Kunstturnen

KTV Obere Lahn freut sich über drei Gerätpunkte

Eine Bank: Andrey Likhovitskiy am Reck.

Eine Bank: Andrey Likhovitskiy am Reck.

Foto: Florian Runte

Biedenkopf.  Obere-Lahn-Turner verlieren beim Zweitliga-Auftakt mit 27:57 erwartungsgemäß klar gegen Eintracht Frankfurt.

Die Weltklasse-Leistungen von Kunstturner Andrey Likhovitskiy erscheinen endlich in einem angemessenen Licht. Statt der alten grünstichigen Funzeln leuchten in der Turnhalle der Lahnschule in Biedenkopf nun moderne LED-Lampen und sorgen für erstklassige Sichtverhältnisse. Nur noch zweitklassig ist nach dem freiwilligen Rückzug aus der ersten Bundesliga hingegen die KTV Obere Lahn, weshalb die Kulisse bei der 27:57-Auftaktniederlage gegen Eintracht Frankfurt kleiner war als in vergangenen Jahren. Dass nicht jedem Fan der Schritt vom Profi- zum (hochambitionierten) Feierabendturnen zu vermitteln sein würde, war aber erwartet worden.

201 zahlende Zuschauer verfolgten das Duell des amtierenden Deutschen Meisters gegen den Aufstiegsaspiranten aus der Bankenmetropole, was in der dieser Liga keine schlechte Kulisse ist, aber natürlich anderes, als man mit häufig vierstelligen Zahlen aus den Vorjahren gewohnt ist. „Diese Zahl hatten wir im Vorfeld in etwa so erwartet, weil heute auch noch viele Nachtreffen der Grenzgang-Gruppen stattgefunden haben“, sagte der Vorsitzende Philipp Wiemers: „Mitte September sind die Zahlen immer niedriger.“

Mit der Resonanz konnten die KTV-Verantwortlichen leben, mit dem sportlichen Resultat auch. Immerhin drei Gerätpunkte für die am Saisonende womöglich noch wichtige Zweitwertung ergatterte die Obere Lahn gegen den Titelaspirant der Nordstaffel, gegen den es beim letzten Aufeinandertreffen vor zwei Jahren in der dritten Liga – damals noch als KTV Obere Lahn II – mit 9:95 eine bittere Lehrstunde gab.

Debakel für Davtyans

„Frankfurt war sehr solide und wird vorne dabei sein“, stellte KTV-Trainer Albert Wiemers fest: „Es hätte für uns auch nicht gereicht, wenn Felix Weber dabei gewesen wäre und wir die Fehler am Sprung nicht gehabt hätten.“ Die vier Duelle am Tisch waren mit einem 0:23 ein Desaster für die Lahntaler und bescherten Frankfurt das Gros der 30 Punkte Differenz. Marvin Schuster und Maik Wehn mussten aufgrund geringerer Schwierigkeiten jeweils vier Score-Punkte an ihre Kontrahenten abgeben, der Niederlaaspher Michel Bürgel musste seinen Tsukahara mit Drehung nach schlechtem Timing beim Anlauf abbrechen und gab weitere fünf Punkte ab.

Bizarr wurde es, als ausgerechnet Artur Davtyan, Sieger der Europaspiele an diesem Gerät, das Maximum von zehn Score-Punkten an seinen Kontrahenten abgeben musste. Warum, steht auf Seite 101 bzw. Artikel 13.2.1.7e) im Regelbuch: „Der Sprung ist ungültig (0 Punkte), wenn der Turner nicht zuerst mit den Füßen landet. Das heißt, dass mindestens ein Fuß die Landematte vor irgendeinem anderen Körperteil berührt.“ Der Armenier landete bei seiner Flugshow auf dem Rücken und rang nach dem Fauxpas um Fassung.

