Leichtathletik

LG Wittgenstein: Keine Lust auf die Kinderleichtathletik

Solche Szenen könnten eigentlich seit Jahren schon der Vergangenheit angehören. Den klassischen Dreikampf, in diesem Fall mit dem Weitsprung, sollen die Kinder unter 12 Jahren eigentlich nicht mehr ausüben. Die LG Wittgenstein und ihre Vereine haben sich gegen die Reform entschieden

Solche Szenen könnten eigentlich seit Jahren schon der Vergangenheit angehören. Den klassischen Dreikampf, in diesem Fall mit dem Weitsprung, sollen die Kinder unter 12 Jahren eigentlich nicht mehr ausüben. Die LG Wittgenstein und ihre Vereine haben sich gegen die Reform entschieden

Foto: Hans Peter Kehrle

Wittgenstein.   Die LG Wittgenstein boykottiert die vom DLV geforderte Kinderleichtathletik und erklärt die Gründe für den Neustart unter dem Dach des DTB.

„Mehr Spannung für Kinder, statt Bestenlistenorientierung“ – mit diesem Slogan wirbt der Deutsche Leichtathletik Verband (DLV) auf seiner Homepage für sein alternatives Wettkampfsystem der „Kinderleichtathletik“. Seit 2013 ist dieses Alternativprogramm bereits in Kraft getreten und spaltet zumindest in Wittgenstein immer noch Trainer, Athleten und Eltern.

Die Kinderleichtathletik geht weg vom klassischen Dreikampf (50-m-Sprint/Schlagballwurf/Weitsprung) und bietet den Kindern zwischen sechs und elf Jahren ein buntes Kontrastprogramm. Zwar werden die Kernelemente aus Sprung, Lauf und Wurf weiterhin eingesetzt, doch können die veranstaltenden Vereine aus 37 (!) Kinderdisziplinen wählen. Unter anderem werden Sackhüpfen, Hindernislauf, Indiacaballwurf oder Seilspringen angeboten – die klassischen Disziplinen sollen bald der Vergangenheit angehören. In einer echten Siegerliste aufgeführt werden die Leistungen der Kinder auch nicht.

Die Reform stößt nicht bei allen Vereinen auf Gegenliebe. Die Leichtathletik Gemeinschaft (LG) Wittgenstein und ihre Mitgliedsvereine sperren sich seit Jahren gegen die Durchführung eines solchen alternativen Wettkampfs und werden auch am kommenden Freitag in Wingeshausen ihren Schülercup erneut nach den „alten“ Wettkampfmustern durchführen.

Altes System bleibt bestehen

„Wir haben uns zusammengesetzt und entschieden, dass wir es den Vereinen und den Kindern nicht zumuten wollen. Den Kindern wird der Leistungsgedanke dadurch genommen. Die wollen den Wettkampf und wollen gegeneinander in den Disziplinen antreten, die sie kennen“, erklärt Michael Boer, Geschäftsführer der LG Wittgenstein, der betont, dass man sich der mehrheitlichen Meinung der Stammvereine angeschlossen habe.

Auch, weil das neue Format mehr Helfer am Rand benötigt. „Der Aufwand, einen solchen Kinderleichtathletik-Wettkampf durchzuführen, wäre enorm. Die Helfer zu organisieren ist jetzt schon schwierig“, so der 69-Jährige, der froh ist, dass der morgige Auftakt zum Schülercup „in der Wester“ in Wingeshausen nach altem Muster abläuft.

Turner-Bund als Ausrichter

Damit dies aber überhaupt möglich ist, musste sich die LG eines kleinen Tricks bedienen. Unter der Schirmherrschaft des DLV hätte diese Wettkampfform keine Genehmigung mehr bekommen. Doch weil nun der Deutsche Turner-Bund als Ausrichter gelistet ist, steht dem klassischen Dreikampf nichts im Wege. Zur Freude der Schüler und Eltern, wie Boer betont.

Ins gleiche Horn stößt auch Ricarda Wied-Bernshausen. Die Athletin und Trainerin des TV Laasphe hat jahrelang mit jungen Sportlern auf der Tartanbahn und in der Sandgrube gearbeitet, weiß worauf es bei den Anfängern ankommt. Sie ist der Meinung, dass es die richtige Entscheidung war, sich für die altbewährte Methode des klassischen Dreikampfs zu entscheiden und verweist wie Boer auf den großen organisatorischen Aufwand für die Kinderleichtathletik.

„30, 40 Helfer kann ein veranstaltender Verein doch gar nicht immer aus dem Hut zaubern. Wir haben uns diese Entscheidung sicher nicht einfach gemacht, aber sind seit Jahren gut damit gefahren. Die Kinder haben noch Lust an Bewegung und das ist doch erstmal die Hauptsache und unsere Hauptaufgabe.“ Ein Wermutstropfen für Wied-Bernshausen ist allerdings, dass die gebrachten Leistungen der jungen und mittleren Athleten nicht in Bestenlisten auftauchen.

Für die älteren Sportler ist es demnach nicht mehr möglich sich beim Schülercup für weiterführende Meisterschaften zu qualifizieren, da der DLV diese Art der Wettkampfführung schlicht nicht unterstützt. „Das ist wirklich schade, da wir schon in jungen Jahren einige tolle Athleten dabei haben, die starke Leistungen zeigen.“

Kinderleichtathletik im Training

Prinzipiell hält die Bad Laaspherin den Ansatz der alternativen Leichtathletik allerdings nicht für grundlegend verkehrt. „Die Schüler können viele Sachen ausprobieren und auch wir haben im Training diese Übungen schon gemacht, und die Kinder hatten Spaß daran. Ich denke, dass es einfach eine Gewohnheitssache ist“, so Wied-Bernshausen abschließend.

So werden am morgigen Freitag wieder über hundert junge Sportler um die größten Weiten und die schnellsten Zeiten streiten. Aus alter Gewohnheit, aus Leistungsanspruch, aber auch ohne offizielle Wertung.

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