Fussball

Herkules-Aufgabe für die SSVg Heiligenhaus

Abschied aus der Landesliga und von der SSVg Heiligenhaus: Das komplette Team sagte nach dem Abstieg in die Bezirksliga Adieu, fast alle Spieler wechselten zu neuen Clubs. Die Verantwortlichen an der Talburgstraße mussten „bei Null“ neu anfangen.

Abschied aus der Landesliga und von der SSVg Heiligenhaus: Das komplette Team sagte nach dem Abstieg in die Bezirksliga Adieu, fast alle Spieler wechselten zu neuen Clubs. Die Verantwortlichen an der Talburgstraße mussten „bei Null“ neu anfangen.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Landesliga-Absteiger SSVg Heiligenhaus stampft ein komplett neues Team aus dem Boden. Der früherer Trabzonspor-Vorsitzende Özay Tarim hilft.

Mit dem interessanten Nachbarschaftsderby beim 1. FC Wülfrath startet die SSVg Heiligenhaus am 11. August in die neue Saison der Fußball-Bezirksliga. Das ist eigentlich keine ungewöhnliche Nachricht, die wir vor ein paar Tagen gebracht haben. Doch in diesem Fall sieht es etwas anders aus.

Es war nämlich gar nicht so sicher, dass die SSVg 09/12 in der Bezirksliga und nicht womöglich in der Kreisliga B aufläuft – und es steht bislang noch nicht fest, in welcher Formation. Denn die Heiligenhauser stampfen gerade eine völlig neue Mannschaft aus dem Boden. Ein neues Trainerteam und ein alter Bekannter wollen es möglich machen.

Weniger Geld, mehr Breitensport

Die traditionsreiche Fußball-Mannschaft der SSVg 09/12 hatte sich nach dem Abstieg im Sommer nicht nur aus der Landesliga, sondern auch von der Talburgstraße verabschiedet. Denn der Verein hat einen neuen Weg eingeschlagen, der sich vom „teuren Fußball“ entfernt und mehr auf den Breitensport setzt.

Diesen Weg gingen etliche nicht mit, besonders deswegen, weil auch in den Amateurklassen erfolgreicher Fußball mit einem gewissen Budget verbunden ist. Nach dem letzten Spieltag stand die erste Mannschaft der SSVg Heiligenhaus ohne Spieler und Trainer da, die zweite Mannschaft spielte in der Kreisliga B.

Es stand durchaus im Raum, dass die Heiligenhauser, die vor ein paar Monaten noch in der Landesliga gespielt haben, drei Klassen tiefer in der B-Liga weiter machen. Doch der neue Vorstand um den Vorsitzenden Wolfgang Müller gab nicht auf.

Das zahlte sich aus, inzwischen fand er Hilfe eines guten alten Bekannten: Ozay Tarim, vor ein paar Jahren noch erster Vorsitzender des Nachbarvereins Trabzonspor/Wuppertal Heiligenhaus. Der Gewerkschaftssekretär bei Verdi packte mit einigen alten Mitstreitern von Trabzonspor sogleich an.

„Uns war klar: Wir wollen für eine Stadt wie Heiligenhaus mit 20 000 Einwohnern eine Mannschaft, die wenigstens in der Bezirksliga spielt, und das soll der Traditionsclub SSVg 09/12 sein“, betont Tarim.

Mit Murat Yilderim und Tahsen Aydemir bildet er ein Teammanager-Trio, das die „Herkules-Aufgabe“, so Tarim, bewältigen soll: In kurzer Zeit und mit wenig Geld eine schlagkräftige Mannschaft aufzubieten.

Torwart-Trainer Oliver Ljungberg bleibt

Dabei gehe es voran: Ein Kern der Mannschaft zeichne sich schon ab, ein neues Trainerteam ist bereits bei der Arbeit: Es wurde um einen der wenigen Verbliebenen gebildet: Oliver Ljungberg, zuletzt Torwart- Trainer, übernimmt gemeinsam mit den früheren Trabzonspielern Monrem Orahhou und Ahmet Ali Aydemir.

„Wir hatten schon Trainingseinheiten mit 25 Spielern. Aber wir müssen natürlich weiter schauen. Nicht alle dürften in der Bezirksliga mithalten können. Derzeit heißt es noch die eine oder andere Woche: Klinkenputzen“, sagt Tarim.

Dabei sei viel Überzeugungsarbeit zu leisten: „Der Verein geht nun einmal diesen Weg. Wir wollen keine Söldner, wir wollen Identifikation. Wir bieten gute Rahmenbedingungen auf unserer großen Anlage an der Talburgstraße mit zwei Kunstrasenplätzen. Und wir bieten auch Spielern, die vielleicht bei anderen Vereinen nicht wie gewünscht zum Zuge kommen, eine Chance.“

Auch Klinkenputzen für den Klassenerhalt

Wie groß dann die Chance ist, in der Bezirksliga die Klasse zu halten, werde sich zeigen. „Selbst wenn es am Ende nicht reicht, wäre das kein Beinbruch“, so Tarim. Entscheidend sei aber, dass der Versuch gewagt werde. Es sei jedenfalls keinesfalls ausgeschlossen, dass es klappt.

Das strategische Ziel sei, in der ersten Saisonhälfte einigermaßen mitzuhalten. Falls der Abstand zu den Nichtabstiegsplätzen nicht zu groß sei, könne man im Bedarfsfall in der Winterpause noch einmal versuchen, nachzulegen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben