Fußball-Kreisliga

Fußball: Wittgensteiner Titelträume im Stand-by-Modus

Lesedauer: 6 Minuten
Rassige Zweikämpfe auf dem Feld, Verfolgungsjagd in der Tabelle:  Pascal Ernst (grünes Trikot) und der FC Benfe sind Kapitän Lars Koch (links) und dem TSV Aue-Wingeshausen auf den Fersen. Sollte die Saison endgültig abgebrochen werden, treffen sich beide Vereine im Sommer wieder

Rassige Zweikämpfe auf dem Feld, Verfolgungsjagd in der Tabelle: Pascal Ernst (grünes Trikot) und der FC Benfe sind Kapitän Lars Koch (links) und dem TSV Aue-Wingeshausen auf den Fersen. Sollte die Saison endgültig abgebrochen werden, treffen sich beide Vereine im Sommer wieder

Foto: Lisa Hackler

Wittgenstein.  Besonders für die Tabellenführer Sportfreunde Edertal, TSV Aue-Wingeshausen und den FC Benfe II wäre eine Annullierung der Saison bitter.

Seit Monaten schon befinden sich die heimischen Fußball-Vereine in einem Schwebezustand. Wird die laufende Spielzeit 2020/21 nun abgebrochen, oder besteht doch noch Resthoffnung auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs?

Eine endgültige Klärung dieser Frage wird wohl noch auf sich warten lassen, doch an eine Fortsetzung der unterbrochenen Saison glauben im Altkreis Wittgenstein nur noch die kühnsten Optimisten. Sehnsüchtig und ungeduldig wandern deshalb die Blicke immer häufiger nach Kaiserau, dem Hauptsitz des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen (FLVW) –

Dass der Amateursport komplett zum Erliegen gekommen ist, schmerzt zweifelsfrei alle Sportlerherzen, doch für einige Wittgensteiner Vereine könnte es sogar doppelt bitter kommen. Denn sowohl die Sportfreunden Edertal, als auch der TSV Aue-Wingeshausen, der TuS Dotzlar und der FC Benfe II schickten sich in der – mehr oder minder – laufenden Spielzeit an, einen Meisterschafts-Pokal in die Vereinsvitrine zu stellen. Ein Husarenstück, das ihnen nun – wahrscheinlich – vorerst verwehrt bleiben wird.

Kreisliga A

Es wäre ein absolutes Märchen, das die Sportfreunde Edertal schreiben würden. Im einhundertjährigen Vereinsjahr ist der Wiederaufstieg in die Bezirksliga so nah wie schon seit einer Dekade nicht mehr. In den letzten Monaten hatte sich die Elf von Trainer Sandro Trevisi eine hervorragende Ausgangslage für die „Mission Bezirksliga“ geschaffen und thront mit 22 Punkten an der Tabellenspitze der A-Kreisliga – zwei Zähler mehr, als ihre Konkurrenten aus Siegen-Giersberg und Setzen. Dann wurde unterbrochen.

„Ein endgültiger Abbruch wäre einfach traurig. So nah dran an der Bezirksliga waren wir ewig nicht mehr und die Euphorie hatte den ganzen Verein eingenommen“, schüttelt Kapitän Steffen Linde machtlos den Kopf. Hoffnung auf einen möglichen Re-Start hat der 27-Jährige indes nicht mehr und will sich deshalb auch keinen Träumereien hingeben. „Es ist unrealistisch, dass nochmal gespielt wird. Es hätte ein großer Moment für den Verein werden können und mich regt auf, dass der 30. Juni als Frist für die Beendigung der Spielzeit angeschlagen ist. So ist es quasi unmöglich noch auf 50 Prozent der Spiele zu kommen“, plädiert der SFE-Kapitän für eine Verlängerung der Spielzeit, schob aber direkt nach: „Das würde uns den Aufstieg aber auch nicht garantiere. Wir sind ja nicht mit zehn Punkten Vorsprung Erster. Aber eine solche Chance will man als Verein natürlich nutzen. Momentan dominiert die Resignation.“

