Ultralangstreckenlauf

Schermbecker Läufer leidet erfolgreich in Südafrika

Irgendwo zwischen Durban und Pietermaritzburg führt Hans-Jürgen Rohkämper (vorne rechts) eine Gruppe an.

Irgendwo zwischen Durban und Pietermaritzburg führt Hans-Jürgen Rohkämper (vorne rechts) eine Gruppe an.

Foto: foto: privat

Schermbeck.  Hans-Jürgen Rohkämper hat den „Comrades Run“ in Südafrika zum zweiten Mal gefinisht. Für die 87-Kilometer-Strecke benötigt er 8:15 Stunden.

Herausforderung angenommen – Herausforderung bestanden: Ultraläufer Hans-Jürgen Rohkämper hat den Ultramarathon von Südafrika über 87 Kilometer nicht nur im vorgegebenen Zeitlimit von zwölf Stunden beendet, sondern blieb mit einer sagenhaften Zeit von 8:15 Stunden zudem noch eine dreiviertel Stunde unter dem selbstgesteckten Ziel von neun Stunden. Gemeinsam mit seinem Lembecker Laufpartner und alten Jugendfreund Martin „Lopy” Lohbreyer startete der 51-Jährige bereits zum zweiten Mal nach seiner persönlichen Premiere 2015 beim sogenannten „Comrades-Run”, der mit mehr als 25.000 Teilnehmern größten Ultra-Laufveranstaltung der Welt. „Der Stadioneinlauf am Ende der Tortur ist einfach nur Wahnsinn”, so der Langstreckenläufer. „Da sitzen dann 50.000 Zuschauer und feuern dich auf den letzten Metern an. Die flippen bei jedem Einlaufenden total aus. Die letzten 300 Meter sind das absolut Geilste.” Da spricht neben der Euphorie viel Stolz aus der Stimme des Schermbecker Dauerläufers, der allerdings seinen Mitstreiter schon früh enteilen lassen musste („Der ist einfach schneller als ich”, so Rohkämper).

Der Kumpel ist noch schneller

Martin Lohbreyer hatte die mit 1.800 positiven und 1.100 negativen Höhenmetern gespickte Strecke von Durban nach Pietermaritzburg in 7:25 Stunden rund 50 Minuten vor seinem Kumpel bewältigt und war 27 Minuten schneller als bei seinem Debüt vor vier Jahren. Offensichtlich hatte den Lembecker dieser Lauf derart gepusht, dass er nur eine Woche später beim heimischen Schützenfest den Vogel abschoss und König wurde. Der „Comrade Run”, der seit 1921 ausgetragen wird, gilt als einer der härtesten Langstreckenläufe der Welt. Kein Wunder, dass die beiden nach dem Zieleinlauf jubelten, wenn auch unfassbar zerstört von der Anstrengung. „Was machst du denn schon hier?”, soll Lohbreyer nach einer knappen Stunde Wartezeit zu seinem Leidensgenossen bei dessen Zieleinlauf gesagt haben. Unmittelbar nach dem Einlauf, sagt Rohkämper, „haben wir uns vier Stühle gegriffen, und unser einziges Thema war: Wer geht Essen holen, wer die Getränke.”

Gut möglich auch, dass das der Moment war, als beide Starter – und Finisher – nicht nur den langen Tag auf der Strecke, sondern auch die vergangenen Monate und die vielen Trainingskilometer in der Schermbecker Umgebung haben Revue passieren lassen. Nicht selten lief das Duo 100 Kilometer und mehr im Wochenschnitt, die Steigungen wurden dann an den Halden im Ruhrgebiet simuliert. Offenbar so gut, dass es am Ende nicht nur reichte, sondern sowohl Rohkämper als auch Lohbreyer die Zeit des ersten Siegers von vor knapp 100 Jahren (8:59) locker unterboten. Erst spät am Abend, nach der Rückfahrt per Bus ins Hotel, bei der noch einmal einzelne Streckenabschnitte begutachtet werden konnten, gab es dann auch das erste verdiente Bier.

Krise bei Kilometer 30

Da wird Hans-Jürgen Rohkämper wohl auch rückblickend über seinen Moment der Krise gesprochen haben, der ihn bei Kilometer 30 ereilte. Bei 15 Grad in den frühen Morgenstunden um halb sechs gestartet, war die Temperatur bis dahin schon auf nahe 30 Grad angestiegen. Es gab Probleme mit der Ernährung. „Ich habe pro Stunde ein bis zwei Energie-Gels sowie Elektrolyte zu mir genommen”, sagt er. „Die Devise ist, so viel zu sich zu nehmen, dass der Verlust an Flüssigkeit, Kohlenhydraten und Mineralien möglichst gering ist, ohne dass der Magen überfordert wird.” Doch genau das war eingetreten, sodass Rohkämper über mehr als eine Stunde nur lauwarmes Wasser zu sich nehmen konnte. In der zweiten Rennhälfte stellte er komplett auf Cola um als Energie- und Flüssigkeitsspender. „Das habe ich bei Jan Frodeno beim Ironman auf Hawaii gesehen und mir prompt abgeschaut.” Mit Erfolg: Die Renneinteilung gelang über die gesamte Distanz offensichtlich nahezu perfekt.

Extreme Steigungen zum Schluss

Es gibt zum Ende hin noch zwei extreme Steigungen, die erste davon langgezogen, die zweite aggressiv von Kilometer 77 bis 79. „Die Kante heißt Polly Shortt, ist dann tatsächlich das letzte große Hindernis, an dem viele an ihrem Zeitziel zerbrechen”, sagt Rohkämper. Am Berg laufen die Teilnehmer durch enge Zuschauergassen wie die Radstars bei der Tour de France. Danach ist das Allerschlimmste vorüber. „Nach dieser letzten Steigung kannst du die vielen begeisterten Menschen im Stadion schon hören, wenn der Wind günstig steht.”

Sein erster Impuls nach dem Rennen war: „So etwas wirst du wohl nie wieder im Leben schaffen.” Beim Bierchen in Durban klang das schon wieder anders. „Gut möglich”, sagte Hans-Jürgen Rohkämper, „dass wir in zwei Jahren zurückkommen und wieder dabei sein werden.” Herausforderung erneut angenommen…

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