Die Neuen beim TuS Ferndorf

Patrick Weber: „Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen“

Will ab 24. August im Trikot des TuS Ferndorf jubeln: Neuzugang und Rückraumspieler Patrick Weber.

Will ab 24. August im Trikot des TuS Ferndorf jubeln: Neuzugang und Rückraumspieler Patrick Weber.

Foto: pmkvia www.imago-images.de / imago images / pmk

Zwei-Meter-Hüne bringt von seinen früheren Stationen viel Erfahrung und beängstigende Wurfhärte mit. Vorfreude auf die Fans in der Stählerwiese.

Ferndorf/Siegen. Einen neuen Verein hat er mit dem TuS Ferndorf schon gefunden. Eine neue Wohnung in der Siegener Oberstadt auch. Was jetzt noch zum perfekten Start an seiner neuen Handball-Wirkungsstätte fehlt, ist ein Golfclub. Patrick Weber spielt nämlich leidenschaftlich gerne Golf. Ihm fehlt zwar noch die Platzreife, die es einem erlaubt, auf allen Golfanlagen zu spielen, doch diese Prüfung will er möglichst bald schaffen – entweder im Golfclub Siegerland auf Keuztaler Gebiet oder im Golfclub Siegen-Olpe.

„Die vergangenen Tage waren stressig“, erzählt der 27-Jährige. Das hatte erstmal weniger mit dem Training beim Zweitligisten TuS Ferndorf zu tun, sondern eher mit dem Umzug nach Siegen. Weber hat zusammen mit seiner Freundin, die am Gymnasium Kreuztal eine Vertretungsstelle bekommen hat, in der Siegener Altstadt die erste gemeinsame Wohnung bezogen, die in den nächsten Tagen zu einer Wohlfühloase werden soll. Denn ein perfektes Umfeld, ob privat oder im Beruf, ist für Patrick Weber eine wichtige Voraussetzung, um zufrieden zu sein.

Siegerland statt Oberfranken

Wer zufrieden ist, kann auch gute Leistungen zeigen – und die erwartet Patrick Weber von sich, wenn er am 24. August im Heimspiel gegen den HSV Hamburg sein Debüt im Trikot des TuS Ferndorf feiern wird. Und der Zwei-Meter-Hüne ist sich auch bewusst, „dass auch der Verein von mir gute Leistungen erwartet.“ Genau deshalb haben sie den Rückraumspieler ja auch geholt, ihn vom HSC 2000 Coburg, wo er die Rückrunde der vergangenen Saison spielte, losgeeist. Bei den Oberfranken lief Webers Vertrag aus. „Vielleicht wäre er verlängert worden, aber ich habe mich dagegen und für den TuS Ferndorf entschieden, weil sich die Verantwortlichen des Vereins sehr um mich bemüht, mich sogar besucht haben. Das wusste ich sehr zu schätzen“, erläutert Patrick Weber seine Beweggründe, einem ambitionierten Zweitligisten, der in der vergangenen Saison knapp am Aufstieg in die 1. Liga scheiterte, die kalte Schulter zu zeigen und stattdessen ins beschauliche Kreuztal, selbst ernannte „Handball-Dorf Ferndorf“ zu wechseln, „obwohl ich doch gar keine guten Erinnerungen an Ferndorf habe...“ Mit seinen Ex-Vereinen kreuzte Patrick Weber schon mehrfach in der Sporthalle Stählerwiese auf – meist ohne Erfolg. „Aber die Stimmung, die Atmosphäre, war immer riesig. Auch das hat mich motiviert, zum TuS Ferndorf zu wechseln. Die Zuschauer sitzen ja so nah dran, die könnten dir ja glatt eine Ohrfeige geben. Für Gastmannschaften ist diese Atmosphäre echt herausfordernd“, sagt einer, der bei seinen vorherigen Stationen schon vor 10.000 Zuschauern – in fremder Halle wohlgemerkt – spielen musste.

„Ich weiß, dass der Verein und die Zuschauer von mir einiges erwarten“, ist sich der gebürtige Mainzer darüber bewusst, dass ihn der TuS Ferndorf deshalb verpflichtet hat, weil er mit seinem Charakter perfekt in die Mannschaftsstruktur passt und um die Qualität des Angriffs deutlich zu verbessern. Gerade auf den Halbpositionen im Rückraum sah man beim TuS Ferndorf nach den Erkenntnissen aus der Vorsaison Handlungsbedarf.

Prädikat „härtester Wurf der Liga“

An Erfahrungen mangelt es Patrick Weber, der sich 2018 über die vom Fernsehsender Sky und der DKB Handball-Bundesliga verliehene Auszeichnung „Härtester Wurf der 1. Liga“ (120 km/h) freuen durfte, jedenfalls nicht, hat er für HBW Balingen-Weilstetten (2013-2015), die TSG Friesenheim (2015-2018), SG BBM Bietigheim (Hinrunde 2018/2019) und den HSC 2000 Coburg (Rückrunde 2018/2019) doch etliche Spiele in der 1. und 2. Liga absolviert. Sein bislang größter Erfolg war 2016/2017 der Aufstieg mit Friesenheim in die 1. Bundesliga. Diese lehrreichen Jahre haben Patrick Weber geprägt, auch wenn die jüngere Zeit in Bietigheim und Coburg nicht die schönste war. Jetzt, in Ferndorf, schaut er nicht mehr zurück, sondern voll gepackt mit Motivation nach vorne, wenn es für den TuS ins zweite Zeitliga-Jahr in Folge geht. „Nichts ist selbstverständlich, aber wir haben das Zeug, erneut die Klasse zu halten und einen Mittelfeldplatz zu belegen. Wir Neuen werden dabei viel helfen können, aber ich warne vor zu hohen Erwartungen an uns und an die Mannschaft“, bleibt Patrick Weber in seiner persönlichen Vorschau eher defensiv, „aber ich bin bereit, in diesem tollen Team Verantwortung zu übernehmen.“

Bruder ist ein exzellenter Speerwerfer

Um ein Haar wäre der Zopfträger übrigens gar nicht beim Handball gelandet, obwohl auch Opa und Vater auf diesem Terrain gut waren und seine Schwester in der 3. Liga spielt. „Ich war ein passabler Hochspringer“, erzählt Patrick Weber, bei dem aber schnell die Erkenntnis reifte, es mit dem Mannschaftssport Handball zu versuchen – im Gegensatz zu seinem drei Jahre jüngeren Bruder Julian, der mit einer Bestweite von 88,29 m einer der stärksten deutschen Speerwerfer ist, aber das Pech hat, dass es in dieser genialen deutschen Speerwerfer-Generation mit Thomas Röhler, Johannes Vetter und Andreas Hofmann noch drei Bessere gibt und er damit nicht so im Fokus der Öffentlichkeit steht.

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