Oberliga-Derby am Sonntag

Mats-Lukas Scheld: „Ich sehe uns nicht als Favorit“

Am 23. September 2017 erzielt Mats-Lukas Scheld (Zweiter von links) per Elfmeter den 1:0-Siegtreffer für den  1. FC Kaan-Marienborn gegen die Sportfreunde Siegen. Die Neuauflage gibt es am Sonntag.

Am 23. September 2017 erzielt Mats-Lukas Scheld (Zweiter von links) per Elfmeter den 1:0-Siegtreffer für den 1. FC Kaan-Marienborn gegen die Sportfreunde Siegen. Die Neuauflage gibt es am Sonntag.

Foto: Reinhold Becher

Ausgerechnet im Derby gegen die Sportfreunde Siegen bestreitet Mats-Lukas Scheld am Sonntag sein 150. Pflichtspiel für den 1. FC Kaan-Marienborn.

Kaan-Marienborn/Siegen. Die fußballerische Vergangenheit von Mats-Lukas Scheld bei den Sportfreunden Siegen ist kurz. Als C-Jugendlicher kickte er in der Saison 2008/2009 im Leimbachtal, ehe er erst zu Schalke 04, dann zu Rot-Weiß Oberhausen wechselte, in beiden Vereinen jeweils in der Jugend-Bundesliga sein großes Talent unter Beweis stellte. Zur ganz großen Profi-Karriere reichte es dann aber nicht.

Seit Juli 2013 spielt der 25-Jährige für den 1. FC Kaan-Marienborn, ist er nach Toni Gänge der dienstälteste Kicker im Kader, hat mit dem kleinen Verein seitdem wenige Tiefen wie den Abstieg aus der Regionalliga in diesem Jahr, aber umso mehr Höhen erlebt. Sportlich herausragend: Der Aufstieg in die Regionalliga 2018. Den persönlich emotionalsten Aufreger gab es bereits ein Jahr zuvor: Es war der 23. September 2017, als Mats-Lukas Scheld nervenstark einen umstrittenen Foulelfmeter zum 1:0-Sieg des 1. FC Kaan-Marienborn im Oberliga-Stadtderby gegen die Sportfreunde Siegen und deren blutjungen Torwart Christoph Thies verwandelte. Sieg gegen die „großen“, gerade aus der Regionalliga abgestiegenen Sportfreunde und ein Moment, der Mats-Lukas Scheld gerade in diesen Tagen besonders häufig in Erinnerung gerufen wird, wenn am Sonntag das nächste Lokal-Derby, wieder im Breitenbachtal, auf dem Programm steht. Pikanterie am Rande: Es wird das 150. Pflichtspiel von „Matse“ im Trikot des 1. FC Kaan-Marienborn sein.

Von den Kumpels fast zerdrückt

„Ja klar, daran denke ich immer mal wieder zurück, gerade jetzt“, sagt Mats-Lukas Scheld, „da passte in dem Moment alles.“ Frenetisch ließ er sich von der Mannschaft feiern, wurde von seinen Kumpels fast ins Absperrgitter gedrückt, wie „historische“ Bilder beweisen. Das es nach gut 60 Minuten bereits das Siegtor sein sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner.

Derby, Derby, Derby – bei den Känern gibt es in diesen Trainingstagen kaum ein anderes Thema, fällt es schwer, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. „Natürlich ist es ein besonderes Spiel, auf das sich alle freuen und auf das alle hinfiebern. Wenn der Spielplan raust ist, guckt du erst, wann die Spiele gegen Siegen sind, denn da knistert es gewaltig, ist es das Nonplusultra-Spiel“, kann auch Mats-Lukas Scheld den Anpfiff kaum erwarten, geht es doch um die Nummer 1 im Siegener Fußball und damit um einen Status, den der 1. FC Kaan-Marienborn nach dem Aufstieg in die Regionalliga für eine Saison genießen durfte. Jetzt, nach dem sofortigen Abstieg, ist man wieder auf Augenhöhe mit dem traditonsbeladenen Nachbarverein, will aber in der Tabelle unbedingt vor den Sportfreunden bleiben. Die Formkurve spricht dabei für den 1. FC Kaan-Marienborn, der in dieses Spiel mit dem Rückenwind aus der mit 2:0 gewonnenen Partie in Hamm geht und den Kader durch Armin Pjetrovic in dieser Woche noch einmal verstärkt hat.

„Als Favorit sehe ich uns trotzdem nicht an“, wehrt Mats-Lukas Scheld diese Rolle ab, „denn auch Siegen hat eine Mannschaft, die sehr gut kombinieren kann. Da gibt es einige schnelle, quirlige Jungs, die einfach nur Fußball spielen wollen und diesen Stiefel gnadenlos durchziehen. Rhynern hat die Sportfreunde aber mürbe gespielt“, sah Mats-Lukas Scheld als Augenzeuge des 1:1 vom vergangenen Samstag auch die Kehrseite dieser eindimensionalen Taktik. Ein Problem des Gegners hat der 25-Jährige auch bei Standardsituationen ausgemacht.

Stärken hin, Schwächen her – solche außergewöhnlichen Spiele werden nicht nur mit Fuß und Schädel, sondern auch im Kopf entschieden. „Wer den Kampf annimmt, wer gleich präsent ist, hat entscheidende Vorteile“, glaubt Mats-Lukas Scheld, „du musst sofort voll da sein und Emotionen zeigen. Am Ende werden Kleinigkeiten und die Tagesform über Sieg und Niederlage entscheiden.“

Selbstbewusst, aber nicht überheblich

Seinem Verein, dem 1. FC Kaan-Marienborn, dem er im siebten Jahr in Folge die Treue hält und für den er seit 2013 insgesamt 149 Pflichtspiele in Pokal und Meisterschaft bestritten hat, traut Mats-Lukas Scheld – natürlich – den Derbysieg zu. Es wäre der zweite nach dem besagten 1:0 vor zwei Jahren. „Wir gehen nach dem Erfolg in Hamm sicherlich mit neuem Selbstvertrauen in dieses Spiel, werden aber nicht überheblich sein“, sagt der Linksfuß, der seinen Platz im Käner Mittelfeld inzwischen gefunden hat. „Ich fühle mich da wohl, wo mich Trainer Tobias Wurm hinstellt – ob nun auf der Sechser- oder Achterposition.“

Verantwortung gut verteilt

Als jemand, der die Führungsrolle in der Zentrale beansprucht, fühlt sich Mats-Lukas Scheld allerdings nicht: „Ich sehe mich nicht als Leader, der vorangeht. Es ist gut, dass wir die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen können. Einer davon bin ich. In Hamm haben Johannes Burk und Jannik Schneider neben mir im Mittelfeld gespielt. Das hat gut geklappt.“ Gegen die Sportfreunde Siegen wird Mats-Lukas Scheld, sollte er fit und gesund sein, sicherlich auch erste Wahl sein, ist er zum unverzichtbaren Stammspieler gereift – und das nicht nur wegen seiner gefürchteten „linken Klebe“.

Nach einem konkreten Tipp für das Derby gefragt, ließ sich Mats-Lukas Scheld übrigens ein „2:0 für den 1. FC Kaan-Marienborn“ entlocken. Die 90 Minuten plus X werden am Sonntag zeigen, ob der Siegener mit seiner Prognose richtig liegt.

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