Leichtathletin Lara Hoffmann

„Ich lasse das meinen Körper entscheiden“

Bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften Mitte Februar in der Arena Leipzig gewinnt Lara Hoffmann  das 400 Meter-Finale. Es ist einer der Höhepunkte für die Vormwalderin in diesem Jahr.

Foto: Hendrik Schmidt

Bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften Mitte Februar in der Arena Leipzig gewinnt Lara Hoffmann das 400 Meter-Finale. Es ist einer der Höhepunkte für die Vormwalderin in diesem Jahr.

Köln/Vormwald.   Die aus Vormwald stammende 400 m-Läuferin schaut auf ein wechselhaftes Jahr zurück und wagt einen Ausblick.

Es ist in den vergangenen Monaten etwas still geworden um Leichtathletin Lara Hoffmann (26). Für die Vormwalderin neigt sich ein bewegtes und bewegendes Jahr zu Ende – ein 2017 voller Höhen, aber auch unerwarteter Tiefen.

Zum Jahreswechsel sprachen wir mit der 400 m-Spezialistin, die seit 2011 für das Leichtathletikteam Deutsche Sporthochschule (LT DSHS) Köln startet.


Hallo Lara, haben Sie die Weihnachtstage in Ihrer Heimat verlebt?
Ja, Sie erwischen mich gerade in Winterberg. Dort habe ich meine Mutter besucht. Und gelaufen bin ich hier auf dem Gelände der Bobbahn auch schon. Für’s Training ist das gar nicht schlecht.


2017 neigt sich dem Ende zu – Zeit, um auf Ihr Sportjahr zurück zu blicken. Teilen Sie die Meinung, dass es für Sie ein Jahr mit Wechselbädern der Gefühle war?
Das kann man so sagen. Der Winter lief prima, die Hallensaison war unglaublich. Ich konnte den Aufwind von den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro mit ins neue Jahr nehmen. Aber schon in den Trainingslagern habe ich Probleme mit dem Fuß bekommen. Dann kam das Ding mit der Disqualifikation bei den World Teamrelays auf den Bahamas, der Blackout in Regensburg. Trotzdem durfte ich nach den guten Leistungen bei der Deutschen Meisterschaft mit zur WM nach London, wo ich dann aber muskuläre Probleme bekommen habe. Ich bin aus dem Sommer herausgegangen mit einer Blessur, die mich bis heute behindert und die mir auch mental zu schaffen macht. Gott sei Dank werde ich immer wieder von einem guten Team aufgebaut.


Wie schlimm ist die Verletzung?
Tja, das weiß ich noch immer nicht so genau. Es ist wahrscheinlich eine Sehnenreizung in der Beugermuskulatur. Ich habe schon fast alle Therapieformen durch, bin aber halt nicht immer beschwerdefrei. Eine erneute Eigenbluttherapie wäre die letzte Option, weil dadurch eine Miniverletzung am Muskel provoziert werden kann.


Was bedeutet das für die bevorstehende Hallensaison 2018?
Das kann ich zurzeit nicht sagen. Ich bin zwar einigermaßen im Aufbau, hänge aber in der Schnellkraft, bei Sprints und Sprüngen, zurück. Ich werde nach dem Trainingslager Mitte Januar auf Teneriffa entscheiden, ob ich Hallenwettkämpfe bestreiten oder passen werde. Im Zweifel verzichte ich lieber, obwohl ich gerne in der Halle laufe.


Weil ja im Sommer auch ein Höhepunkt mit den Europameisterschaften in Berlin warten könnte...
Genau. Ich werde alles dafür geben, auf der blauen Kunststoffbahn im Olympiastadion zu laufen. Zumindest in der deutschen Staffel.


Und wie sieht es mit einem möglichen Einzelstart über 400 m aus?
Na ja, den nehme ich mir natürlich auch vor. Die EM-Norm ist gerade herausgekommen, sie liegt rund sechs Zehntel unter meiner Bestzeit von 52,84 Sekunden. Das ist machbar, aber dafür muss ich gesund bleiben bzw. werden und die richtige Tempohärte bekommen. Ich habe noch nie so wenige 400 m-Läufe bestritten wie im Sommer 2017.


Die sportliche Entwicklung ist der eine Aspekt, die Förderung für Sie als Leistungssportlerin ein anderer. Was hat es mit dem Deutschland-Stipendium auf sich, mit dem Sie unterstützt werden?
Das ist ein Stipendium der Deutschen Sporthochschule Köln in Verbindung mit der Telekom. Als studierende Leistungssportlerin erhältst du einen monatlichen Betrag, Das ist eine enorme Hilfe, die aber alleine nicht ausreicht.


Das hört sich mit Blick auf 2018 und die Folgejahre nach einer gehörigen Portion Ungewissheit an, die Ihnen zu schaffen macht.
Das kann man wohl sagen. Ich weiß nicht, was ich 2018 nach der Spitzensportreform von der Deutschen Sporthilfe und dem Deutsche-Bank-Stipendium erwarten kann. Eine Entscheidung, ob ich in meinem Status gefördert werde, ist Ende Januar zu erwarten. Ich mache mir schon viele Gedanken, wie es in Zukunft auf meinem Konto aussieht.


Reifen da auch Gedanken an ein Karriere-Ende? Mit 26 Jahren sind Sie doch im allerbesten Leichtathletik-Alter...
2018 kommt das nicht in Betracht. Nach der Saison werde ich aber in Ruhe überlegen müssen, ob ich den Leistungssport so weiter betreiben möchte und kann. Ich will nicht alles am Geld festmachen, sondern lasse das meinen Körper entscheiden. Der muss mitspielen.

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