Kreisliga B2

In einer ähnlichen Situation befindet sich der TSV Aue-Wingeshausen in der Kreisliga B2. Nach sieben Spielen führt die Mannschaft von Trainer Torben Belz die Tabelle mit 16 Zählern an und verweist somit den TSV Weißtal II (15 Zähler) und die Überraschungsmannschaft FC Benfe (14) auf die Plätze zwei und drei. Viele sahen im TSV vor der Saison den Aufstiegsfavoriten und dieser Rolle wurde die Elf von der Wester – bis zur Unterbrechung – absolut gerecht.

„Viel ärgerlicher als eine mögliche Annullierung, ist die verlorene Zeit in der Entwicklung unserer jungen Spieler. Uns allen jucken die Füße, aber die vorherrschenden Infektionszahlen lassen Fußball einfach nicht zu. Sollte abgebrochen werden, müssen wir damit leben“, erklärt Trainer Belz nüchtern. Grundsätzlich, so der Coach, will man den Aufstieg ohnehin nicht am Grünen Tisch geschenkt bekommen. „Wir wollen sportlich aufsteigen. Das heißt für mich, dass mindestens 50 Prozent der Spiele absolviert werden müssen. Und wenn man sich so einen Aufstieg dann verdient hat, will man auch mit Zuschauern feiern. Das macht eine solche sportliche Leistung erst besonders.“

Belz verweist in diesem Zusammenhang auf den SV Feudingen, der seine Meisterfeier im vergangenen Jahr nicht zelebrieren konnte – gibt aber auch zu: „Wenn es zum Abbruch kommt, wäre schon Enttäuschung da. Die jungen Burschen lechzen nach Erfolg und Titeln.“

Kreisliga C3

Für viele überraschend, tummelt sich der TuS Dotzlar in dieser Saison im Aufstiegsrennen um die B-Kreisliga. Die Mannschaft von Trainer Florian Schabert ist der ärgste Verfolger des Tabellenführers TuS Johannland und liegt mit elf Zählern lediglich vier Punkte hinter den Siegerländern – der SV Feudingen II hat sich dahinter als eventueller „lachender Dritter“ positioniert (zehn Punkte).

„Der Saisonverlauf war für uns alle zufriedenstellend, aber auch überraschend. Es ist sehr ärgerlich, dass wir im November ausgebremst wurden. Aber hier im Verein ist auch keiner durchgedreht“, versichert Schabert, der seine Mannschaft selbst gar nicht als Aufstiegsaspiranten einstufen will. „Dafür sind und waren wir noch nicht bereit.“ Nichtsdestotrotz freut sich der neue Übungsleiter der Dotzlarer über die Entwicklung seiner Mannschaft und hätte gerne gesehen, zu welchen Leistungen das junge Team noch im Stande gewesen wäre. „Jetzt harren wir der Dinge, aber ich glaube, dass der Zug für diese Saison abgefahren ist. Zum Glück hat der Verein mit mir verlängert, sonst wäre es ein kurzes Gastspiel geworden. Momentan sind wir im Stand-by-Modus.“

Kreisliga D3

In der Kreisliga D3 herrschte zwischen September und November ein echter Dreikampf um die Meisterschaft. Die Nase vorn hat derzeit der FC Benfe II, der alle fünf Saisonspiele gewinnen konnte. Die Beierbach-Elf wird vom SV Schameder II verfolgt. Im Spitzenspiel zwischen den beiden Meisterschaftsanwärtern setzte sich der momentane Klassenprimus mit einem 2:1-Erfolg durch. In der 89. Minute war es Timo Schneider, der das Spiel für den FC Benfe II entschied und den SVS somit in der Tabelle auf drei Punkte distanzierte. Der VfL Girkhausen (zehn Punkte) ist ebenfalls in Lauerstellung.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben