Triathlon

Weseler Triathlet Jens Gosebrink hat Hawaii im Visier

Über Frankfurt nach Hawaii: Das ist das Ziel von Jens Gosebrink.

Über Frankfurt nach Hawaii: Das ist das Ziel von Jens Gosebrink.

Foto: Erwin Pottgiesser / FUNKE Foto Services

Wesel.  Der in Wesel lebende Triathlet Jens Gosebrink will sich am Sonntag in Frankfurt bei der EM für den Ironman auf Hawaii am 12. Oktober qualifizieren.

Der wichtigste Blick für Jens Gosebrink in den kommenden Tagen wird jener auf die Wetter-App seines Mobilfunk-Gerätes sein. Wie wird die angekündigte Hitzeperiode mit Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius verlaufen? An den Daten hängt viel. Vor allem Gosebrinks sportliches Ultimativ-Ziel. Am kommenden Sonntag will sich der Weseler Triathlet bei der Europameisterschaft in Frankfurt für den Ironman am 12. Oktober auf Hawaii qualifizieren, für den legendären Königstriathlon mitten im Pazifik. „Ich bin sehr gut drauf, das Training lief anständig, es gab keine Verletzungen oder Krankheiten“, sagt Gosebrink. Schiebt aber nach: „Nur die Hitze macht mir etwas Sorgen.“

Hitze mag der 34-jährige gebürtige Duisburger, der seit fünf Jahren in Wesel-Schepersfeld wohnt, nicht so sehr. Vor vier Jahren war er zum letzten Mal in Frankfurt auf der Strecke. Mit bitterem Ende. „Es war der heißeste Tag des Jahres. Ich musste bei Laufkilometer 19 aufgeben. Das soll diesmal nicht passieren.“

Die sportliche Zielvorgabe ist von seiner Zeit über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen unabhängig. Es geht nur darum, in der Altersklasse M30 in Frankfurt unter den besten acht Männern ins Ziel zu kommen. Das Hawaii-Ticket wäre gelöst.

Schon zweimal auf Big Island

Vor einem Jahr hatte es Gosebrink schon einmal versucht. Nach neuneinhalb Stunden Kampf fehlten genau 86 Sekunden für den Hawaii-Start. „Ich habe mich allerdings seit 2018 deutlich verbessert, gerade im Laufen und auf dem Rad“, bekräftigt Gosebrink. Gemeinsam mit dem Weseler Hawaii-Starter Sascha Hubbert (Triathlon Rheinberg) und einigen Aktiven der LG Alpen hat Gosebrink enorm viel Zeit und Schweiß investiert. Zwei Schwimm-Einheiten pro Woche, dreimal Laufen, dreimal Radfahren – macht zusammen meist zwölf bis 15 Wochenstunden Training im Rheinbad, im HeubergBad, am Auesee, auf den Rad- und Feldwegen bis Rees, bis Haldern oder bis in die Niederlande hinein.

Dazu kamen Trainingslager auf Lanzarote und in Spanien im Februar und im April. Das alles zahlte sich zuletzt in guten Ergebnissen aus: Platz eins in Steinfurt, Rang zwei beim Aasee-Triathlon in Bocholt. Der Zweitliga-Triathlet des SC Bayer Uerdingen nahm insgesamt 250 Euro an Preisgeld mit nach Hause. „Mein Hobby hat aber keinen monetären Hintergrund, auch wenn ein Sponsor schön wäre – gerade was die mögliche Hawaii-Tour anbetrifft“, betont Gosebrink.

Ein Start dort mit einer Woche Vorlaufzeit, um sich an die hohe Luftfeuchte im Oktober und an die Zeitumstellung von zwölf Stunden im Vergleich zu Deutschland zu gewöhnen, kostet mindestens 3000 Euro pro Person. Die Bedingungen vor Ort kennt Gosebrink bereits. Zweimal ist er während des Ironman schon auf Big Island gewesen. Zuletzt im vergangenen Jahr, als er Timo Schaffeld unterstützte. Der 23-jährige Oberhausener wurde bei seinem Hawaii-Debüt gleich Weltmeister in seiner Altersklasse (18 bis 24 Jahre).

Eiswürfel unter der Kappe

Am Sonntag in Frankfurt wird Gosebrink sein zehntes Langdistanzrennen bestreiten. Im Wasser könnte die Hitze für ihn als starken Schwimmer ein Vorteil werden. Es würde ohne Neoprenanzug gekrault, sollte die Wassertemperatur im Langener Waldsee über 24,5 Grad liegen. Der Körperschutz gegen kaltes Wasser sorgt in der Regel per Luftmatratzen-Effekt für günstigen Auftrieb und weniger Reibung. Das bevorteilt schlechtere Schwimmer. Gerade auch, was den Krafteinsatz anbetrifft. „Auf hundert Meter ist man mit Neopren durchaus sechs oder sieben Sekunden schneller als ohne“, sagt Gosebrink.

Auf dem Rad und zu Fuß soll die Technik helfen, der Hitze zu trotzen. Nicht nur mit einer profanen Laufkappe, unter der man prima die Eiswürfelchen der Versorgungspunkte platzieren kann. Ein Wattmessgerät am Rad dient über 180 Kilometer als Orientierung, um nicht zu schnell in die Pedale zu treten. Gleiches gilt für die Pulsuhr beim abschließenden Marathon. 4:25 Minuten pro Kilometer sind angepeilt. „Viel schneller wird nicht möglich sein, sonst bricht man am Ende schwer ein“, glaubt Gosebrink, der mit einer Gesamtendzeit um die neuneinhalb Stunden rechnet.

Stimmt dann noch die Platzierung, dürfte sich der Weseler mehr als zehn Jahre nach seinem Triathlon-Debüt in Voerde auf den Wettkampf im Pazifik freuen. Auf die Chance mit Schwimmen neben Delfinen, aufs Radfahren in einer Mondlandschaft aus erkalteter Lava, auf einen Zieleinlauf unter Palmen mit weltweiter Fernsehpräsenz.

Papas Rennrad ausgeliehen

Nicht nur Papa Suitbert Gosebrink, der selbst gern Marathon gelaufen ist, wäre stolz. „Er hat mir am Anfang immer sein Rennrad für die Wettkämpfe geliehen“, hebt Gosebrink hervor, „da war Triathlon-Schwimmen mit Delfinen auf Hawaii noch ganz weit weg.“

Zum Triathlon-Profi hat es nie gereicht. Gosebrink, der in einem Duisburger Unternehmen für Verkehrssicherung als Assistent der Geschäftsführung arbeitet, bedauert das aber nicht. „Ich war schlicht nicht gut genug“, gibt er zu „aber auch über eine Altersklasse kann man mit Geduld sein ultimatives Sportziel erreichen.“

Über Main-hattan nach Kailua-Kona – das ist Gosebrinks klarer Plan. Hitze hin, Hitze her.

Übrigens:

Am Sonntag in Frankfurt ist auch Jens Gosebrinks Frau Clara am Start. Die 33-jährige Augenarzthelferin ist ebenfalls seit langem schon als Triathletin unterwegs, teilt damit die Leidenschaft ihres Mannes. „Wir sind beide ein bisschen bekloppt“, sagt Jens Gosebrink augenzwinkernd, „das verbindet natürlich sehr.“

Aus der TTR-Gruppe der Rheinberger Triathleten um den Weseler Sascha Hubbert, der sein Hawaii-Ticket in der Altersklasse 18 bis 24 schon auf Lanzarote gelöst hatte, rechnen sich in Frankfurt zudem Fernando Concha (Altersklasse M35) und Kai Bitschinski (M25) Chancen auf eine Qualifikation aus.

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