Tennis

Isabel Heupgen: Die Ashleigh Barty des Netzballvereins

Möchte in diesem Jahr unter zu besten 100 Tennisspielerinnen in Deutschland gehören: Isabel Heupgen, Nachwuchsspielerin des NBV.

Möchte in diesem Jahr unter zu besten 100 Tennisspielerinnen in Deutschland gehören: Isabel Heupgen, Nachwuchsspielerin des NBV.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Velbert.  Statt mit Grundlinienduellen bringt die Tennisspielerin des NBV ihre Kontrahentinnen mit Stöppchen, Löbchen und Rückhand-Slice ins Schwitzen.

Wenn sie auf dem Tennisplatz steht, dann sind ihre Kontrahentinnen oft erst einmal verwirrt. Eingestellt auf Grundlinienduelle bekommen sie es plötzlich mit Stöppchen, Löbchen und Rückhand-Slice zu tun. Isabel Heupgen hat mit ihrem außergewöhnlichen Stil schon so manche aus dem Konzept gebracht.

Die 18-jährige Tennisspielerin des Netzballvereins in Velbert hat sich so inzwischen sogar in die Top 200 der Deutschen Rangliste gespielt, geht in der ersten Damenmannschaft des NBV in der Niederrheinliga an den Start und wurde 2019 Verbandsmeisterin in der Altersklasse U18, sowohl im Einzel als auch im Doppel.

„Ihr Tennis ist schon etwas anders. Mit viel Spin und druckvoll, aber mit sehr viel Abwechslung, keine endlosen Rückhand-Cross-Duelle“, bestätigt auch ihr Trainer Mark Joachim, der Heupgen viermal in der Woche trainiert.

Kein gewöhnliches Damentennis

„Einige sagen, dass ich eher wie ein Junge spiele“, sagt die 18-Jährige mit einem Schmunzeln. Man könnte auch sagen, dass sie wie die derzeitige Nummer eins der Tenniswelt, die Australierin Ashleigh Barty, kein gewöhnliches Damentennis an den Tag legt. Für Heupgen ist Tennis tatsächlich ein Spiel und der Platz groß genug, um ihn auch in voller Länge und Breite zu nutzen.

Ihre Vorbilder kommen allerdings weder aus Australien, noch spielen sie die gleiche Art von Tennis. Es sind Andrea Petkovic („Weil sie nie aufgibt und nach vielen Rückschlägen immer wieder zurückgekommen ist.“) und die österreichische Nummer drei der ATP-Tour Dominic Thiem („Weil er sich nach oben gekämpft hat.“)

Dass Tennis spielen auch mit harter Arbeit zu tun hat, dessen ist sich Heupgen wohl bewusst: „Isabel ist sehr fleißig, diszipliniert und willensstark“, attestiert ihr Coach, der auch weiß, dass sich sein Schützling vieles alleine erarbeitet hat. „Man hat ihr nicht den Weg bereitet, sie hat selbst dafür gesorgt. Zum Beispiel ist sie jedes Mal mit dem Bus zweieinhalb Stunden zum Training gefahren. Das hätten nicht viele so durchgehalten und den Willen gezeigt“, glaubt er. Verlegen lächelt Heupgen und sagt: „Jetzt habe ich ja zum Glück ein Auto.“

Klar, es gibt auch noch einiges, das die 18-Jährige verbessern kann. „Zum Beispiel die Konstanz“, sagt Mark Joachim. „Dass von zehn Stopps auch neun ins Feld gehen.“ Heupgen lacht und weiß wohl ziemlich genau, was ihr Trainer meint.

Dass sie nicht nur auf dem Tennisplatz einiges drauf hat, das beweist auch ihr Abi-Zeugnis, das sie seit letzten Sommer in der Tasche hat. Ihre Lieblingsfächer? „Mathe und Bio.“ Abschlussnote? Heupgen zögert. „1,0.“ Und eigentlich ist es eine 0,9, wie Katja Ihlo, Sprecherin des NBV, anmerkt. Was sie damit jetzt anfangen will? „Ich wollte eigentlich im April mit meinem Medizinstudium in Köln beginnen“, erzählt das Tennis-Ass, das bereits ein dreimonatiges Praktikum im Krankenhaus absolviert hat. „Orthopädie, Sportmedizin, das ist die Richtung, in die ich später gerne gehen würde.“ Wegen der Corona-Krise verschiebt sich der Start allerdings erst einmal.

Auch der Tennisbetrieb ruht momentan. Die Plätze sind geschlossen, Mannschaftsspiele und Turniere finden erst einmal nicht statt. Was also machen in dieser Zeit? „An der Fitness arbeiten“, sagt Heupgen. Joggen, Sprinten und Kraftübungen könne man ja noch machen.

Gutes Mannschaftsgefüge

Lieber hätte sie sich mit ihren Vereinskolleginnen aber auf die neue Saison vorbereitet. „Wir haben hier so ein super Mannschaftsgefüge. Wir verstehen uns alle richtig gut, sitzen nach den Spielen im Sommer noch zusammen. Auch mit der Herrenmannschaft. In anderen Klubs ist es oft so, dass die Spieler sofort nach dem Ende der Begegnung die Klamotten packen und abzischen. Hier im Netzballverein ist das anders. Wir haben hier eine richtig gute Stimmung“, betont die 18-Jährige, die auch von dem stets durchmischten Mannschaftstraining profitiert.

„Jungs und Mädels trainieren zusammen. Ständig hat man also neue Trainingspartner, mal stärker, mal schwächer, mal gleichstark. So ist es ja auch bei Turnieren“, erzählt sie.

Wann sie beim nächsten aufschlagen kann, ist ebenso ungewiss, wie der Start der Mannschaftsspiele. Ganz sicher ist allerdings eins: „Ich werde dieses Jahr auch während meines Studiums konsequent trainieren“, sagt Heupgen.

Schließlich will sie den nächsten Sprung in der Rangliste schaffen. „Unter die Top 100 in Deutschland.“

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