Fußball

Frauenmannschaft des SV Feudingen brennt auf den Start

Trainingsspiel im Tannenwald: Die Fußballerinnen des SV Feudingen beim obligatorischen Abschluss ihrer Übungseinheit.

Trainingsspiel im Tannenwald: Die Fußballerinnen des SV Feudingen beim obligatorischen Abschluss ihrer Übungseinheit.

Foto: Florian Runte

Feudingen.  Nach zehn Monaten Training wird es langsam ernst für das neu formierte Frauenteam des SV Feudingen. Formiert hat sich die Elf über Instagram.

Knapp daneben, aber vorbei – nach dem Torschuss setzt die Fußballerin folglich zum Trab an, um den Ball von der Laufbahn des Tannenwaldstadions zu holen. Mit einer Handbewegung stoppt Andreas Letzel den Lauf seines Schützlings, kickt nach einem kurzen Zwischensprint einen anderen Ball aufs Feld. Es soll nahtlos weitergehen auf dem Kunstrasen. „Durch spielen lernst du am meisten“, begründet er und ruft – nun an eine Spielerin gerichtet – aufs Feld: „In so einer Situation musst du dabei bleiben.“

Möglichst viel spielen – diese Devise gilt nun nicht mehr nur für das Training des SV Feudingen, sondern auch für Freundschaftsspiele gegen andere Mannschaften. „Dieser nächste Schritt muss jetzt kommen“, sagt Letzel. Im Training ist das Team, das er gemeinsam mit Jannik Jendryschik und Jörn Schneider coacht, bereits seit dem vergangenen September – also fast ein Jahr. In sechs Wochen, am 25. August, wird es dann im ersten Punktspiel der Frauen-Kreisliga ernst für die junge Mannschaft.

Das Attribut jung bezieht sich nicht nur auf den Zeitpunkt der Gründung, sondern auch auf das Alter der Fußballerinnen, die alle 16 bis 18 Jahre alt sind. Theoretisch hätte der SV Feudingen auch ein reines Juniorinnen-Team melden können. „Da könnten dann aber einige nicht mitspielen, deshalb war das erst gar kein Thema“, verrät Jörn Schneider und scherzt in Sachen Saisonziel: „Wir wollen natürlich aufsteigen.“

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Dass sich alle neu gegründeten Frauenmannschaften im Umfeld zu Beginn schwer taten, ist ihm bewusst. Der TuS Dotzlar brauchte für den Meistertitel 2017 satte 14 Jahre Vorlauf, auch Schameder benötigte viel Anlauf. Der SV Oberes Banfetal schaffte nach drei „Lehrjahren“ die erste Saison mit positiver Bilanz. In Feudingen hätten sie nichts dagegen, wenn es schneller geht. „Aber es geht erst mal ums Lernen und Spaß haben. Es wird auch hohe Niederlagen geben“, sagt Schneider. Im ersten echten Testspiel gab es vor einigen Monaten ein 0:8 gegen die Juniorinnen des SV Schameder.

Sorge vor einem schnellen Aufgeben seiner Mannschaft hat das Trainergespann indes nicht. „In dem Spiel gegen Schameder haben sie auch nicht aufgesteckt“, erinnert sich Andreas Letzel. Und auch im Winter, weit entfernt von jedem Punktspieldruck, habe die Mannschaft durchgezogen: „Wir haben sogar im Schnee trainiert. Da waren auch nicht weniger da als jetzt.“

Inzwischen steigt die Intensität. Nachdem zu Beginn nur einmal wöchentlich montags trainiert wurde, sind inzwischen zwei Einheiten pro Woche obligatorisch. Jetzt, in der Vorbereitung, sind es drei. „Das ist schon ganz schön anstrengend. Und die Trainer machen weniger Späße als im Frühling, sie meinen es jetzt ernst“, stellt Johanna Ermert fest.

Sie ist eine von drei Spielerinnen aus Banfe, dazu kommt eine Erndtebrückerin. Ansonsten rekrutiert sich die 17-köpfige Mannschaft aus dem oberen Lahntal, also dem Kern-Einzugsgebiet des SV Feudingen. Tradition hat Frauenfußball bei den Blau-Weißen kaum. 2010 gab es schon einmal den Versuch, ein Team aufzubauen. Lange Bestand hatte die Sache allerdings nicht.

Der neue Vorstoß kommt von den Spielerinnen selbst. Sie fanden durch eine Umfrage bzw. Abstimmung im sozialen Netzwerk „Instagram“ zueinander und konstituierten sich danach im SV Feudingen. „Bei anderen Teams sieht man, dass die Gemeinschaft in einer Fußballmannschaft etwas ganz Besonderes ist“, nennt Eva Afflerbach, eine der Initiatorinnen, ihre Motiviation – neben der Jagd nach dem Ball bzw. dem Torerfolg.

Im Vereinsleben angekommen

In die Vereinsgemeinschaft ist das Team bereits integriert. Es verfolgt die Heimspiele, bringt sich beim Verkauf und bei der Organisation von Veranstaltungen ein. Als Bindeglied zum Vorstand gibt es nun eine Frauenfußball-Beauftragte, zu der Alina Euteneuer gewählt wurde. Sie freut sich auf den Start: „Wir haben uns schon sehr gesteigert, sind jetzt disziplinierter und geordneter auf dem Platz unterwegs.“ Dies bestätigt das Trainerteam, das schon ein brauchbares Positionsspiel sieht: „Das kam ganz von alleine. Hier hat jede Spielerin schon ihre Rolle gefunden.“

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