Tanzsport

Warum die Tanzgruppen aktuell besonders zu kämpfen haben

Ein Foto aus guten Zeiten: Die Gruppe Mosaik des TV Arfeld wirbelt bei der Tanzmatinee in Bad Laasphe über das Parkett.

Ein Foto aus guten Zeiten: Die Gruppe Mosaik des TV Arfeld wirbelt bei der Tanzmatinee in Bad Laasphe über das Parkett.

Foto: Peter Kehrle

Arfeld.  Die Tanzgruppen bereiten sich unbeirrt auf den Tag X vor, müssen aber abwarten. Der TuS Dotzlar denkt sich vor Weihnachten etwas Besonderes aus.

Die Kostüme und Tanzschläppchen lagern weiter im Schrank – auf unbestimmte Zeit. Mit der zweiten Coronawelle sind auch die Tanzsportgruppen wieder ins „Home Gym“ verbannt. Sie sind von der Pandemie ganz besonders schlimm betroffen, denn es droht der Totalausfall von gleich zwei (Wettkampf-)Saisons in Folge.

„Es fehlt etwas. Das ist eine traurige Zeit. Mit der Motivation ist es ist schon schwierig, weil wir im Moment kein Trainingsziel haben“, sagt Annika Saßmannshausen, Tänzerin und Trainerin beim TV Arfeld. Eigentlich war das Deutschen Turnfest 2021 in Leipzig fest eingeplant – doch das ist abgesagt.

Ob der Deutsche und der Westfälische Turnerbund im kommenden Jahr überhaupt Veranstaltungen anbieten, ist noch offen und eher fraglich. Wettkämpfe und Showveranstaltungen im DTB-Dance sind in der Regel als große Veranstaltungen in Schulturnhallen konzipiert und ein ziemliches Gewusel, in Sachen Infektionsschutz also kritisch – und besondere Kulanz ist, da es sich um reinen Breitensport handelt, nicht zu erwarten. Wenn es dumm läuft, geht es also erst 2022 wieder um synchrone Sprünge, Drehungen und Beweglichkeitselemente; um Punkte in der A- und B-Note. Selbst das nächste Gruppentraining ist nicht zeitnah in Sicht.

Ungewohnte Ruhe in der Chatgruppe

„In unserer Chatgruppe ist auch ziemlich Ruhe, obwohl da normalerweise ständig irgendwas geschrieben wird. Im Moment setzt jeder seine Prioritäten in anderen Bereichen, bei der Familie oder mit Sachen im Internet“, beschreibt Natalie Volkmer vom TuS Dotzlar die Situation.

Während der Kontaktbeschränkungen im Frühjahr trainierte die Dotzlarer Gruppe „Reset“ über eine Videochat-Gruppe weiter gemeinsam. Zwar nicht am gleichen Ort, aber mit virtuellem Sichtkontakt, frechen Sprüchen und gegenseitigem Anspornen. „Wir haben das aufgegeben“, räumt Volkmer ein. Erst war angedacht, das Training per Videokonferenz wieder aufzunehmen. „Die Internetverbindungen sind hier so grottenschlecht, dass ständig jemand rausfliegt. Im Frühjahr haben wir uns da noch durchgekämpft“, sagt die Tanz-Abteilungsleiterin des TuS Dotzlar.

Doch das war eine andere Lage. Erst war diese Art des Trainings mit dem Jetzt-erst-Recht-Gefühl etwas Neues und Aufregendes. Und dann war mit Beginn des Sommers ein Ende der Notlösung in Sicht. Volkmer: „Jetzt ist fraglich, ob es sich lohnt. Irgendwann verliert man dann etwas die Lust.“ Fit halten sich die Dotzlarer weiter, nun aber individuell – und so halten es auch die Nachbarvereine.

„Alles, was auf einer Isomatte geht, kann man zuhause ja wirklich gut machen. Das meiste geht in Richtung Kraft und Beweglichkeit“, sagt die Arfelderin Annika Saßmannshausen, wenngleich sie hinzufügt: „Diese Sachen zu Hause sind nicht gerade das Nonplusultra, wenn man eigentlich Gruppensport macht.“ Aber: Am Tag X, wenn es wieder gemeinsam aufs Hallenparkett geht, soll es zumindest gleich um das gehen, was den Reiz des Gruppentanzes ausmacht.

„Das Ganze dann so auf einen Nenner zu bringen, dass es harmonisch wirkt, wird dann die große Aufgabe“, sagt Saßmannshausen, die nicht grundsätzlich mit einem großen Aderlass an Sportlerinnen in den Tanzgruppen rechnet. „Nach der letzten Pause, als wir im August wieder in die Halle konnten, waren alle wieder dabei. Und alle waren wieder heiß.“ Apropos Halle: Zu der gibt es keine Alternative. „Für Beweglichkeitselemente, Drehungen oder Sprünge ist eine Wiese nur sehr begrenzt geeignet“, erklärt Annika Saßmannshausen, die sich nach dem Neustart ein drittes Mal den zunächst für dieses Frühjahr einstudierten Choreographien zu den Themen „Bauer sucht Frau“, „Fuck you Goethe“ oder „Anastasia“ widmen wird.

Die Konzepte liegen bereit und sind während der ersten Zwangspause sogar noch etwas verfeinert worden. Und irgendwann werden dann auch die Kostüme wieder aus dem Schrank geholt.

TuS Dotzlar: Tanzvideo mit Weihnachts-Choreographie

Im Herbst haben die Frauen des TuS Dotzlar eine Weihnachts-Choreographie einstudiert, die als Weihnachtsfeier-Ersatz an Mitglieder und Sponsoren als Video versendet werden soll.

Wegen der neuen Kontaktbeschränkungen und stark verkürzten Vorbereitungszeit gibt es Abstriche beim Tanz – und statt mit Videokamera wurde kurzerhand „nur“ mit dem Handy gefilmt.

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