Ein 3:1 im Stadtduell

Jacob Pistor Siegener Sieg-Garant im Derby

Jacob Pistor bejubelt seine Tore im Stadtduell. Drei Mal trifft er für die Sportfreunde im Breitenbachtal.

Jacob Pistor bejubelt seine Tore im Stadtduell. Drei Mal trifft er für die Sportfreunde im Breitenbachtal.

Foto: Rene Traut

Kaan-Marienborn.  Erster Derby-Erfolg für die Siegener Sportfreunde im dritten Anlauf gegen den 1. FC Kaan-Marienborn. Ein verdientes 3:1 im Breitenbachtal.

Ein Typ wie Tobias Wurm hat sie, seiner Mannschaft ging sie ab: Derby-Mentalität. Beim 1. FC Kaan-Marienborn herrschte in dieser Hinsicht größtenteils Fehlanzeige. Die verdiente 1:3 (0:1)-Stadtduell-Niederlage vor 1400 Zuschauern im Breitenbachtal sah dagegen überglückliche Gesichter bei den Siegener Sportfreunden. Dort wurde in 90 Minuten eben die für ein solches Derby notwendige Einstellung wahrgenommen. Und vor allem in fußballerische Überlegenheit umgemünzt. Der erste Oberliga-Sieg im dritten Duell dieser beiden Teams.

Wenn zudem ein Mann wie Jacob Pistor im Team ist, dann fallen auch die nötigen Tore. Drei Mal schlägt der 20-Jährige zu. „Überragend, dass er das macht...“, lobt Trainer Dominik Dapprich seinen Angreifer. Schon nach fünf Minuten taucht Pistor frei vor Kaans bestem Mann, Torhüter Christian Bölker auf, der sich mit seiner sprichwörtlichen Bier-Ruhe ganz breit macht und den frühen Einschlag verhindert. Ähnlich erging es zehn Minuten später Yannick Wolf, dem Bölker ebenfalls auf diese Weise den Schneid abkaufte.

Schnelles Umschaltspiel

Auf der Gegenseite passierte vor dem von Christoph Thies gehüteten Sportfreunde-Tor nichts annähernd Ähnliches. Die Siegener hatten den Platzherren mit einer flexiblen Vier-Mittelfeldkette, aus der sich Wolf gegen den Ball noch zusätzlich in die Abwehrreihe fallen ließ, Ball und Räume überlassen, um dann selbst bei Ballgewinnen blitzschnell mit zwei, drei Pässen die beiden Spitzen zu bedienen. Neben Pistor hatte Dominik Dapprich den Japaner Ryo Suzuki in die vorderste Reihe beordert.

Eine Maßnahme, die sich als entscheidend erweisen sollte. „Wir wollten den Gegner vor Aufgaben stellen - und das haben wir getan“, begründet Dominik Dapprich die System-Umstellung. Die Käner waren sichtlich überrascht, fanden nicht in ihr gewohntes Spiel, blieben eine Halbzeit ohne jede Torgefahr und wussten mit der optischen Überlegenheit nichts anzufangen. Übermäßig viele Ballverluste verhinderten den Aufbau jeglicher Dominanz.

Obendrein schwächten sie sich zwei Minuten nach Pistors Führungstor, das er nach Pfostenschuss von Satoshi Horie in bester Torjägermanier erzielte, selbst: Dawid Krieger ließ in der 31. Minute seinen frühen Frust an Wolf aus. Direkt vor der Siegener Auswechselbank zückte der Neunkirchener Regionalliga-Unparteiische Felix Weller die Rote Karte. Nach Daniel Waldrich, der noch zwei Wochen Sperre abbrummen muss, verliert der FCK damit bereits einen zweiten Angreifer. Ein Platzverweis, der die Käner zusätzlich schwächte. Ob ein für sie erfreulicheres Resultat herausgesprungen wäre, hätte es der Schiedsrichter bei einer Verwarnung belassen, ist indes kaum anzunehmen.

In der Pause hatte Trainer Tobias Wurm seinen Männern trotz Unterzahl offenbar doch so etwas wie Mentalität mit auf den Weg gegeben. Zudem besetzte er die Flügel doppelt, auf denen zuvor Nino Saka rechts und Arthur Tomas links auf sich allein gestellt waren. Das breite Fünfer-Mittelfeld hatte sich in Halbzeit eins eher zentral aufgestellt. Eine Maßnahme, die nur drei Minuten nach Wiederbeginn endlich die erste Chance brachte - und prompt das 1:1 durch die jetzt alleinige Spitze Eugene Ofosu-Ayeh, begünstigt durch die vielzitierte Siegener Sorglosigkeit in der Defensive. Viel zu leicht wurde es Mats Scheld gemacht, den Ball von der linken Seite vors Tor zu bringen, wo der Neuzugang aus Paderborn lauerte und zum 1:1 vollendete.

Schnell zurück zur Ordnung

Die in dieser Szene vermisste Ordnung, die die Siegener in Halbzeit eins so stark gemacht hatte, hielt aber in der Folge wieder Einzug ins Sportfreunde-Spiel. „Das ging zum Glück sehr schnell“, atmete Dominik Dapprich auf.

Hatte Suzuki die erste Gelegenheit, die Sportfreunde erneut in Führung zu bringen (58.), ausgelassen, Christian Bölker war einmal mehr im Eins gegen Eins nicht zu bezwingen, war es vier Minuten später aber passiert. Erneut war Suzuki im Strafraum einschussbereit, wieder wehrte Bölker ab, Pistor aber mit Treffer Nummer zwei aufwartete, weil er konsequent nachsetzte. Treffer Nummer drei acht Minuten später weist ähnliche Vorzeichen auf: Suzuki strebt allein dem Tor zu, kommt nach einem Zupfer ins Straucheln. Den durch den Fünfer irrenden Ball jagt Pistor in die Maschen.

Über den verdienten Sportfreunde-Sieg kann es keine zwei Meinungen geben, aber eine Warnung von Tobias Wurm in Richtung Rückspiel Mitte März ist als Kampfansage zu verstehen: „Da wird es eine andere Käner Mannschaft geben.“

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