Handball

Gegen den Trend

Fynn Blißenbach ist eins der VfL-EIgengewächse, die regelmäßig auch in der Oberliga-Mannschaft Verantwortung übernehmen.

Foto: Lutz von Staegmann

Fynn Blißenbach ist eins der VfL-EIgengewächse, die regelmäßig auch in der Oberliga-Mannschaft Verantwortung übernehmen.

Gladbeck.   Der VfL Gladbeck freut sich über neue Rekordzahlen. Doch im Kreis Industrie ist der Rückgang bei den Senioren dramatisch

Diese Zahlen geben zu denken: Laut einer aktuellen Erfassung durch den Handballverband Westfalen (HVW) hat der Kreis Industrie einen ziemlichen Aderlass zu verzeichnen: Binnen zwölf Monaten verschwanden 14 Seniorenmannschaften aus dem Spielbetrieb (siehe Grafik) – kein anderer Kreis in Westfalen ist von einem solchen Schwund bei den Senioren betroffen.

Die Abstiegsregelung in der vergangenen Saison geriet in den Kreisklassen somit zu einer Farce, das sportliche Niveau in den Ligen sinkt damit zwangsläufig. Der neue Kreisvorsitzende Holger Kück weist zwar darauf hin, dass diese Statistik nicht die ganze Wahrheit ausdrücke. So seien die aktuell neun Ü-35-Mannschaften, die sich in der Hobbyliga zusammengefunden haben, gar nicht eingerechnet. Rechnet man die dazu, ist der Aderlass im Kreis in etwa so groß wie im Verbandsgebiet generell.

Hobbyliga ist nicht eingerechnet

Ganz gegen den Verbandstrend stellt sich die Lage in der Handballabteilung des VfL Gladbeck dar. Der Traditionsverein freut sich über eine neue Rekordzahl bei den Mitgliedern. „429“, hat Abteilungsleiter Tim Deffte die neue Höchstzahl sofort parat und ergänzt: „Im Jahr 2007 hatten wir mal 400 Mitglieder. In den folgenden Jahren gab es kleine Schwankungen, doch jetzt ist der Trend eindeutig wieder positiv“.

Vier Seniorenmannschaften, eine Ü35-Auswahl, ein Damenteam, 13 Jugendteams sowie eine ganz junge Mannschaft von Vier- bis Sechsjährigen spielen beim VfL Handball. „So langsam kommen wir an unsere Kapazitätsgrenzen“, erzählt Deffte, manchmal müssen sich in der Halle des Riesener Gymnasiums 40 F-Jugendliche ein Hallendrittel teilen. „Wir sind im ständigen Dialog mit der Stadt, um die eine oder andere Verbesserung zu erreichen. Aber es ist klar, dass wir auch Rücksicht auf den Schulsport nehmen müssen“, erläutert Deffte.

Gute Nachwuchsarbeit ist ein Markenzeichen

Die gute Nachwuchsarbeit ist ein Markenzeichen des VfL Gladbeck. Nicht weniger als acht Spiel er, die beim VfL Gladbeck mit dem Handball begannen, haben den Sprung in die Oberligamannschaft im Seniorenbereich geschafft. „Das ist für uns sehr wichtig. Wir wollen eigene gute Spieler ausbilden und fördern und uns nicht eine Mannschaft zusammenkaufen“, betont Deffte. Damit schafft der VfL auch eine hohe Identifikation zwischen den Zuschauern und den jeweiligen Mannschaften.

Auch der Deutsche Handball Bund, der siebtgrößte nationale Sportverband, freut sich über stabile Mitgliederzahlen. Er weist einen Rückgang von nur 0,01 Prozent gegenüber 2017 aus. Allerdings sagt die Zahl der Mitglieder wenig über die Zahl der aktiv am Spielbetrieb beteiligten Handballer aus. Zur Rettung des Handballkreises Industrie sei gesagt, dass der Rückgang bei den Jugendmannschaften im moderaten Bereich und im Landesdurchschnitt liegt. Dass die flächendeckenden Rückgänge grundsätzlich nicht befriedigend sind, ist jedoch nicht zu bestreiten.

Es mangelt auch an Schiedsrichtern

Längst gibt es ein Arbeitspapier zur Strukturreform in NRW, verfasst vom früheren Kreisvorsitzenden Olaf Strunk, in dem Ideen aufgelistet sind, wie man wieder mehr Jugendliche in die Vereine bekommen kann.

Was das Papier noch aufzeigt: Im Handballkreis Industrie mangelt es wie in anderen Kreisen an Schiedsrichtern, hier ist der Trend vor Ort aber grundsätzlich erfreulich. Wie auch beim VfL Gladbeck, dessen Mitgliederrekordzahlen für die gute Arbeit in der gesamten Handball-Abteilung sprechen.

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