digitaltechnik über die belgische Rennstrecke hetzen. Zeiten haben sich geändert. „Wir hatten früher ein angenehmes Leben. Die Datenauswertung hatten wir noch nicht. Heute bekommen die Jungs alles in die Hand gelegt. Wir mussten einen sehr sensiblen Hintern haben.“ Nicht selten trügte das Gefühl, Grohs verlor viele Weggefährten und hatte selbst mehr Glück als gerecht war, wie damals, als ihn Jochen Maaß in Le Mans aus seinem brennenden Auto zerrte. „Das war schon heftig.“

Grohs eröffnete einen Nachtklub in Essen

Die Technik veränderte sich, und manch anderes auch. Grohs machte nebenbei einen Nachtklub in Essen auf, den „Parc Ferme“. Ein zweites Standbein, ein aus Sicht der Erotik-Branche gutes. Grohs erzählte zur damaligen Zeit, dass ein Männermagazin seinen „Saunaclub im neuzeitlichen Stil“ unter die besten Vier in Deutschland wählte. Eine Story des eingestellten Rennmagazins rally racing ist mit der Überschrift „Bunter Hund“ tituliert. Lustig, aber auch ernst. „Ich bin damals bis zu 32 Rennen in aller Welt gefahren. Ich habe die ganze Winterpause hart trainiert und war zum Saisonstart immer topfit.“

Ist der bunte Hund immer noch. Darauf achtet seine Frau Angelika, mit der er seit 1990 zusammen ist. „Sie passt auf, dass ich in guter Verfassung bleibe und schickt mich zum Arzt.“

Grohs will in diesem Leben nicht mehr aufhören mit dem Rennfahren. „Es macht mir nach wie vor eine diebische Freude, mich mit der jungen Generation anzulegen.“ Er habe ja noch die „Trickkiste“. „Im Nahkampf fahre ich immer noch wie ein 45-Jähriger.“

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