An Boden und Ringen „lieferte“ Davtyan hingegen wie erhofft und erzielte jeweils drei Punkte, dennoch gewann die Eintracht diese Geräte ebenso wie das Pferd, an dem Likhovitskiy fünf Zähler holte. Frankfurt hatte in Sachen Schwierigkeit mehr anzubieten, dazu war Sunny Joe Fiecker an diesen Geräten neben der Spur. Als letzter Mann am Pferd verschenkte der 16-jährige Bad Laaspher mit zwei Absteigern bzw. einem 0:5 einen möglichen Gerätsieg seines Teams und bekam am Sprung eine Pause verordnet.

„Wie er dann am Barren und Reck zurückkommt, ist mental klasse“, freute sich Philipp Wiemers für den Jüngsten im Team, der am Ende zeigte, was er seit der vergangenen Saison gelernt hat. „Dass ich mich noch mal zusammengerissen und gefangen habe, lag auch am Team. Das hat mich aufgebaut“, sagte Fiecker im Anschluss. Am Barren sammelte er mit einer sauberen Übung drei Scorer gegen den Ukrainer Eduard Yermakov, der ein Element verpatzte. Und weil sein Trainer Likhovitskiy danach mit satten 14,15 Punkten glänzte, war der Gerätsieg perfekt.

Auch am Reck war das Gespann gut drauf und holte zumindest ein Remis. Fiecker zeigte erstmals in der Bundesliga den „Adler“ und holte zwei Punkte, Likhovitskiy mit der Tageshöchstnote von 14,65 Punkten erneut fünf. Er ist vor den Weltmeisterschaften, die Anfang Oktober in Stuttgart steigen, in Topform und peilt die Olympia-Qualifikation für 2020 in Tokio an.

Positiv für die Grundeinstellung

„Mit 33 Jahren noch so ein Programm abzuspulen, ist weltweit wahrscheinlich einmalig“, sagt Philipp Wiemers. Er war auch mit den Leistungen des restlichen Teams zufrieden. Vor allem im Hinblick auf Michel Bürgel und Vincent Brusch stellte er fest: „Bei den Jungs hat es die Grundeinstellung positiv verändert, dass sie jetzt die erste Mannschaft sind.“

Der Überblick

KTV Obere Lahn 27
Eintracht Frankfurt 57

(Turnpunkte:263,40:286,00; Gerätpunkte 9:3)

Boden

Davtyan - Neuhäusel 13,50:12,85 3:0

Fiecker - Volk 10,90:12,45 0:4

Bürgel - Spetzke 10,80,11,60 0:3

Wehn - Yermakov 12,05:12,10 0:0

47,25:49,00 3:7

Pferd

Wiemers - Dzianis 10,30:11,50 0:4

Brusch - Spetzke 10,75:10,50 1:0

Likhovitskiy - Neuhäusel 14,00:11,85 5:0

Fiecker - Volk 8,00:11,25 0:5

43,05:45,10 6:9

Ringe

Fiecker - Kleinstück 10,55:11,40 0:3

Brusch - Spetzke 10,70:10,80 0:0

Reuter - Volk 10,35:11,05 0:3

Davtyan - Yermakov 14,30:13,55 3:0

45,90:46,80 3:6

Sprung

Schuster - Neuhäusel 11,85:13,15 0:4

Wehn - Spetzke 11,55:13,00 0:4

Bürgel- Kleinstück 7,80:12,00 0:5

Davtyan - Dzianis 0:13,85 0:10

31,2:52,00 0:23

Barren

Wiemers - Spetzke 11:55:11,70 0:1

Reuter - Volk 10,85:12,35 0:4

Fiecker - Yermakov 11,75:11,00 3:0

Likhovitskiy - Kleinstück 14,15:11,90 5:0

48,30:46,95 8:5

Reck

Fiecker - Volk 11,40:10,90 2:0

Wehn - Dzianis 11,05:12,35 0:4

Likhovitskiy - Neuhäusel 14,65:11,60 5:0

Wiemers - Kleinück 10,60:11,30 0:3

47,70:46,15 7:7


Andere Ergebnisse des 1. Wettkampftags:
KTV Fulda - TG Saar II 34:50
TV Großen-Linden - KTG Heidelberg 26:38
KTV Koblenz - TSG Grünstadt 26:44

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