Serie: 50 Jahre Frauenfußball

TSV Siegen wechselt zu den Sportfreunden

Es ist das letzte große Spiel der Siegener Frauen. Im DFB-Pokalfinale 2000 unterliegen die Sportfreunde Siegen dem 1. FFC Frankfurt mit 1:2. In dieser Szene versucht die Siegenerin Karina Sefron (blaues Trikot) an den Ball zu kommen.

Es ist das letzte große Spiel der Siegener Frauen. Im DFB-Pokalfinale 2000 unterliegen die Sportfreunde Siegen dem 1. FFC Frankfurt mit 1:2. In dieser Szene versucht die Siegenerin Karina Sefron (blaues Trikot) an den Ball zu kommen.

Foto: imago sportfotodienst

Siegen.  1996 wechseln die Frauen des TSV Siegen ins Leimbachtal. Es ist das Ende der glorreichen Ära und der Beginn einer schwierigen Zeit.

Silke Rottenberg – Andrea Euteneuer – Cornelia Trauschke, Britta Röwer –Karina Sefron, Monika Meyer (84. Alexandra Alfes), Louise Hansen (90. Manuela Frettlöh), Silvia Neid, Michaela Kubat – Andrea Limper (48. Doris Fitschen), Christine Chaladyniak. Trainer: Dieter Richard.

In dieser Besetzung gewann das Frauenteam des TSV Siegen am 2. Juni 1996 das Meisterschafts-Finale in Frankfurt gegen die SG Praunheim mit 1:0. Der sechste und letzte DM-Titel einer großen Ära. „Mehr war einfach finanziell nicht machbar für uns“, erzählt Klaus-Dieter Wern, der damals noch amtierende Vorsitzende des TSV Siegen rückblickend. Der Mann, dem heute die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd gehören und über ein Heer von Linienbussen regiert, hatte auf die steigenden Kosten in einer sich anbahnenden eingleisigen Frauenfußball-Bundesliga reagiert.

Der umstrittene Umzug

Unter der Moderation des früheren Landrats Paul Breuer wurden die Gespräche mit dem Sportfreunde-Präsidenten Manfred Utsch aufgenommen. Folge: Die erfolgreiche Abteilung wechselte zur Saison 1996/1997 von Trupbach ins Leimbachtal, wurde Bestandteil der Sportfreunde Siegen. Das war nicht für alle ein Glücksgriff.

Silvia Neid zum Beispiel, die beim DM-Finale in Frankfurt letztmalig in einem Siegener Trikot die Fäden zum Titelgewinn zog, nach elf Siegener Jahren und elf Titeln in Pokal und Meisterschaft ihre aktive Laufbahn beendete, machte selbst Jahre später als erfolgreiche Bundestrainerin keinen Hehl aus, was sie von dieser „Übernahme“ hielt. „Das hat den Siegener Frauenfußball kaputt gemacht“, so die 111-malige Nationalspielern in einem Gespräch damals. Und Klaus-Dieter Wern ergänzt wehmütig: „Wären wir damals dabei geblieben, ich glaube, wir wären heute noch im Konzert der Großen dabei.“ Den Sportfreunden und ihren Vertretern wurde vorgeworfen, die Männer im Verein zu bevorzugen, die Frauen nur übernommen zu haben, um sie allmählich der Versenkung entgegentaumeln zu lassen.

Das DFB-Pokalfinale 2000

Nun, es schien zunächst noch recht ordentlich zu laufen. In vier Bundesliga-Spielzeiten hielten sich die Siegenerinnen in der Erstklassigkeit und steuerten sogar auf einen (letzten) Höhepunkt zu. Am 6. Mai 2000 durfte sich die Sportfreunde-Delegation im Berliner Olympiastadion niederlassen, die im Wind flatternde Vereinsfahne bewundern und dem Frauen-Team von Trainer Dieter Richard im DFB-Pokalfinale gegen den 1. FFC Frankfurt die Daumen vergeblich drücken. In der Besetzung Silke Rottenberg – Janine Jung – Andrea Euteneuer, Beata Fülöp, Sandra Minnert – Louise Hansen, Karina Sefron, Linette Sørensen, Alexandra Alfes –Monika Meyer, Merete Pedersen verlor Siegen mit 1:2 – das Tor zum 1:2 erzielte die eingewechselte Patricia Menge drei Minuten vor Schluss.

Der Neuanfang

Der Name „Siegen“ tauchte damit letztmalig in einer bundesweiten Frauenfußball-Chronik auf. Denn schon vor diesem Endspiel, im wahrsten Sinne des Wortes, war klar, dass die Sportfreunde-Verantwortlichen für die anstehende Bundesliga-Saison 2000/2001 keine Lizenz mehr beantragen werden. Vorbei war es mit Länderspiel-Highlights im Leimbachstadion wie dem Halbfinale der Europameisterschaft 1989 gegen Italien. Damals qualifizierten sich die deutschen Frauen erstmals für ein Finale, das vor 22.000 Zuschauer in Osnabrück mit 4:1 gewonnen wurde.

Gudrun „Emmi“ Winkler, seit den 70er-Jahren mit dem Fußball verbunden, hat beim TSV die großen Jahre miterlebt und mitgestaltet. Sie ist auch nach dem Übergang zu den Sportfreunden ihrem Sport treu geblieben und ging den harten Weg mit. Sie ist auch heute noch Abteilungsleiterin im Leimbachtal. „Damals blutete mir das Herz“, erinnert sie sich. „Unsere Spielerinnen wurde quasi vom Platz weg von anderen Vereinen verpflichtet.“ Aus der zweiten Mannschaft und dem Nachwuchs-Team bildete sie damals ein Team für die Regionalliga. Nach einem noch ordentlichen Jahr und Platz zwei in der Saison 2000/2001, stand ein Jahr später der nächste Abstieg fest. Zwar ging es 2003 wieder zurück, doch im Mai 2009 war die inzwischen drittklassige Regionalliga passé.

Nachdem man zwar direkt wieder den Aufstieg in die Regionalliga schaffte, musste man 2016 den Gang in die Westfalenliga antreten. In der Abbruch-Saison 2019/20 schaffte die Elf von Andreas Edelmann den Sprung zurück. Diesen streben nun auch die Damen von Fortuna Freudenberg an.

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