Formel 1

Das Gesicht der Formel 1: Niki Lauda wird 70

Niki Lauda wird 70

Niki Lauda wird 70

Foto: imago

Essen.  Niki Lauda wird Freitag 70 Jahre alt. Dreimal war er Formel-1-Weltmeister. Dass er der Flammenhölle auf dem Nürburgring entkam, war ein Wunder.

Niki Lauda kann ein messerscharfer Analytiker sein, beherrscht quasi durch Geburt aber auch den Wiener Schmäh. Am 1. August 1976 entkam er beim Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring dem Flammentod – und saß 42 Tage später beim Großen Preis von Italien wieder am Steuer seines Ferrari. Vorher erzählte der Wiener dem britischen Journalisten Jeff Hutchinson diese Geschichte: „Eine Schildkröte fordert einen Hasen zu einem Wettrennen heraus. Völlig unerwartet gewinnt sie. Fragt der Hase atemlos: ,Wie hast du das gemacht?‘ Antwortet die Schildkröte: ,Schau mich an. Ich habe keine Ohren, keine Haare und eine runzelige Haut. Ich bin Niki Lauda.’“

Nach der OP geht es für Niki Lauda aufwärts

Der Mann mit der Fähigkeit zur bitteren Selbstironie feiert heute seinen 70. Geburtstag. Niki Lauda könnte allerdings auch viele andere Tage feiern: Seine Rettung aus der Flammenhölle im August 1976, seine Nierentransplantationen im April 1997 und im Juni 2005 oder seine Lungentransplantation im Juli 2018. Von der letzten OP hat sich der Formel-1-Weltmeister von 1975, 1977 und 1984 noch nicht vollständig erholt. Zumal ihn eine Grippe im Januar zusätzlich schwächte.

„In solchen Situationen kann man nur eins tun: kämpfen“, sagte er zuletzt der Gazzetta dello Sport: „Ich habe es jeden Augenblick getan. Und ich bin immer noch hier.“ Niki Lauda wird sich auch heute wohl seinen Reha-Übungen widmen. Eine große Geburtstagsfeier wäre eh nicht sein Ding gewesen. Sein Sohn Mathias erklärte am Mittwoch: „Es geht bergauf. Er ist hart am Arbeiten.“

Niki Lauda ist das Gesicht der Formel 1. Er ist einer der besten Rennfahrer der Geschichte, er holte als Ferrari-Berater zur Saison 1996 Michael Schumacher zur Scuderia, er ist seit September 2012 Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Teams und analysierte 22 Jahre lang für RTL als Experte die Formel 1. Die Verfilmung seines Duells 1976 auf den Rennpisten mit James Hunt unter dem Titel „Rush“ mit Daniel Brühl als Niki Lauda haben seit 2013 Millionen im Kino und Fernsehen geschaut.

Niki Laudas Gesicht ist aber auch ein Mahnmal. Lauda saß am damals 50 Sekunden im Feuer, mitten in 200 Litern Benzin, bei Temperaturen von 800 Grad Celsius. Ein Priester gab ihm die letzte Ölung. Es war ein Wunder, dass er überlebte und kurz danach wieder fuhr. Es war eine andere Zeit in der Formel 1. Die Strecken waren so unsicher, dass Jahr für Jahr Rennfahrer tödlich verunglückten. Von Jochen Rindt 1970 bis Ronnie Peterson 1978 waren es in den Siebziger Jahren 14 Tote.

Grausamer Flugzeugabsturz

Niki Lauda hat überlebt, leidet aber bis heute unter den Folgen. Seine Lunge wurde verätzt, seine Nieren wurden geschädigt. Die Narben im Gesicht sind geblieben. Denn auf die Künste der plastischen Chirurgie hat er immer verzichtet. „So sieht man eben aus, wenn man 50 Sekunden im Feuer sitzt“, hat er diesen Schritt begründet. Seit dem Horror-Unfall trägt Niki Lauda eine rote Kappe. So kennt man ihn: In Österreich wissen neun von zehn, wer er ist, womit er neben Arnold Schwarzenegger der bekannteste Österreicher ist. Mit der Kappe hat Niki Lauda gutes Geld verdient. Den Schriftzug auf der Mütze lässt er sich teuer bezahlen.

Schließlich liegt ihm auch das Geschäftliche. Schon sechs Jahre vor Beendigung seiner Formel-1-Karriere im Jahr 1985 gründete der Spross einer Industriellenfamilie seine Fluglinie Lauda Air. Im März 2018 machte Lauda Schlagzeilen, als er Anteile an seiner Linie „Niki“ an Ryanair verkaufte. Aber auch als Luftfahrt-Unternehmer musste er einen grausamen Unfall verkraften, auch wenn er nicht selbst an Bord saß. Am 26. Mai 1991 ereignete sich die Katastrophe. In Thailand stürzte eine von Laudas Maschinen wegen eines technischen Defekts ab. Alle 223 Insassen der „Mozart“ starben. Für Lauda war es das schlimmste Ereignis in seinem nun 70-jährigen Leben. „Ich war tief erschüttert“, erzählte er. „Mein Unfall war nichts gegen das, was ich dort gesehen habe.“

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