Lokale Sportprominenz

Beim Business-Talk wird aus dem Nähkästchen geplaudert

Business-Talk im Leonhard-Gläser-Saal (von links): Ex-Bobsportler Christian Friedrich, der ehemalige Geschäftsführer der TuS Ferndorf Handball GmbH, Frank Böcking, Skeletonpilotin Jacqueline Lölling, Kicker-Chefredakteur Jörg Jakob und der Vorstand der Volksbank Südwestfalen, Norbert Kaufmann.

Business-Talk im Leonhard-Gläser-Saal (von links): Ex-Bobsportler Christian Friedrich, der ehemalige Geschäftsführer der TuS Ferndorf Handball GmbH, Frank Böcking, Skeletonpilotin Jacqueline Lölling, Kicker-Chefredakteur Jörg Jakob und der Vorstand der Volksbank Südwestfalen, Norbert Kaufmann.

Foto: Rene Traut

Siegen.  Gemeinsam mit den Volks- und Raiffeisenbanken tourt das Kicker-Sportmagazin seit 2017 durch die Lande und veranstaltet den „Kicker-Business-Talk“

Gemeinsam mit den Volks- und Raiffeisenbanken tourt das Kicker-Sportmagazin seit 2017 durch die Lande und veranstaltet den „Kicker-Business-Talk“. Am Montagabend machte der Chefredakteur des Fußball-Fachblatts, Jörg Jakob, als Moderator Station im Leonhard-Gläser-Saal der Siegerlandhalle - und das ohne Fußball-Prominenz. Der Vorstandssprecher der Volksbank Südwestfalen, Norbert Kaufmann, bedauerte das Fehlen der angekündigten Fußball-Größen Norbert Dickel und Heribert Bruchhagen.

„Das lag nicht an uns“, war er sichtlich wenig „amused“ über den Start in den Abend und das Fernbleiben des in Wittgenstein geborenen BVB-Kult-Stadionsprechers sowie des früheren Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter Eintracht und des Hamburger SV. Die Agentur, die Volksbanken und Kicker in Sachen Gästeliste und Organisation unterstützt, habe, wie offiziell verlautbart, gepatzt.

Nun, das hielt die der Region viel enger verbundenen Jacqueline Lölling aus Brachbach, den Eiserfelder Christian Friedrich und den früheren Handball-Geschäftsführer Frank Böcking aus Ferndorf nicht davon ab, die Gunst der Stunde zu nutzen und jenseits des Fußballs aus den Nähkästchen des Skeleton, des Bobsports und des Handballs zu plaudern.

Pro Heimspiel 1500 Euro

Um es vorweg zu nehmen: Das Trio machte das ausgezeichnet. Der Fußball wurde eigentlich gar nicht vermisst. Dennoch war er ein Thema. Im Vergleich zu den Sportarten des Gäste-Trios stellt er nun mal medial alles in den Schatten. Interessant die Rechnung, die Frank Böcking in diesem Zusammenhang präsentierte: „Wir bezahlen für die Berichterstattung im Streamingdienst ,sporttotal.tv’ den Moderator und den Kameramann. Das kostet uns pro Heimspiel 1500 Euro.“ Das Milliardengeschäft Fußball dagegen finanziert sich bekanntlich größtenteils durch die Vergabe der Fernseh-Übertragungsrechte.

„Ich wünsche mir natürlich eine größere mediale Aufmerksamkeit für meinen Sport“, ist Jacqueline Lölling außer bei der Übertragung von Olympischen Spielen oder WM-Entscheidungen auf der Mattscheibe eigentlich nicht präsent.

Christian Friedrich, der als Leichtathlet beim TV Jahn Siegen erste erfolgreiche sportliche Gehversuche unternahm, dann als Anschieber quasi der Motor des Viererbob-Silbermedaillengewinners Karl Angerer bei der WM 2011 am Königssee wurde, spricht eher von zufriedenstellenden Zahlen: „Ich glaube, wir holen das für uns Machbare heraus. Als wir am Königssee im vierten Lauf live gesendet wurden, sahen das acht Millionen Fernseh-Zuschauer.“

Das sei ein Vorteil des Wintersports, der die Fußball-Pause in der kalten Jahreszeit für sich nutzen könne.

Holz- statt Business-Klasse

Was der Sport denn den drei Protagonisten dieses Abends bringe bzw. gebracht habe, schnitt Jörg Jakob ein weiteres Thema an. „Für mich“, so ist die Frage für Christian Friedrich schnell beantwortet, „ist durch den Leistungssport viel hängen geblieben. Weniger finanziell, als vielmehr im Persönlichkeitsbereich.“ Er habe viel von der Welt gesehen, viele Leute kennengelernt. Der inzwischen als Unternehmer erfolgreiche Siegerländer profitiere auch noch von diesen Kontakten.

Er sei durch den Vereinssport quasi in der Turnhalle groß geworden, so Frank Böcking. „Dann lässt einen der Sport einfach nicht mehr los“, gilt das auch für seine Tätigkeit als Ehrenamtler. Und „Jacka“ Lölling? „Ich liebe den Sport. Auch wenn es in der Saison stressig ist, mit der Hetze von einem Wettkampf zum nächsten - und zwar nicht in der Business-, sondern in der Holzklasse.“

So gingen kurzweilige 90 Minuten eines interessanten Abends schnell über die Bühne. Und der Fußball wurde eigentlich gar nicht großartig vermisst.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben