Kunstturnen

TSG Grünstadt zeigt der KTV Obere Lahn die Grenzen auf

KTV Obere Lahn

KTV Obere Lahn

Foto: Florian Runte

Grünstadt.  Beim 27:69 holen einzig die „Profis“ der KTV Oberen Lahn Score-Punkte. Felix Weber feiert Comeback, Andrey Likhovitskiy übersteht Schrecksekunde.

Profis mit Ambitionen in Richtung Weltspitze auf der Ausländerposition, Feierabendturner, alte Haudegen und aufstrebende Talente auf den anderen Positionen. So setzt sich in dieser Saison die Riege der KTV Obere Lahn zusammen, woraus ein enormes Leistungsgefälle innerhalb des Teams resultiert. Die 27:69-Niederlage der Oberen Lahn im Zweitliga-Wettkampf bei der TSG Grünstadt offenbarte dies in schonungsloser Deutlichkeit.

Andrey Likhovitskiy und Artur Davtyan, die im Oktober für Weißrussland bzw. Armenien bei der WM in Stuttgart turnen, bewegten sich nah am Optimum und holten in der Pfalz alle 27 Score-Punkte der KTV. Dennoch musste die Obere Lahn nicht nur den Wettkampf, sondern auch alle Gerätpunkte abgeben – alle 18 weiteren Duelle gingen nämlich verloren. Die von Sportwart Albert Wiemers gecoachte Riege, nun Tabellenvorletzter, leistete sich zwar weniger Fehler als vor Wochenfrist gegen Frankfurt, dennoch reichte es bei weitem nicht.

„Grünstädt war einfach besser als wir“, stellte Albert Wiemers mit Blick auf die dargebotenen Schwierigkeiten fest. Die D-Werte der TSG lagen – die Ausländerposition ausgeklammert – im Mittel ein bis zwei Punkte über denen der Wittgensteiner und Hinterländer, dazu machten sie kaum Fehler. So war die KTV chancenlos.

Bessere Leistung als gegen Frankfurt

„Insgesamt hat Grünstadt wenig Angriffsfläche geboten, sie hatten bis zum Reck nur einen groben Fehler“, stellte Taktik-Chef Felix Wiemers fest. „Und wenn sie doch mal ein Fehlerchen hatten, haben wir mit mindestens einem gekontert“, ergänzte sein Papa, Albert Wiemers. Vor allem am Pferd und am Reck gingen deshalb greifbare Gerätpunkte verloren. „Vor allem am Reck hatte ich Hoffnung. Aber knapp daneben ist auch vorbei“, sagte Albert Wiemers, der trotz allem nicht gänzlich unzufrieden war: „Man kann, darf und will keinem unserer Sportler einen Vorwurf machen. Vom turnerischen Niveau her haben wir uns gesteigert.“

Der Blick auf die Zahlen bestätigt dies: Beim Auftakt gegen Frankfurt gab es nach absoluten Turnpunkten 263,40 Zähler, diesmal waren es 281,95 – eine Zahl, mit der man gegen die weniger versierten Teams der zweiten Bundesliga zumindest konkurrenzfähig ist.

Gegen Grünstadt reichte es nicht, doch spätestens mit der Leistung vom Samstag dürften sich die Pfälzer leise Hoffnungen machen, die Rolle des „Zweitliga-Dinos“ endlich abzulegen – in Form eines Aufstiegs.

In Sachen Rahmenprogramm sind die Grünstädter im Grunde bereits erstligatauglich. Die Ergebnisse wurden gut lesbar über eine LED-Tafel angezeigt, den Einlauf in die Halle bestritten die Turner mit Kindern des Vereins an der Hand – und vorne tanzten die Cheerleader aus Kaiserslautern. Auch das Kampfgericht tat seinen Teil für einen gelungenen Abend und ermöglichte mit schnellen Wertungen ein Wettkampfende nach schon zwei Stunden.

Die KTV nahm noch drei positive Erkenntnisse mit. Erstens: Felix Weber dürfte nach seinem mehrfachen Bänderriss früher wieder der alte sein als zunächst gedacht. In Grünstadt wirbelte der Biedenkopfer an den Ringen und am Barren, wobei er aber jeweils einen schonenden Abgang wählte.

Zweitens: Weber trat so wieder Rest seines Teams verletzungsfrei die Heimreise an, was vor allem bei Likhovitskiy keine Selbstverständlichkeit war. Bei einem defekten Barrenpfosten hatte der Nachwuchscoach Glück, heil wieder auf die Füße zu kommen. Drittens: Davtyan und vor allem Likhovitskiy sind fit für die WM. Am Pferd erzielte Andrey 14,70 Punkte – ein Weltklasse-Wert.

Der Bad Laaspher Sunny Joe Fiecker turnte als einziger Athlet der KTV Obere Lahn an allen sechs Geräten und erzielte in seinem Mehrkampf 64,65 Punkte. Ein grober Fehler unterlief dem 16-Jährigen zwar einzig am Pferd, teilweise summierten sich aber kleine Unsicherheiten zu empfindlichen Abzügen. Am Reck duellierte sich Fiecker mit dem langjährigen KTV-Turner Thore Gauch und musste diesem mit 10,15 Punkten einen Score-Punkt überlassen. Lasse Gauch fehlte der TSG verletzt. – Die Statistik

TSG Grünstadt 69
KTV Obere Lahn 27

(295,60:281,95; Gerätpunkte 12:0)

Boden

Boulet - Wehn 13,80:11,20 5:0
Graf - Fiecker 12,95:11,60 4:0
Damrau - Davtyan 11,65:13,30 0:4
Fröhlich - Bürgel 11,70:9,65 5:0

50,10:45,75 14:4

Pferd

Jäger - Likhovitskiy 12,45:14,70 0:5
Damrau - Brusch 11,65:11,05 3:0
Graf - Fiecker 11,30:9,75 4:0
Boulet - Wiemers 11,35:10,45 3:0

46,75:45,95 10:5

Ringe

Damrau - Brusch 12,55:11,15 4:0
Boulet - Weber 13,15:11,10 5:0
Jäger - Davtyan 11,60:14,15 0:5
Kindler - Fiecker 11,35:10,45 3:0

48,65:46,85 12:5

Sprung

Volz - Davtyan 12,95:14,70 0:4
Weber - Fiecker 13,00:11,00 4:0
Fröhlich - Wehn 12,70:11,60 4:0
Boulet - Bürgel 13,15:10,70 5:0

51,80:48,00 13:4

Barren

Weber - Fiecker 13,05:11,70 4:0
Boulet - Weber 12,95:11,95 3:0
Jäger - Likhovitskiy 12,90:14,45 0:4
Fröhlich - Wiemers 12,15:10,60 4:0

51,05:48,70 11:4

Reck

Jäger - Likhovitskiy 12,00:14,05 0:5
Weber - Wiemers 12,35:11,20 4:0
T. Gauch - Fiecker 10,30:10,15 1:0
Boulet - Wehn 12,60:11,30 4:0

47,25:46,70 9:5

Andere Ergebnisse der 2. Bundesliga Nord:

Eintracht Frankfurt - KTV Koblenz 58:24
TG Saar II - TV Großen-Linden 23:19
KTG Heidelberg - KTV Fulda 49:11

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