Kunstturn-Bundesliga

Siegerländer KV: Ersatzgeschwächt ohne jede Chance

Das Häuflein der Aufrechten vor Wettkampfbeginn in Schwäbisch Gmünd (von links): Nico Ermert, Andreas Jurzo, Mattis Eckstein, Daniel Uhlig, Fabian Lotz, Sebastian Bock und Philipp Herder.

Das Häuflein der Aufrechten vor Wettkampfbeginn in Schwäbisch Gmünd (von links): Nico Ermert, Andreas Jurzo, Mattis Eckstein, Daniel Uhlig, Fabian Lotz, Sebastian Bock und Philipp Herder.

Foto: JOHANNES_ZIMMERMANNN

Der Traum vom Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft ist ausgeträumt. Die ersatzgeschwächte Siegerländer KV verlor gegen Wetzgau klar.

Schwäbisch Gmünd. Nur kühnste Optimisten hatten darauf gehofft, dass die Siegerländer Kunstturn-Vereinigung (SKV) beim Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft Gastgeber TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau hätte in die Suppe spucken können. Letztlich nahm der Wettkampf in der Großsporthalle in Schwäbisch Gmünd den erwarteten Verlauf: Wetzgau gewann deutlich mit 61:15 Score- und 10:2 Gerätepunkten und steht damit im Finale, in dem die Süddeutschen am 19. Dezember in eigener Halle auf die TG Saar treffen. Für die SKV bleibt der Kampf um den dritten Platz gegen die KTV Straubenhardt. Der (noch) amtierende Deutsche Meister trat zum zweiten Halbfinale in Dillingen nicht an und verlor deshalb kampflos.

Es waren ungleiche Voraussetzungen am Samstagabend östlich von Stuttgart: Während Wetzgau mit fast „voller Kapelle“ antreten und mit dem Spanier Nestor Abad Sanjuan immerhin einen hochkarätigen Gastturner aus dem Ausland aufbieten konnte, mussten die Siegerländer ohne ihre ausländischen Spitzenturner wie Courtney Tulloch, Saso Bertoncelj oder Ahmed Önder auskommen. Da zudem der in der Gruppenphase überragend turnende Berliner Dario Sissakis wegen einer leichten Schulterverletzung auch nicht mit nach Schwäbisch Gmünd gekommen war, reduzierte sich das SKV-Aufgebot auf nur sieben Turner. Die Nummer eins, Philipp Herder, musste deshalb den kompletten Sechskampf bestreiten und kam Nico Ermert, sonst eher „hinten dran“, zu vier Geräteeinsätzen. Durch den kurzfristigen Sissakis-Ausfall musste SKV-Mannschaftsverantwortlicher Sebastian Bock, der Heinz Rohleder vertrat, mehrfach bei der taktischen Aufstellung tricksen.

Boden

Mit Tulloch und Sissakis fehlten den Gästen gleich am Auftaktgerät zwei vermeintliche Punktegaranten. Für sie sprangen Andreas Jurzo und Fabian Lotz in die Bresche, die gegen den glänzend aufgelegten Carlo Hörr, mit 15 Zählern auch Top-Scorer des Tages, und den 18-jährigen Valentin Zapf keine Chance hatten.

Immerhin 0:0 endete das Duell zwischen dem kurzfristig mit einer Sondergenehmigung und einem negativen Coronatest aus Madrid eingeflogenen Nestor Abad Sanjun und Philipp Herder. Mit 11:0 ging der Boden aber klar an Wetzgau, hatte die SKV dieses Geräte erstmals in dieser Saison abgeben müssen.

Seitpferd

Nach guter Leistung von Fabian Lotz gegen Top-Mann Andreas Toba war es Daniel Uhlig vorbehalten, mit dem 4:0 gegen Glenn Trebing die ersten Punkte für seine Mannschaft zu holen. Uhlig bleibt damit an seinem neuen „Lieblingsgerät“ ungeschlagen. Diese Zähler reichten allerdings nicht, um insgesamt die Oberhand zu behalten. Während Philipp Herder am Ende einer richtig guten Übung Pech hatte und abrutschte, stand Andreas Jurzo mit dem Pferd auf Kriegsfuß, passte beim 22-Jährigen, der seine Stärken an anderen Geräten hat, beim 0:5 gegen Carlo Hörr nichts zusammen.

Ringe

Hier hielt die Schwierigkeit der Übungen von Sebastian Bock und Fabian Lotz gegen Glenn Trebing bzw. Andreas Toba nicht Schritt. Bei seinem Bundesliga-Debüt an den Ringen verpatzte der junge Mattis Eckstein beim Abgang seinen Doppelsalto, musste auf den Boden greifen und hatte folglich keine Chance gegen Sanjuan, während sich ein guter Philipp Herder mit 3:0 gegen Carlo Hörr schadlos hielt. Mit 14:3 entschied Wetzgau aber auch die Ringewertung für sich und ging mit einem vorentscheidenden 33:7-Vorsprung in die zweite Wettkampfhälfte.

Sprung

Sonst eine der großen SKV-Stärken, entpuppte sich der Sprungtisch ohne die Spezialisten als Verlustgerät für die Siegerländer. Den einzigen Scorepunkt erzielte Philipp Herder gegen Carlo Trebing, während Nico Ermert, Mattis Eckstein und Andreas Jurzo klar den Kürzeren zogen.

Barren

Hier durfte sich die SKV bessere Chancen ausrechnen, weil der Barren ein gutes Gerät für den Großteil ihrer deutschen Turner ist. Und so sollte es auch kommen, wenngleich die Gäste vom Aussetzer Andreas Tobas profitierte, der ein Element gleich zwei Mal verturnte und seine komplette Übung in den Sand setzte. Das Duell hatte Nico Ermert mit einer guten Leistung eröffnet – und prompt verbuchte der Freudenberger vier Scorepunkte für sich gegen Weltklasse-Mann Toba. Im vierten Duell steuerte Philipp Herder mit einer veränderten und noch hochwertigeren Übung, die mit 14,20 Punkten und drei Scorezählern gegen Valentin Zapf belohnt wurde, drei Scorepunkte bei. Indes: In der Gesamtschau hatte dies letztlich nur marginale Bedeutung.

Reck

Der ungleiche Wettkampf endete, wie er begonnen hatte: Ohne Scorerpunkt für die SKV! Sebastian Bock, Carlo Hörr und Philipp Herder turnten solide, aber das bessere Ende hatten jeweils die Gegner Andreas Toba, Carlo Hörr und Arne Halbisch. Und weil die Luft längst raus war, schien es auch im letzten Duell des Abends an Konzentration zu mangeln: Musste Fabian Lotz das Gerät beim Kovac- und Gienger-Salto verlassen, griff Nestor Abad Sanjuan bei einem Flugteil ins Leere. Dem Spanier waren trotzdem vier Punkte sicher, mit denen er den deutlichen 61:15-Erfolg für den TV Schwäbisch Gmünd-Wetzgau perfekt machte.

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