2. Handball-Bundesliga

TuS Ferndorf stellt auch Coburg ein Bein

Lukas Zerbe verwandelt den Siebenmeter zum 2:2 gegen Torwart Konstantin Poltrum.  

Lukas Zerbe verwandelt den Siebenmeter zum 2:2 gegen Torwart Konstantin Poltrum.  

Foto: Reinhold Becher

Kreuztal.   Verdientes 20:20 gegen Oberfranken. Ferndorf verliert kein Heimspiel gegen die Elite der 2. Liga.

Unentschieden gegen Balingen-Weilstetten, Siege gegen Nordhorn-Lingen, Hamm-Westfalen, Lübeck-Schwartau, TuS N-Lübbecke, Essen – und jetzt auch noch ein Punkt gegen den HSC 2000 Coburg: Der TuS Ferndorf hat keines (!) seiner Heimspiele gegen die Top-Mannschaften der 2. Handball-Bundesliga verloren und mit dieser überragenden Bilanz gegen die Liga-Elite seine Zugehörigkeit zur selbigen bestätigt.

20:20 (9:9) hieß es nach 60 zwar torarmen, aber spielerisch höchst anspruchsvollen Minuten in der fast ausverkauften Halle, die ihrem Schreckensruf für die meisten Gäste wieder gerecht wurde. „Da steht einem erstmal diese Abwehr gegenüber, und dann ist da noch das Publikum...“, sprach aus den Worten von Coburgs Trainer Jan Gorr viel Respekt vor der außergewöhnlichen Atmosphäre in der „Hölle Stählerwiese“. Dabei hat sein Team in den Heimspielen meist doppelt so viele Fans im Rücken.

Punkt für die Gäste zu wenig

Fast 50 hatten den Weg aus Oberfranken ins Siegerland auf sich genommen, um ihre Mannschaft im Dreier-Schneckenrennen um den Aufstieg in die 1. Liga anzufeuern. Am Ende fühlte sich dieses Unentschieden für den Favoriten wie eine Niederlage an, weil der Rückstand auf Balingen-Weilstetten und Nordhorn-Lingen auf vier bzw. drei Punkte angewachsen ist.

Wie eine Woche zuvor in Wilhelmshaven ging es Ferndorf locker-flockig an, stellte sich die zweitbeste Abwehr dem fast 1000-Tore-Angriff des HSC Coburg entgegen, mimten Jonas Faulenbach und Julian Schneider abermals die „Abfangjäger“ gegen die in Sachen Körpermasse und Wurftempo gewaltige fränkische Rückraumkraft. Faulenbach knüpfte auch im Angriff an seine starke Form an, hatte bis zum 4:2 (12.) schon drei Mal getroffen, um es dann ein wenig mit Abschlussaktionen zu übertreiben. Das 6:5 von Jan Wörner (19.) sollte die letzte TuS-Führung in der ersten Halbzeit gewesen sein, drückten die sich häufenden Fehler im Angriff ein bisschen auf die bis dahin großartige Stimmung.

Coburg nutzte diese Ferndorfer Delle, besorgte Maximilian Jäger das 8:6 für den HSC (23.), der es in dieser Phase aber nicht schaffte, sich vom TuS Ferndorf zu lösen. „Uns hat in den entscheidenden Situationen die Coolness gefehlt“, kritisierte Trainer Jan Gorr – das war die eine Seite, die andere war die Willens- und Kampfkraft des TuS, einem vermeintlich viel besser besetzten Gegner selbstbewusst die Stirn zu bieten, sich nicht abkochen zu lassen, sondern zu reagieren. Genau das tat der TuS Ferndorf, glich bis zur Pause durch Treffer von Julius Lindskog Andersson und Jan Wörner zum 9:9 aus, um nach Wiederbeginn durch Faulenbachs Doppelschlag gar das 13:11 (36.) zu markieren. In dieser wieder aufkochenden Atmosphäre steigerte sich auch Kai Rottschäfer, der den zuletzt so überragenden Lucas Puhl (Handprellung) würdig vertrat.

Es wird gezaubert und getrickst

Fast schien sich der Aufsteiger in einen Rausch spielen zu können, riss es die Fans aus ihren orangenen Sitzschalen, als Marijan Basic mit einem „No look-Pass“ Thomas Rink bei dessen 15:14 in Szene setzte, Julian Schneider mit einer tollen Einzelaktion seine ganze Spielintelligenz und Durchsetzungskraft einsetzte oder Jonas Faulenbach und Lukas Zerbe per Kempa-Trick für das 19:18 sorgten. Aber es klappte nicht alles, wuchteten erst Lukas Zerbe, dann Marijan Basic ihre Siebenmeter jeweils ans Coburger Gebälk. Vor allem die vom Ferndorfer Spielmacher verworfene „Marke“ hätte größeren Schaden anrichten können, denn Coburg antwortete in einem nun atemberaubenden Spiel mit dem 20:19 (Lukas Wucherpfennig) und Lukas Zerbe scheiterte am ebenfalls guten Konstantin Poltrum.

Mit dem 20:20 per mutigem Aufsetzer von Moritz Barwitzki entbrannten 90 hochdramatische Schlusssekunden: Tobias Varvne scheitert an Kai Rottschäfer, den Abpraller pflückt Lukas Zerbe trotz Foulspiels aus der Luft. Ballbesitz Ferndorf! Unter Zeitspieldruck kann Jonas Faulenbach nur mit einem „Luschenwurf“ abschließen, aber Kai Rottschäfer bewahrt sein Team mit einer finalen Parade vor einer Niederlage, die der TuS Ferndorf auch nicht verdient gehabt hätte.

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