2. Handball-Bundesliga

TuS Ferndorf: Sogar der kühle Schwede kommt ins Schwärmen

Jubel auf der Ferndorfer Bank und ein klatschender Trainer Robert Andersson: Es ist die Phase, in der das Spiel gegen Hamm kippt. 

Jubel auf der Ferndorfer Bank und ein klatschender Trainer Robert Andersson: Es ist die Phase, in der das Spiel gegen Hamm kippt. 

Foto: heiko burbach

Mit dem Sieg gegen Favorit Hamm ist dem TuS Ferndorf ein Coup gelungen. Das sind die Gründe für den Erfolg gegen das Team des Ex-Trainers.

Ferndorf. Am Tag danach war Regeneration angesagt. Krafttraining, später eine Taktikschulung und schon die erste Einstimmung auf das Spiel am Sonntag in Konstanz. Die Zweitliga-Handballer des TuS Ferndorf ließen es am Donnerstag ruhig(er) angehen – sie hatten sich diesen Genusstag nach dem sensationell anmutenden 27:21-Triumph über den ASV Hamm-Westfalen, immerhin einen der selbst ernannten Aufstiegsfavoriten, verdient.

Tim Hottgenroths sagenhafte Quote

Selbst der kühle Schwede kam ins Schwärmen. „Die Abwehr hat super gestanden, vorne haben wir geduldig und clever gespielt“, lobte Trainer Robert Andersson, der selbst perplex darüber war, wie sein Team nach der zweiten fast zweiwöchigen Quarantäne, nach ausgeglichener erster Halbzeit und sogar Zwei-Tore-Rückstand (40.) einen voll „im Saft" stehenden Gegner überrannte. Dem fiel gegen den Ferndorfer Sturm und Drang, den insbesondere Torwart Tim Hottgenroth und Offensivbolide Andreas Bornemann verkörperten, wenig ein.

Robert Andersson hatte Tim Hottgenroth nach 38 Minuten für den gut beginnenden, aber nachlassenden Marin Durica gebracht und wechselte auch wieder Andreas Bornemann ein. Es waren die beiden taktischen Wechsel, die dieses Spiel entschieden. Tim Hottgenroth parierte während seines 22-minütigen Einsatzes sechs von zwölf Hammer Würfen, profitierte aber auch von einer extrem gut eingestellten Abwehr. Andreas Bornemann ließ seinen zwei Toren der ersten Hälfte gleich ein halbes Dutzend binnen einer knapper Viertelstunde der zweiten Halbzeit folgen. Es waren „seine“ Minuten.

„Robert wollte, dass einer in dieser Crunch-time das Heft in die Hand nimmt. Okay, dann mache ich das, habe ich mir gedacht. Und das hat echt Bock gemacht“, fühlte sich der Hesse aufgefordert und stark genug, diese Aufgabe zu erfüllen. Hamms Torwart Felix Storbeck, einer der besten seiner Zunft, die Würfe mit der linken Klebe „Bornes“ so um die Ohren, dass er in der Endphase, als für den Favoriten fast alles verloren war, frustriert das Handtuch warf – bezeichnend für die Kräfteverschiebung in der Schlussviertelstunde.

Michael Lerscht ein fairer Verlierer

Hamms Trainer Michael Lerscht erwies sich in der Stunde der Niederlage gegen seinen Ex-Verein, für den er sich 16 Jahre als Spieler und Coach aufgeopfert hatte, als fairer Verlierer: „Ferndorf hat verdient gewonnen. Wir haben das bis zur 35. Minute ganz gut gestaltet, danach aber Bornemann nicht in den Griff bekommen und sind zu oft an Hottgenroth gescheitert. Mir war klar, dass der TuS nach der Quarantäne richtig brennen würde.“

Gebrannt hat es im übertragenen Sinne auch auf der Tribüne – zumindest ein wenig. Die zehn zugelassenen Anhänger der Fanclubs „Ferndorfer Füchse“ und „Brigade C“ entfachten ein Stück von der Stimmung, für die 1400 Zuschauer in der vermutlich ausverkauften Halle gesorgt hätten. Andi Bornemann fand es gut: „Die haben uns echt nach vorne gepusht.“

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