Leichtathletik

Statistik-Verwirrspiel um Malin Böhls großen Wurf

Malin Böhl (LG Wittgenstein) bei den NRW-Meisterschaften der U20/U18/U16 am 14.07.2018 in Duisburg beim Diskuswurf.

Malin Böhl (LG Wittgenstein) bei den NRW-Meisterschaften der U20/U18/U16 am 14.07.2018 in Duisburg beim Diskuswurf.

Foto: Wolfgang Birkenstock

Kreuztal/Bad Berleburg.   LG Wittgenstein freut sich kurz über einen U20-Kreisrekord, doch den hält weiter ein „Phantom“. Wichtiger sind ohnehin andere Vergleiche.

Mit ihrer großartigen Leistung bei den Leichtathletik-Kreismeisterschaften in Kreuztal hat Malin Böhl ein Verwirrspiel um den Diskuswurf-Kreisrekord in der Weiblichen Jugend U20 bzw. bei den Frauen ausgelöst. Die 15-jährige Bad Berleburgerin hatte mit 41,31 Metern nicht nur erneut die Norm für die Deutschen Jugendmeisterschaften (39,00 m) bestätigt, sondern auch ihren eigenen, im April aufgestellten U18-Kreisrekord (39,45 m) verbessert.

Nach der überraschend deutlichen Verbesserung um fast zwei Meter schlugen die Eltern Hans und Katja nach, wo denn der Rekord der nächsthöheren Altersklasse U20 liegt – und siehe da, auch hier übertraf Malin die bisherige Bestmarke, denn hier war Ingrid Kolodziej (TV Jahn Siegen) mit 41,24 Metern aus dem Jahr 1980 eingetragen.

Die Crux: Böhls hatten die Rekordliste von 2017 dabei und konnten kaum damit rechnen, dass 2018 ein neuer Rekord eingetragen wurde, denn Malin hatte im vergangenen Jahr die Kreisbestenliste mit 33,48 Metern angeführt – was nebenbei bemerkt ihre gewaltige Leistungsexplosion dokumentiert.

Belege aus der Zeitung

In der aktuell Fassung der Leichtathletik-Bestenliste des Kreises nach Ende der Saison 2018 ist allerdings ein anderer U20-Kreisrekord eingetragen, nämlich von Helga Zepter (Sportfreunde Siegen) – aufgestellt bei den Westdeutschen Meisterschaften 1959 in Oberhausen mit 46,07 Metern. Doch wie, bitteschön, kommt plötzlich dieser 60 Jahre alte Wert in die Liste? Helga, das Phantom?

„Durch alte Berichte, die ich von Klaus Ruschin [Kreis-Leichtathletik-Obmann, Anm. d. Red.] erhalten habe“, gibt Statistikerin Marianne Schmidt Aufschluss, die unserer Redaktion zwei Zeitungsartikel als Beleg zur Verfügung stellte – einen aus dem Fachmagazin „Leichtathletik“, einen aus der Siegener Zeitung. „Ich habe vergangenes Jahr mit Helga telefoniert und von ihr auch eine Urkunde über die Leistung erhalten. Das ist alles korrekt gelaufen“, bestätigt Ruschin. Eine Korrektur in der Rekordliste ist dennoch fällig, denn in der Hauptklasse wird Zepter – wie seit Jahrzehnten – mit 45,72 Metern geführt, in der Jugend aber mit 46,02 Metern. Dieser Wert gilt logischerweise auch bei den Frauen.

Aktuelle Konkurrenz ist der Maßstab

Helga Zepter, die heute in Planegg bei München lebt, war als talentierte Mehrkämpferin auch Jugend-Westfalenmeisterin über 100 m und schaffte es in die Auswahlmannschaft für die Olympischen Spiele 1960 in Rom – die Konkurrenz im damals (noch) gesamtdeutschen Team war allerdings zu groß.

Malin Böhl interessiert das allenfalls am Rande. Sie freut sich über die aktuelle Leistung. „Sie konzentriert sich auf ihr Training und orientiert sich an den aktuell Besten in ihrer Klasse. Als jüngerer Jahrgang in der U18 hat sie es natürlich etwas schwieriger“, sagt Katja Böhl, die ihre Tochter beim Heimtraining betreut und auf die bevorstehenden überregionalen Meisterschaften sowie auf die Sichtungslehrgänge des DLV vorbereitet.

„Sie war immer ein schmaler Typ, jetzt ist sie kräftig gewachsen und profitiert davon, obwohl sie für eine Werferin immer noch dünn ist. Dafür hat sie sehr lange Arme und damit Hebel“, erklärt Katja Böhl die Entwicklung der letzten Monate und schmunzelt: „Ich selbst hätte sie gar nicht als Werferin gesehen, aber die Verbandstrainer haben das Potenzial erkannt.“

Euphoriebremse

Vermessen sei, nun schnelle weitere Verbesserungen zu erwarten: „Es gibt immer so Schübe in denen es vorangeht, aber es gibt auch Phasen der Stagnation. Man wird es sehen.“

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