2. Handball-Bundesliga

21:28 gegen Hamburg: Fehlstart für den TuS Ferndorf

Hiergeblieben! Julius Lindskog Andersson wird von Hamburgs Ex-Internationalem Blaženko Lackovic gestoppt. ​

Hiergeblieben! Julius Lindskog Andersson wird von Hamburgs Ex-Internationalem Blaženko Lackovic gestoppt. ​

Foto: Reinhold Becher

Die Niederlage gegen einen starken HSV Hamburg war verdient, denn Ferndorf offenbarte viele Schwächen und lag zu keinem Zeitpunkt in Führung.

Kreuztal. Die ersten acht Spiele hatte der TuS Ferndorf in der vergangenen Zweitliga-Aufstiegssaison nicht verloren, dadurch die Basis für den souveränen Klassenerhalt gelegt. Ein Jahr später muss von einem Fehlstart in die Spielzeit 2019/2020 gesprochen werden. Die 21:28 (11:14)-Niederlage gegen den HSV Hamburg sorgte in der Stählerwiese für Ernüchterung. „Wir hatten uns das anders erhofft, haben aber nie richtig Bezug zum Spiel bekommen“, sagte Ferndorfs Rückraumspieler Jonas Faulenbach selbstkritisch. Was der Routinier damit meinte: Die Mannschaft von Ex-Weltmeister Torsten Jansen, mit seinem Team zum ersten Mal in Kreuztal zu Gast, agierte in vielen Situationen gedankenschneller und dem Gegner oftmals einen Schritt voraus. „Deshalb war es auch ein verdienter Sieg für uns. Der Matchplan ist aufgegangen“, sagte ein zufriedener Torsten Jansen.

Schwächen in allen Mannschaftsteilen

Seine Taktik, mit einer sehr aggressiven Verteidigung die Ferndorfer Schaltstellen zu neutralisieren, ging auf. Faulenbach, Bornemann, Weber, Schneider und Co. ließen sich nämlich den Schneid abkaufen, fanden gelungene Anspiele an den Kreis so gut wie nicht statt, hielt sich der TuS einzig durch gelungene Soli von Julius Lindskog Andersson über Wasser und war es bezeichnend, dass mit Tim Rüdiger auf der rechten und Magnus Neitsch auf der linken Seite nur noch die beiden Flügelspieler zu den positiven Figuren im Ferndorfer Spiel avancierten, wobei insbesondere Neitsch trotzdem noch viel zu häufig übersehen wurde.

Dass die Kreuztaler an diesem Saison-Premierenabend nicht als Gewinner in Frage kamen, lag aber nicht nur am zu harmlosen Angriff. Die Deckung ließ sich von einem mit großer Variabilität und Lauffreude überzeugenden Hamburger Angriff mit den überragenden Philipp Bauer und Leif Tissier geradezu auseinanderreißen, entstanden immer wieder große Lücken – Szenen, die der geneigte TuS-Fan aus der vergangenen Saison kaum kannte. Wenn dann auch die Torhüter nicht ihren besten Tag erwischen, sich der über weite Strecken das Tor hütende Marin Durica bei seinem Liga-Debüt für den TuS Ferndorf immer wieder von einfachen Aufsetzern und flachen Würfen überraschen lässt, eben kein Rückhalt ist, ist eine Niederlage vorgezeichnet. So war es letztlich ein ganzes Bündel von Gründen, warum Ferndorf nach zwei Siegen in der Vorsaison den Hanseaten erstmals gratulieren musste.

Schöngarth sorgt für die Entscheidung

Diese Leistungsunterschiede spiegelten sich auch im Spielverlauf wider. Ferndorf lief bis auf das 1:1 und 4:4 zu Beginn immer einem Rückstand hinterher. Als aus dem 6:7 ein beängstigendes 6:10 wurde (20.), legte Trainer Michael Lerscht zum ersten Mal die grüne Karte und wechselte mehrere Rückraumpositionen. Doch besser wurde es vorerst nicht. Hamburg zog trotz der frühen Ausfalls des ehemaligen 18-fachen Nationalspielers Jens Schöngarth, der erst in der Schlussphase zurück kehrte, durch Niklas Weller und Thies Bergemann auf 12:6 weg. Immerhin halbierte Ferndorf mit einem kleinen Zwischenspurt bis zur Pause den Rückstand, blieb auch bei den 1073 Zuschauern in der nicht ganz ausverkauften Stählerwiese die Hoffnung, der Partie mit einem Kraftakt, mit viel Arbeit noch eine Wende geben zu können.

Die Tür öffnete sich auch kurz, doch wurde diese Chance durch eigenes Dazutun verspielt. Als Lucas Schneider zum 15:17 verkürzte, war auch wieder das Publikum da, schien Hamburg zu wackeln und Ferndorf Oberwasser zu bekommen. Doch dann: Dummer Wechselfehler und zwei vielversprechende Gegenstoßsituationen verbaselt. Ein Anschluss- oder Ausgleichstor hätte die Partie kippen können. Hätte...

So aber befreite sich Hamburg wieder, legte durch Niklas Weller zum 20:16 nach, tuppelte – wie passend – Mattis Michels Siebenmeter-Aufsetzer über die Latte, blieb Faulenbachs Kempa-Tor zum 18:21 nur eine nette Randerscheinung und entschied Ex-Bundesliga-Spieler Jens Schöngarth in der Schlussphase mit drei Toren die Begegnung für den HSV. Und das absolut verdient.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben