Eiger Ultra Trail

Ein Kraftakt am Fuße der Eiger-Nordwand

Rüdiger Stahl vor der Kulisse der Eiger-Nordwand. Der 52-jährige Hainchener bewältigt den „Eiger Ultra Trail“ in der Schweiz.

Rüdiger Stahl vor der Kulisse der Eiger-Nordwand. Der 52-jährige Hainchener bewältigt den „Eiger Ultra Trail“ in der Schweiz.

Foto: privat

Der Hainchener Rüdiger Stahl vom ASC Weißbachtal hat am „Eiger Ultra Trail“ über 101 km und 6700 Höhenmeter teilgenommen – und ihn bewältigt.

Grindelwald/Hainchen. Läufer haben in ihrem Leben viele Träume. Den ersten Volkslauf über 10 km oder sogar einen Marathon. Wem diese Herausforderung immer noch nicht reicht, der versucht sich an den magischen „100 Kilometern von Biel“. Doch auch diese Distanz ist im Vergleich zu dem, was die Teilnehmer beim „Eiger Ultra Trail“ in der Schweiz erwartet, ein Kindergeburtstag. Dieser Trail-Lauf bringt selbst erfahre Ultraläufer an ihre Grenzen. der Strecke aufgeben müssen. Die Streckendaten sind selbst für Ausdauersport-Junkies furchteinflößend: Das Rennen mit Start und Ziel in Grindelwald geht über die Distanz von 101 km und 6700 Höhenmetern.

Erst nur ein Gelegenheitsjogger

Dieser Herausforderung stellte sich auch ein Siegerländer: Der 52-jährige Rüdiger Stahl, erst seit drei Jahren Wettkampfläufer beim Ausdauer-Sportclub (ASC) Weißbachtal, erreichte als einer von nur 432 Finishern das Ziel. „Der Lauf war der absolute Hammer und ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde“, schilderte der Hainchener seine Eindrücken vom Fuß der Eiger-Nordwand. In der Königsdisziplin über 101 km erlebten die Läufer auch dieses Jahr wieder ein Spektakel – mit dabei Rüdiger Stahl, der erst gar nicht starten wollte, dann aber vom Verzicht eines Australiers erfuhr, die 220 Euro Startgebühr überwies und dabei war. „Ich musste nur noch meiner Frau und Tochter versprechen, dass ich wieder heil nach Hause zurückkomme…“

Dass der Steuerberater als Freizeitläufer das Ziel erreichen würde, war keinesfalls sicher. 20 Jahre nur als Gelegenheitsjogger unterwegs, hat ihn erst vor drei Jahren beim ASC-Einsteigerkurs die Begeisterung für den Laufsport gepackt. Es folgten Trainingskilometer um Trainingskilometer und viele Wettbewerbe. „Zuletzt bin ich in der Woche rund 100 km gelaufen.“ Zur Bewältigung der 101 bergigen Kilometer innerhalb des Zeitlimits von 26 Stunden reichen jedoch eine gute Vorsätze, Running-Stöcke und gute Laufschuhe allein nicht aus. So lassen sich die Veranstalter die Fitness bestätigen, und auch das Wettkampf-Equipment ist penibel vorgeschrieben. Verpflichtend waren Stirnlampen für die Nacht, Mütze, Rettungsdecke, Handy mit Notfallnummer und ein Erste-Hilfe-Notfall-Paket.

Auch ein Sturz hält ihn nicht auf

Nach dem Startschuss in Grindelwald auf 1000 m Höhe ging es auf schmalen Wanderwegen durch die Nacht die ersten zwölf Kilometer ständig bergauf und dann hinauf zum höchsten Punkt, dem Faulhorn auf 2680 m Höhe. An 13 Etappenpunkten mussten die Teilnehmer die Limitzeiten einhalten – wer zu spät dran war, der wurde aus der Wertung genommen. „Auf der Strecke lief es dann erstaunlich gut. Ich konnte immer wieder mit anderen zusammenlaufen“, berichtete Rüdiger Stahl.

Kilometer für Kilometer führte die Strecke weiter, die Ermüdung stieg, die Kräfte ließen nach, doch Stahl hielt durch. „Streckenlänge, Höhenmeter, Dunkelheit und der Temperaturunterschied haben mir nichts ausgemacht, aber über die Bergabpassagen mit Steintreppen, Geröll und losen Steinen habe ich echt geflucht.“ Zwei Stunden nach Mitternacht, nach 22 Stunden und 9 Minuten, erreichte der 52-Jährige auf Gesamtplatz 302 und als 50. in der Seniorenklasse II das Ziel in Grindelwald und ließ sich überglücklich die Finisher-Medaille um den Hals hängen.

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