2. Handball-Bundesliga

Überragender Tim Hottgenroth führt Ferndorf zum Auswärtssieg

Torwart Tim Hottgenroth (mitte) wird nach dem Schlusspfiff von seinen Mitspielern gefeiert.

Torwart Tim Hottgenroth (mitte) wird nach dem Schlusspfiff von seinen Mitspielern gefeiert.

Foto: Lutz Großmann

Junger Torwart ragt beim 23:22-Sieg in Emsdetten heraus. Mattis Michel gelingt Siegtor praktisch mit der Schlusssirene.

Emsdetten. Schluss! Alle in den weißen Trikots stürmen auf den Blondschopf im schwarzen Sweater zu, umringen ihn und lassen ihn gar nicht mehr los. Eskalation in Emsdetten? Schon ein bisschen. Der blonde Lockenkopf ist nämlich Tim Hottgenroth, seines Zeichens Torhüter des Handball-Zweitligisten TuS Ferndorf, und die, die ihm in dieser Situation huldigen, seine komplett versammelten Mitspieler nebst Trainer- und Betreuerstab. Und warum die ganze Jubelorgie?

Hottgenroth, in der vergangenen Saison „nur“ die Nummer drei hinter Lucas Puhl und Kai Rottschäfer und dieser bislang noch jungen Spielzeit nach dem Puhl-Ausfall auch ein Stück weit hinter Marin Durica, wird nämlich zum „Matchwinner“ für Ferndorf beim 23:22 (12:12)-Sieg in Emsdetten. Ein gutes Dutzend Paraden zeigt der 21-Jährige im Verlauf dieser 60 packenden und am Ende dramatischen Minuten vor 1289 Zuschauern in der Ems-Halle. Seine wichtigste: 29 Sekunden vor Schluss, es steht 22:22, fischt er wieder den Wurf von Emsdettens Rechtsaußen Yannick Terhaer weg, dem er kurz zuvor schon einmal den Nerv gezogen hatte. Ferndorf nutzt den Ballgewinn in der Endphase zum Siegtreffer, den Mattis Michel vom Kreis nach starkem Pass von Patrick Weber nach 59:58 Minuten erzielt – das übrigens in Unterzahl. Den finalen Emsdettener Wurf blockt Julian Schneider ab, perfekt ist der erste Ferndorfer Auswärtssieg.

In der Stunde des Triumphs blieb Tim Hottgenroth, der Ur-Ferndorfer, ganz bescheiden: „Ich freue mich für die gesamte Mannschaft, die heute eine unfassbar gute Deckung gestellt hat, und darüber, dass mir der Trainer das Vertrauen geschenkt hat.“ Erst beim Aufwärmen erfuhr Hottgenroth von Michael Lerscht, dass er in Emsdetten die Nummer eins sein würde, obwohl Kollege Marin Durica beim Sieg gegen Aue eine gute Leistung gezeigt hatte. Nicht nur Hottgenroth war deshalb überrascht, in der Start-Sieben zu stehen.

Und es gab für Michael Lerscht keinen einzigen Anlass, Tim Hottgenroth während der Partie auf die Bank zu setzen, denn der junge Keeper war von Beginn an hellwach, wartete gleich mit zwei, drei abgewehrten Würfen auf, die ihm und seinen Vorderleuten noch mehr Sicherheit gaben. Die knappe Führung hielten die Siegerländer aber nur bis zum 7:6 (Jan Wicklein). Als der eingewechselte Jonas Faulenbach durch einen abgeblockten Wurf, dann durch ein schlechtes Anspiel auf Mattis Michel zwei Kontertore einleitete, die Emsdetten zur 9:7-Führung nutzte (23.), drohte der TuS abgehängt zu werden. Plötzlich war genau die Hektik angesagt, die hart zupackende Emsdettener heraufbeschwören wollten und von der sich kurzzeitig auch die Schiedsrichter Oliver Frankholz/Philipp Frankholz beeindrucken ließen. Nacheinander wanderten Mattis Michel und Lucas Schneider für Allerweltsfouls auf die Bank, dann gesellte sich auch Julian Schneider dazu, weil ihm die Referees bei einer Abwehraktion Simulation vorwarfen. Und wie reagierte der TuS auf diese Nackenschläge? Mit Coolness! In zweifacher Unterzahl verkürzte der erneut überzeugende Andreas Bornemann auf 11:12, und mit der Halbzeitsirene verwandelte Jonas Müller einen direkten Freiwurf – was eigentlich gar nicht geht – zum 12:12.

Beide Teams (und auch die Referees) nutzten die Halbzeitpause, um runterzukühlen, aber an der Leidenschaft, am Abwehr- und Abnutzungskampf änderte sich in den zweiten 30 Minuten nichts. Es blieb eine Partie auf Messers Schneide, mal mit leichtem Vorteil für die Nordmünsterländer, dann wieder für den TuS Ferndorf, dessen Abwehr aber immer dichter wurde, je länger das Spiel dauerte – und das ohne den zweiten Part des Innenblocks, den Thomas Rink hatte, weil leicht angeschlagen, passen müssen. Für ihn rückte Mattis Michel in die Mitte, der seine Sache wie seinen Nebenleute großartig machte.

Und die Deckung wusste eben einen Tim Hottgenroth hinter sich, der sich in der entscheidenden Phase immer wieder den TVE-Schützen erfolgreich in den Weg stellte. Als Rechtsaußen Tim Rüdiger in Überzahl das 22:21 für Ferndorf markierte (57.), schnupperten die Gäste zumindest schon mal an einem Punktgewinn. Der schien ihnen trotzdem noch aus den Händen zu gleiten, als Sören Kress zum 22:22 traf (58.), Tim Rüdiger an Konstantin Madert scheiterte und Andreas Bornemann eine Zeitstrafe absitzen musste (59:13). Doch die Glücksmomente – siehe oben – vereinigten sich an diesem Abend auf die Seite des TuS Ferndorf.

TuS Ferndorf: Hottgenroth, Durica - Faulenbach (1), L. Schneider, Michel (2), Neitsch, Wicklein (1), J. Schneider (1), Bornemann (6), Rüdiger (2), Andersson (4/3), Koloper, Müller (2), Weber (4).

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